Politik

Wie politisch ist Kultur? Bauhaus-Absage löst heftige Debatte aus

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Die Band will trotzdem spielen.

(Foto: picture alliance / Daniel Karman)

Die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" soll in Dessau in den Räumen des Bauhauses auftreten. Das ZDF will das Konzert aufzeichnen. Doch dann rufen rechte Gruppen im Internet zu Protesten gegen das Konzert auf, und das Bauhaus sagt die Aufzeichnung ab.

Die Absage der Stiftung Bauhaus Dessau für ein Konzert der Punkrockband "Feine Sahne Fischfilet" wird weiter heftig diskutiert. Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer, kritisierte die Absage heftig. Er widerspreche entschieden den Äußerungen der dortigen Stiftung, das Bauhaus sei ein "bewusst unpolitischer Ort", schreibt der Linken-Politiker in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an die Mitglieder des Museumsverbundes.

Die Kunstschule fordere nach ihren eigenen Erfahrungen in der Nazi-Zeit und der DDR zu einer klaren Haltung gegen alle Einschüchterungsversuche auf. Das Bauhaus Dessau hatte ein vom ZDF dort geplantes Konzert der Punkband am 6. November abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen im Internet zum Protest gegen den Auftritt der linken Musiker aufgerufen hatten. Man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, hieß es.

Lederer betonte dagegen, die Mobilisierung gegen das Konzert sollte als Angriff auf die Kunstfreiheit verstanden werden und nicht als Begründung für eine Absage herhalten. "Wir können und wollen die politischen Wurzeln des Bauhauses nicht einfach ignorieren", schrieb er. "Lassen Sie uns also das 100-jährige Jubiläum nutzen, um mit Selbstvertrauen für Kultur und Demokratie einzustehen!"

Beifall von der AfD

Zuvor hatten bereits die Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke und Erhard Grundl der Bauhaus-Stiftung vorgeworfen, "vor Drohungen von Rechtsextremisten einzuknicken". Grundl sprach mit Blick auf die Geschichte des einst von Nationalsozialisten geschlossenen Bauhauses von einem "Armutszeugnis".

Die SPD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt machte eine Intervention der Staatskanzlei von Ministerpräsident Reiner Haseloff für die Absage verantwortlich. Ihr medienpolitischer Sprecher Holger Hövelmann äußerte sich "sehr besorgt" deswegen. Ein Eingriff von staatlicher Seite in ein Kulturprogramm sei "hoch problematisch", erklärte er in Magdeburg.

Der Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, verteidigte die Absage. Eine politische Konfrontation sei mit dem Bauhaus nicht vereinbar, sagte er dem MDR. Der Dessauer AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek begrüßte die Absage durch die Bauhaus-Stiftung als "ein erfreuliches Zeichen". In den sozialen Medien löste der Vorgang erregte Debatten aus.

"Polarisierte gesellschaftliche Auseinandersetzung"

Das ZDF zeichnet regelmäßig Konzerte in den Bauhaus-Räumlichkeiten in Dessau in Sachsen-Anhalt auf. Die Absage der Stiftung an das nun geplante Konzert war am Donnerstag bekannt geworden. "Politisch extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft - auf der auch das historische Bauhaus beruht - spalten und damit gefährden", hatte das Bauhaus dazu mitgeteilt.

Am Freitag wurde dann ergänzt: "Aufgrund vermehrter Aufrufe in den sozialen Medien zur gewaltsamen Störung des Konzerts mussten wir annehmen, dass das Bauhaus Ziel von extremistischen Angriffen geworden wäre." Neben dem Status des Unesco-Welterbes sei es um das Ziel gegangen, keine erneuten medialen Bilder einer gespaltenen zerrissenen Gesellschaft zu ermöglichen. "Dies steht auch im Kontext jener polarisierten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die in den vergangenen Monaten das Bild Ostdeutschlands geprägt haben."

Die Band "Feine Sahne Fischfilet" aus Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich seit einiger Zeit gegen Rechtsextremismus. Ihr werden aus früheren Jahren gewaltverherrlichende Texte vorgeworfen, von denen sich die Band aber inzwischen distanziert hat. Die Band kündigte an, trotzdem am 6. November in Dessau auftreten zu wollen. Die Musiker waren nach rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz auch Anfang September dort auf einem Solidaritätskonzert gegen Rechts aufgetreten, für das sich damals unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingesetzt hatte. Auch der damalige Auftritt der Band war von der extremen Rechten, aber auch von Politikern der CDU kritisiert worden.

Quelle: ntv.de, sba/dpa/AFP