Politik

Schnuppern bei den Schnüfflern BND öffnet einen Spalt weit seine Türen

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Die neue Zentrale für 4000 Mitarbeiter wird viel teurer und sollte schon vor vier Jahren fertig sein.

(Foto: dpa)

Am Wochenende lässt sich der Bundesnachrichtendienst ein bisschen in die Karten gucken. Besucher dürfen zum Tag der offenen Tür auf das Gelände - nicht aber in das Gebäude. Der Zutritt ist auch BND-Mitarbeitern momentan untersagt.

Die Reihe der Verbote ist lang: Besucher dürfen nicht fotografieren, es dürfen keine großen Taschen mitgeführt werden, keine Flüssigkeiten in Glasflaschen, keine Waffen... Trotzdem ist die Schlange der Neugierigen am Neubau des Bundesnachrichtendienstes am Morgen lang. Grund dafür gibt es genug. Der Gebäudekoloss mitten in Berlin ist der geheimste und größte Neubau der Republik. Der einfache Bürger hat an diesem Wochenende die einmalige Chance, hinter den hohen Sicherheitszaun mit den vielen Kameras zu blicken. "Wenn hier erstmal die Arbeit läuft, dann werden wir uns nicht so genau in die Karten gucken lassen können", sagt der neue BND-Präsident Bruno Kahl, der sich unter die Besucher mischt und an einem Rundgang teilnimmt.

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Der neue BND-Präsident Bruno Kahl mischt sich unter die Besucher.

(Foto: dpa)

Allerdings: Wirklich in die Karten gucken lässt sich der BND auch an diesem Wochenende nicht. Die Besucher kommen nur auf das Gelände, nicht aber in den Gebäudekomplex, in dem später die Spione arbeiten werden. Von diesem erfahren sie von einem BND-Mitarbeiter zum Beispiel, dass er 14.000 Fenster und 12.000 Türen hat. Prompt kommt die Frage: "Und wie viele Wasserhähne"? Der Mann nimmt es mit Humor. "Das war ja zu erwarten", quittiert er gelassen das Gelächter der Besuchergruppe. Die Antwort bleibt geheim. Bis heute war nicht zu ermitteln, warum die neue Zentrale der deutschen Auslandsspione in einer März-Nacht im Jahr 2015 voll Wasser lief. Ob die Wasserhähne tatsächlich gestohlen wurden oder ob sie gar nicht angebracht waren - es dürfte für immer ein Geheimnis bleiben.

Geheimer Stolz des BND

Die Stimmung der Besucher ist locker, ein bisschen bewundernd ("Ist ein schönes Gefühl, dass wir so viel Geld haben"), ein bisschen skeptisch. Dass die Aluminiumverkleidung der Fassade nur der Schönheit dienen soll, glauben die wenigsten. "Das soll bestimmt wat abschirm'", meint ein 56-jähriger Besucher. Seinen Namen will er lieber nicht veröffentlicht wissen, aber er war früher bei der Armee, sagt er. Offiziell heißt es, die Verkleidung diene dem Blitzschutz. Einen Blick in eine geheime Tüftlerwerkstatt mit atemberaubenden Spionagetricks wie in einem James-Bond-Film gibt es nicht.

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Die Skepis in der Bevölkerung ist groß: Zwei Drittel sollen nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wenig bis gar kein Vertrauen in den Geheimdienst haben.

(Foto: dpa)

Viele bedauern, dass das Betreten des 280 Meter langen, 180 Meter tiefen und 30 Meter hohen, etwas abgesenkten Gebäudes nicht erlaubt ist. Das liegt daran, dass dort derzeit sensible Sicherheitstechnik eingebaut wird. Nicht einmal BND-Mitarbeiter dürfen deswegen rein. Über die Enttäuschung können bei manchen auch Ausstellungsstücke aus der Arbeit der Auslandsspione nicht hinwegtrösten. Der Neubau ist der Star. Enttarnte Sprengsätze und eine Sprengstoffweste aus Afghanistan bleiben eher links liegen.

Das gilt auch für den geheimen Stolz des BND, einen unscheinbaren aluminiumfarbenen Zylinder. Das Ausstellungsstück darf nicht fotografiert werden, die Sicherheitsleute passen besonders auf. Es ist eine Gasultrazentrifuge, die "mit nachrichtendienstlichen Mitteln" beschafft worden ist. Die genaue Herkunft bleibt im Dunkeln, nur so viel wird klar: Es ist ein Original, das zur Anreicherung von Uran und zum Bau von Atombomben benutzt werden kann.

Der BND-Bau soll 2017 fertig sein

Viel von der allgemeinen Skepsis der Bundesbürger gegenüber dem BND ist beim Tag der offenen Tür nicht zu spüren. Zwei Drittel sollen nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wenig bis gar kein Vertrauen in den Geheimdienst haben. Auch BND-Präsident Kahl werden keine unbequemen Fragen gestellt. Er mischt sich unter die Menge, lotet die Stimmung aus. "Ich bin hier Mitarbeiter", stellt er sich auf dem Rundgang einem jungen Paar zurückhaltend vor.

Vorher hat sich Kahl geduldig den Presse-Fotografen gestellt: Der oberste Schattenmann wird auf die Rampe zum Mitarbeiterparkhaus gelotst - sie wollen ihn lieber in der Sonne ablichten. Ob ihn das Posieren nervt? Nein, sagt Kahl, der im dunkelblau-gestreiften kurzen Sommerhemd gekommen ist. "Was mich nervt, sind unvorteilhafte Bilder. Aber das Shooting nervt mich nicht."

Zurück zu den Besuchern: Dass die neue Zentrale für 4000 Mitarbeiter viel teurer wird und schon vor vier Jahren fertig sein sollte, wird beim Tag der offenen Tür von vielen auch eher locker gesehen. "Das ist man in Berlin ja gewöhnt", sagt Philippe Romil lachend. Er stammt aus Frankreich und arbeitet auf einem Berliner Flughafen. Wenn ein kleines Wunder geschieht, könnte die wohl bekannteste Pannenbaustelle der Hauptstadt, der neue Hauptstadtflughafen, wie der BND-Bau im Jahr 2017 fertig sein. Baubeginn für beide war 2006.

Quelle: n-tv.de, Anett Indyka und Jörg Blank, dpa

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