Politik

"An Tod und Entführung gewöhnt" Bericht zu Kolumbiens Bürgerkrieg zeigt Schreckensbild

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In gut 50 Jahren Bürgerkrieg soll es etwa 220.000 Todesopfer gegeben haben. Die Bilder einiger wurden während der Anhörungen ehemaliger FARC-Mitglieder gezeigt.

(Foto: picture alliance / AA)

Der Bürgerkrieg in Kolumbien dauert länger als ein halbes Jahrhundert und fordert rund 220.000 Todesopfer. In ihrem 515-seitigen Bericht führt die Wahrheitskommission Menschenrechtsverletzungen an verschiedenen Gruppen auf. Es ist von Verschleppung, Missbrauch und Massengräbern die Rede.

Sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation FARC hat die Wahrheitskommission ihren Abschlussbericht über die während des Bürgerkriegs verübten Verbrechen vorgelegt. "Es sind unbequeme Wahrheiten für uns alle", sagte der Vorsitzende der Kommission, Francisco de Roux, bei der Vorstellung des Berichts in Bogotá. "Wir haben uns an den Tod und die Entführungen gewöhnt. Aber wer seine Verantwortung einräumt und anerkennt, wird von einem Teil des Problems zu einem Teil der Lösung."

In zehn Kapiteln werden Menschenrechtsverletzungen gegen verschiedene Gruppen wie Indigene, Frauen, Kinder und Homosexuelle beschrieben, Stellungnahmen von Opfern und Tätern veröffentlicht und Empfehlungen für eine friedliche Zukunft ausgesprochen. Für den 515 Seiten starken Bericht führte die Wahrheitskommission in knapp vier Jahren über 27.000 Interviews in Kolumbien und 23 weiteren Ländern. "Die Anhörung der Opfer hat uns erschüttert: die Tausenden Kinder, die in den Krieg verschleppt wurden, die Suche nach Verschleppten, die Massengräber, die Tausenden von missbrauchten und gedemütigten Frauen, die massakrierten Bauern", sagte de Roux.

Die Wahrheitskommission überreichte eine Reihe an Empfehlungen an den künftigen Präsidenten Gustavo Petro. "Die Wahrheit hat eine Bedeutung, die nicht Rache, sondern Dialog, Einigung, Koexistenz und Versöhnung bedeutet", sagte Petro. Der Linkspolitiker und ehemaliger Guerillero tritt sein Amt am 7. August an. "Diese Empfehlungen werden dazu dienen, dass sich der bewaffnete Konflikt nicht wiederholt."

Wiedereingliederung einstiger Rebellen schwierig

Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. 2016 schloss die Regierung einen Friedensvertrag mit der linken FARC-Guerilla. Die Wiedereingliederung der ehemaligen Rebellen ins zivile Leben gestaltet sich allerdings schwierig. Viele haben sich wieder kriminellen Gruppen angeschlossen. Auch die kleinere Guerillagruppe ELN kämpft noch immer gegen den Staat. Zwar hat sich die Sicherheitslage verbessert, aber gerade auf dem Land werden noch immer große Gebiete von bewaffneten Banden kontrolliert.

"Die Wahrheitskommission hat die Ursachen des Konflikts beleuchtet und seine schmerzvolle Wirklichkeit offengelegt", sagte die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet in einer Videobotschaft. "Ohne die Wahrheit ist Versöhnung nicht möglich. Ohne Versöhnung bleibt das Risiko einer Wiederholung bestehen." Die Wahrheitskommission rief die Regierung dazu auf, den Friedensvertrag mit den FARC konsequent umzusetzen. Von den Splittergruppen der FARC, den ELN-Rebellen und anderen kriminellen Organisationen verlangte die Kommission, die Waffen niederzulegen. "Es gibt immer noch einen Konflikt zwischen verschiedenen Akteuren, der in einer weiteren Phase der totalen Konfrontation wieder an Kraft gewinnen könnte, wenn keine ernsthaften Schritte zur Friedenskonsolidierung unternommen werden", sagte de Roux.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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