Politik

Erste Bestätigung von Festnahme Belarus veröffentlicht "Geständnis" Protassewitschs

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Unter welchen Umständen das angebliche Geständnis zustande kam, ist nicht unabhängig überprüfbar.

Mit abenteuerlichen Erklärungen zu einer angeblichen Hamas-Bombendrohung begründen die belarussischen Behörden die erzwungene Landung von Flug FR4978. Von dem Regimekritiker Protassewitsch, der in Minsk abgeführt wird, ist zunächst keine Rede. Nun taucht ein Video des Oppositionellen auf.

Einen Tag nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Minsk hat das belarussische Staatsfernsehen ein Video mit einem angeblichen Geständnis des festgenommenen Regimekritikers Roman Protassewitsch veröffentlicht. "Ich werde weiter mit den Ermittlern zusammenarbeiten und gestehe, Massenproteste in der Stadt Minsk organisiert zu haben", sagt der Oppositionsaktivist. "Das Personal geht mit mir völlig angemessen um und respektiert die Gesetze", sagt der an einem Tisch sitzende Protassewitsch in die Kamera. Unter welchen Umständen das Video zustande kam und ob es die Anforderungen eines rechtsstaatlichen Verfahrens an ein Geständnis erfüllt, geht aus dem Video und dem Bericht des Staatsfernsehens nicht hervor.

Erst kurz zuvor, einen Tag nach der unter Vorspiegelung einer Bombendrohung erzwungenen Notlandung, hatten die belarussischen Behörden die Festnahme des Bloggers bestätigt. Protassewitsch sei in Untersuchungshaft genommen worden, teilte das Innenministerium am Abend im Nachrichtenkanal Telegram mit. Der 26-Jährige war am Sonntag am Minsker Flughafen in Haft genommen worden.

Zugleich wies das Innenministerium Berichte in sozialen Netzwerken zurück, wonach der Journalist im Krankenhaus liege. Der Haftanstalt lägen keine Informationen über gesundheitliche Beschwerden vor. Tadeusz Giczan, Chefredakteur des Oppositionskanals Nexta, hatte auf Twitter unter Berufung auf die Mutter des festgenommenen Aktivisten berichtet, Protassewitsch befinde sich in "kritischem" Zustand wegen einer Herzkrankheit in einem Krankenhaus.

Mehr als 24 Stunden hatte die autoritäre Führung des Landes keine Angaben zum Verbleib des Oppositionsaktivisten gemacht. Vor seiner Festnahme war das Ryanair-Flugzeug mit Protassewitsch an Bord auf dem Weg von Athen nach Vilnius zur Landung gezwungen worden. Dabei stieg nach Angaben des Militärs in Minsk auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 auf. Die Behörden hatten von einer angeblichen Bombendrohung gesprochen.

Mehrere Passagiere des Flugs bestätigten Medien in Litauen nach der Landung die Festnahme des jungen Mannes. Protassewitsch, der in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben war, hatte im Exil in Litauen gelebt. Ihm drohen nun viele Jahre Haft. Die EU verurteilte das Vorgehen von Belarus geschlossen und forderte Protassewitschs Freilassung.

Amnesty International sprach von einem "offensichtlichen Akt der Luftpiraterie". Es bestehe kein Zweifel, dass die Maschine zur Landung gezwungen worden sei "mit dem offensichtlichen alleinigen Ziel, einen im Exil lebenden kritischen Journalisten festzuhalten, den sie unbedingt zum Schweigen bringen wollten". Der Fall klinge nach einer Hollywood-Idee, sei aber keine.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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