Zweifel an BekennerschreibenBeißender Geruch bei Pistorius-Rede in Hannover wirft Fragen auf

Bei einer Rede des Verteidigungsministers Pistorius auf der Hannover Messe stinkt es plötzlich nach Erbrochenem. Jetzt ist ein Bekennerschreiben mit der Behauptung aufgetaucht, die Rede sei mit Buttersäure gestört worden. Doch die Polizei zweifelt daran.
Ein rätselhafter Geruch nach Erbrochenem in Halle 25 auf der Hannover Messe sorgt weiter für Fragen: Inzwischen ist ein mutmaßliches Bekennerschreiben aufgetaucht. Doch die Polizei stellt zentrale Angaben daraus infrage.
Auf der Plattform Indymedia wurde ein Text veröffentlicht, in dem Unbekannte für den Gestank während eines Auftritts von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am Montag die Verantwortung übernehmen. "Wir haben am Montag die Rede von Boris Pistorius besucht und gezaubert, dass es unaushaltbar stinkt", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Boris Pistorius wurde während seiner Eröffnungsrede mit Buttersäure gestört."
Die Polizei widerspricht dieser Darstellung. Für die im Bekennerschreiben angedeutete Verwendung von Buttersäure gebe es laut Polizei bislang keine Hinweise. "Die auf der Plattform Indymedia veröffentlichten Angaben decken sich insofern nicht mit den vor Ort getroffenen Feststellungen", teilte ein Sprecher mit.
Einsatzkräfte hätten am Montag nach dem Auftritt von Pistorius lediglich an einer eng begrenzten Stelle einen schwachen Geruch wahrgenommen. Auswirkungen auf die Veranstaltung habe es nicht gegeben. Nach aktuellem Stand sieht die Polizei zudem keine Anhaltspunkte für eine Straftat. Ein Ermittlungsverfahren sei daher nicht eingeleitet worden. Der Vorfall sei jedoch dokumentiert worden.
Geruch hält sich auch noch am Mittwoch
Nach Angaben der Messe wurde die betroffene Stelle vom Sicherheitsteam rasch identifiziert und umgehend gesichert. Anschließend seien alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden, darunter der Austausch eines Teppichbereichs sowie eine gründliche Reinigung und Desinfektion. Der Geruch war nach Angaben von Reportern auch am Dienstag und Mittwoch aber nicht verflogen.
Die Halle 25 mit der "Center Stage" zählt zu den wichtigsten Bühnen der Messe, auf der Spitzenpolitiker und Wirtschaftsvertreter auftreten. Neben Pistorius sprach dort am Montag auch Bundeskanzler Friedrich Merz, am Dienstag traten Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, und Rheinmetall-Chef Armin Papperger auf, am Mittwoch IG-Metall-Chefin Christiane Benner.