Therapeuten warnen eindringlichAufschrei wegen Regierungsplänen: Psychotherapie wird "kaputt gemacht"

Die Psychotherapeuten in Deutschland laufen Sturm gegen die Sparpläne der Bundesregierung. Würden diese umgesetzt, befürchten die Praktiker weniger Therapieplätze und längere Wartezeiten für Menschen mit psychischen Leiden - weil ihr Beruf wirtschaftlich unberechenbar gemacht werde.
Psychotherapeuten protestieren gegen geplante Einschnitte im Sparpaket für die gesetzlichen Krankenversicherungen. "Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz droht, psychotherapeutischen Praxen die wirtschaftlichen Grundlagen zu entziehen", warnte Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer.
Die Folge wären substanzielle Lücken in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. "Das Ergebnis sind weniger Therapieplätze, längere Wartezeiten, längere Krankheitszeiten, mehr Krankengeldtage. Das kann niemand wollen", betonte Benecke. Sie forderte eine grundlegende Nachbesserung bis Ende des Jahres.
Psychotherapie werde "faktisch kaputt gemacht", kritisierte der Vorsitzende des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks, Dieter Adler. "Wenn der Beruf wirtschaftlich derart unberechenbar gemacht wird, werden Praxen ihre Kassenplätze reduzieren, auf Privatbehandlung ausweichen oder ganz aus der Versorgung aussteigen. Dann wird Psychotherapie für viele Menschen wieder zu dem, was sie vor Jahrzehnten war: eine Hilfe für diejenigen, die sie sich leisten können", warnte Adler.
Die aktuelle Kritik von Verbänden richtet sich gegen die Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Aus Sicht der Bundespsychotherapeutenkammer ist diese verfassungsrechtlich geboten.
Die Streichung ist im jüngsten umfassenden Änderungskatalog zum GKV-Spargesetz enthalten. Konkret geht es um Maßstäbe für eine angemessene Vergütung je Zeiteinheit. Dieser gesetzliche Schutzmechanismus soll sichern, dass psychotherapeutische Honorare ein Mindestniveau nicht unterschreiten.