Politik

Vorfall im WestjordanlandBericht: Israelische Soldaten schießen auf 14-Jährigen und lassen ihn verbluten

27.02.2026, 11:34 Uhr
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Soldaten der IDF bei einer Militäroperation im Westjordanland (Archivbild). (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Im besetzten Westjordanland wird ein Junge von israelischen Soldaten mit mindestens einem Schuss niedergestreckt. Sanitätern zufolge verhindern die Bewaffneten, dass Krankenwagen zum Schwerverletzten gelangen, wenig später ist der 14-Jährige tot. Das Militär wirft dem Jungen einen Steinwurf vor - platzierten die Soldaten nachträglich Beweise?

Israelische Soldaten haben im vergangenen November offenbar auf einen 14-jährigen palästinensischen Jungen geschossen und ihn dann 45 Minuten lang untätig an seinen Wunden verbluten lassen. Wie die BBC nach der Auswertung von Videomaterial und Zeugenaussagen berichtet, hinderten die Soldaten nach den Schüssen zwei palästinensische Krankenwagen daran, zu dem Schwerverletzten zu gelangen. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge in einem Flüchtlingslager im besetzten Westjordanland. Der 14-Jährige starb wenig später an seinen Verletzungen.

"Laut Videoaufnahmen und Augenzeugenberichten standen die Soldaten - insgesamt 14 - mindestens 45 Minuten lang lässig um das Kind herum", während der Junge aus einer oder mehreren Schusswunden geblutet habe, schreibt der britische Sender. Obwohl israelische Soldaten in der Leistung von Erster Hilfe ausgebildet werden, schien keiner der Soldaten lebensrettende Maßnahmen einzuleiten. Ein palästinensischer Rettungssanitäter berichtet, dass die Soldaten ihn und sein Team mit vorgehaltener Waffe daran gehindert hätten, zum Schwerverletzten vorzudringen. Auch ein zweiter Krankenwagen sei gestoppt worden.

Auf Anfrage teilte das israelische Militär der BBC mit, die Einsatzkräfte hätten "erste medizinische Hilfe" geleistet. Ein Sprecher lehnte es dem Bericht zufolge ab, Einzelheiten über die Art oder den Zeitpunkt der Behandlung zu nennen. Das Militär beschuldigte den 14-Jährigen, vor den Schüssen einen Stein auf die Soldaten geworfen zu haben.

Von der BBC ausgewertete Aufnahmen des Vorfalls zeigen, wie ein Soldat nach den Schüssen einen schweren Gegenstand neben dem Jungen fallen lässt und ein Foto davon macht. Die Familie des getöteten Kindes und Menschenrechtsorganisationen werfen den israelischen Einsatzkräften vor, dem Jungen die Attacke mit dem Stein anhängen zu wollen - um ihre tödlichen Schüsse im Nachhinein zu rechtfertigen. "Mein Sohn stellte keine Gefahr für diese Soldaten dar", wird der Vater des toten Jungen zitiert.

Militär gibt Leiche nicht an Familie

Nach mehr als 45 Minuten hätten die Soldaten den Blutenden schließlich auf die Ladefläche eines israelischen Militärfahrzeugs geladen, hieß es. Irgendwann davor oder danach müsse der Junge gestorben sein. Es sei immer noch unklar, wo an seinem Körper und wie oft er angeschossen wurde, da sich das israelische Militär weigere, die Leiche des 14-Jährigen an seine Familie zurückzugeben.

Zu dem Vorwurf der Familie sagte Shai Parnes von der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem gegenüber der BBC: "Es ist schwer, mit Sicherheit zu sagen, was wir hier sehen - ob es sich um einen Stein handelt und ob sie versuchen, ihm damit etwas anzuhängen. Aber ich denke, jeder, der sich das Video unvoreingenommen ansieht, wird wahrscheinlich zu diesem Schluss kommen."

Eine solche Handlung wäre "abscheulich", fügte Parnes hinzu. "Aber wir haben andere Fälle gefunden, in denen israelische Streitkräfte auf die eine oder andere Weise versucht haben, einen Palästinenser nach der Tat zu belasten. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir so etwas vor der Kamera sehen."

Quelle: ntv.de, dsc

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