Politik

Tote und Verletzte bei AnschlagAutobombe erschüttert Izmir

05.01.2017, 14:46 Uhr
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Nach der Explosion brannten Autos. (Foto: AP)

Izmir wird von der Welle von Anschlägen in der Türkei zunächst weitgehend verschont. Nun aber explodiert in der Metropole eine Autobombe. Medien berichten von drei Attentätern. Es gibt Tote und Verletzte. Die Behörden haben einen Verdacht, wer dahinter stecken könnte.

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Viel Polizei und etliche Krankenwagen sind vor Ort. (Foto: REUTERS)

Vier Tage nach dem verheerenden Terrorangriff in der Silvesternacht in Istanbul ist die bislang ruhige westtürkische Metropole Izmir von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden. Bei der Explosion einer Autobombe vor dem Justizgebäude seien mindestens zwei Menschen getötet worden, sagte Izmirs Gouverneur Erol Ayyildiz am Tatort. Es handele sich um einen Polizisten und einen Justizmitarbeiter. Mindestens sechs Menschen seien bei dem Terrorangriff verletzt worden. Zuvor war in Berichten von mindestens elf Verletzten die Rede.

Der Gouverneur sagte, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen an einem Checkpoint vor dem Justizgebäude gestoppt. Die Terroristen seien daraufhin ausgestiegen und weggelaufen. Es sei zum Schusswechsel gekommen. Dabei hätten die Angreifer die Bombe gezündet. Die Terroristen hätten zwei Schnellfeuergewehre, eine Panzerfaust mit acht Granaten sowie acht Handgranaten mit sich geführt.

Einen zweiten Anschlag hat die Polizei womöglich verhindert. Dem Gouverneur zufolge ist ein zweites verdächtiges Fahrzeug kontrolliert gesprengt worden. Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak erklärte, der Polizei sei es gelungen, ein "sehr großes Massaker" zu verhindern. Ayyildiz sagte, erste Anzeichen deuteten auf eine Urheberschaft der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hin.

Bericht: Dritter Angreifer flüchtig

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu gab es insgesamt drei Angreifer. Der dritte Angreifer sei noch auf der Flucht. Nach ihm werde unter anderem mit Hilfe von Hubschraubern gesucht, hieß es bei CNN Türk. Außerdem sei eine Nachrichtensperre sei verhängt worden. Bestätigt ist ein dritter Angreifer von Ayyildiz aber nicht.

Die Explosion soll sich nahe des Eingangs für Richter und Staatsanwälte ereignet haben. Auf Fernsehbildern war eine Rauchwolke zu sehen. Das Feuer ist den Berichten zufolge aber inzwischen gelöscht. Das Gerichtsgebäude wurde evakuiert.

Videos sollen Attentat zeigen

Derweil wurden in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, auf denen der Schusswechsel zwischen der Polizei und den Angreifern zu hören sein soll. Zudem veröffentlichte die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw Bilder einer Überwachungskamera, die die Explosion der Autobombe zeigen sollen.

Die Türkei wird seit Monaten von einer Welle von Anschlägen islamistischer und kurdischer Gruppen überzogen. Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei. Von der Eskalation der Gewalt im Land seit Sommer 2015 ist sie bislang weitgehend verschont geblieben.

Über Hundert Tote in einem Monat

Schwere Anschläge waren dort seitdem nicht verzeichnet worden. Alleine in den vergangenen vier Wochen kam es in der Türkei zu einer ganzen Reihe terroristischer Angriffe, die insgesamt mehr als 100 Menschen das Leben kosteten.

Am 10. Dezember sprengten sich Attentäter der PKK-Splittergruppe TAK in Istanbul nach einem Fußballspiel in die Luft (mindestens 45 Tote). Die TAK war auch verantwortlich für einen Anschlag im zentralanatolischen Kayseri eine Woche später (14 Tote). Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in Ankara erschossen.

In der Silvesternacht kam es dann zu dem Terrorangriff in Istanbul. Der Attentäter ist bisher nicht gefasst. In der Nacht zu Mittwoch hatte das Parlament in Ankara beschlossen, den seit Juli geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April zu verlängern. Als Begründung für ihren Antrag gab die Regierung unter anderem die anhaltenden terroristischen Angriffe im Land an.

Steinmeier verspricht Unterstützung

Nach dem Bombenanschlag in Izmir hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier der Türkei den Rückhalt Deutschlands zugesagt. "Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei, völlig gleichgültig, ob dieser islamistisch, ethnisch oder ideologisch motiviert ist", erklärte Steinmeier. Die türkischen Sicherheitskräfte hätten in Izmir "offenbar Schlimmeres verhindern können".

Er sei "tief betroffen über die Nachrichten aus Izmir und erschüttert, dass die Türkei nach nur wenigen Tagen erneut Opfer eines Anschlags geworden ist", erklärte Steinmeier.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts/dpa

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