"Um Massenopfer zu verursachen"Bericht: Iran attackierte mehr US-Militäreinrichtungen als bisher bekannt

Seit Kriegsbeginn sind offiziellen Angaben zufolge sieben US-Soldaten durch iranische Angriffe getötet und mehr als 400 verletzt worden. Die Schläge treffen mehrere US-Militärstützpunkte in der Region. Wie ein Bericht nun aufdeckt, sollen die Möglichkeiten der Iraner unterschätzt worden sein.
Iranische Luftangriffe haben seit Kriegsbeginn einem Medienbericht zufolge mindestens 228 Gebäude und Ausrüstungsgegenstände auf US-Militärstützpunkten im Nahen Osten beschädigt oder zerstört. Wie die "Washington Post" anhand von ausgewerteten Satellitenbildern darstellt, soll das Ausmaß der Zerstörung weitaus größer sein, als es von der US-Regierung öffentlich eingeräumt wurde. Demnach waren von den iranischen Angriffen Hangars, Kasernen, Treibstofflager, Flugzeuge und wichtige Radar-, Kommunikations- und Luftverteidigungssysteme in der Region betroffen.
Experten, die die Analyse der Zeitung überprüften, sagten, die Schäden an den Standorten deuteten darauf hin, dass das US-Militär die Zielerfassungsfähigkeiten des Irans unterschätzt habe. Demnach sollen sich die USA nicht ausreichend an die moderne Drohnenkriegsführung des Iran angepasst und einige Stützpunkte unzureichend geschützt haben.
"Die iranischen Angriffe waren präzise. Es gibt keine zufälligen Krater, die auf Fehlschüsse hindeuten würden", sagte Mark Cancian, leitender Berater des Center for Strategic and International Studies und pensionierter Oberst des Marine Corps, der die iranischen Bilder auf Anfrage der "Washington Post" begutachtete.
"Die Iraner haben gezielt Unterkünfte an mehreren Standorten angegriffen, um Massenopfer zu verursachen", sagte William Goodhind, ein Ermittler des frei zugänglichen Forschungsprojekts Contested Ground, der das Bildmaterial der Zeitung auswertete. Nicht nur Ausrüstung, Treibstofflager und die Infrastruktur von Luftwaffenstützpunkten seien demnach unter Beschuss geraten, sondern auch weiche Ziele wie Turnhallen, Kantinen und Unterkünfte.
Ein Teil der Schäden könnte jedoch entstanden sein, nachdem die US-Truppen die Stützpunkte bereits verlassen hatten, wodurch der Schutz der Gebäude an Bedeutung verlor. Cancian und andere Experten gaben an, dass sie nicht glauben, dass die Angriffe die Fähigkeit des US-Militärs, seine Bombardierungskampagne im Iran durchzuführen, wesentlich eingeschränkt haben.
Das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando hat eine Stellungnahme zu den detaillierten Erkenntnissen der Zeitung abgelehnt. Ein Militärsprecher habe aber der Einschätzung der Experten widersprochen, die Schäden an Militärbasen seien umfangreich oder ein Indiz für ein Versagen der USA. Er sagte, die Bewertung des Ausmaßes der Zerstörung sei komplex und könne in manchen Fällen irreführend sein. Konkrete Details habe er jedoch nicht genannt. Militärische Führungskräfte würden nach Ende des Konflikts einen umfassenderen Kontext zu den iranischen Angriffen liefern können, so der Sprecher.
Tote und Hunderte Verletzte
Bereits zu Beginn des Iran-Krieges habe die Gefahr von Luftangriffen einige der US-Stützpunkte in der Region zu gefährlich gemacht, um sie in normaler Truppenstärke zu besetzen. Deshalb verlegten die Kommandeure offiziellen Angaben zufolge den größten Teil des Personals von diesen Standorten aus der Reichweite des iranischen Feuers, heißt es in dem Bericht der Zeitung weiter.
Insgesamt sind sieben US-Soldaten bei Angriffen auf US-Einrichtungen in der Region ums Leben gekommen. Davon sechs in Kuwait und einer in Saudi-Arabien. Mehr als 400 Soldaten sind bis Ende April verletzt, wie das US-Militär offiziell mitteilte. Die meisten Verwundeten seien innerhalb weniger Tage in den Dienst zurückgekehrt. Jedoch sollen mindestens zwölf Soldaten Verletzungen erlitten haben, die von Militärangehörigen als schwerwiegend eingestuft wurden, heißt es in dem Bericht weiter unter Berufung auf US-Beamte, die wegen der Brisanz des Themas anonym bleiben wollten.
Für ihre Darstellung der Schäden an US-Einrichtungen in der Region hat die "Washington Post" eigenen Angaben zufolge über 100 hochauflösende, vom Iran veröffentlichte Satellitenbilder geprüft. Die Echtheit der Bilder sei durch einen Vergleich mit niedrig auflösenden Aufnahmen des EU-Satellitensystems Copernicus sowie, sofern verfügbar, mit hochauflösenden Bildern des kommerziellen Anbieters Planet Labs aus den USA verifiziert worden. 19 iranische Bilder seien von der Schadensanalyse ausgeschlossen worden, da die Vergleiche mit den Copernicus-Bildern kein eindeutiges Ergebnis lieferten. Es seien aber keine Hinweise auf Manipulationen an den iranischen Bildern gefunden worden.