Politik

Vermächtnis "jeden Tag sichtbar"Berlin benennt Platz vor Abgeordnetenhaus nach Margot Friedländer

07.05.2026, 14:45 Uhr
00:00 / 03:10
Die-Platzbezeichnung-des-Margot-Friedlaender-Platz-wird-waehrend-einer-Feierstunde-zur-Umbenennung-des-Platzes-vor-dem-Berliner-Abgeordnetenhaus-von-Stefanie-Remlinger-l-r-Buendnis-90-Die-Gruenen-Bezirksbuergermeisterin-Berlin-Mitte-Karsten-Dreinhoefer-Vorsitzender-des-Vorstandes-der-Margot-Friedlaender-Stiftung-Cornelia-Seibeld-CDU-Praesidentin-des-Abgeordnetenhauses-und-Kai-Wegner-CDU-Regierender-Buergermeister-von-Berlin-enthuellt
Der Platzbenennung ging mit einer Feierstunde im Abgeordnetenhaus einher. Das neue Schild enthüllten unter anderen Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld (2.v.r.) und Kai Wegner, Regierender Bürgermeister (r.). (Foto: picture alliance/dpa)

Im vergangenen Jahr stirbt die Holocaust-Überlebenden Friedländer hochbetagt in ihrer Heimatstadt Berlin. Das Landesparlament ehrt die Zeitzeugin nun mit der Benennung eines zentralen Platzes. Der Regierende Bürgermeister nennt es eine Pflicht, ihr Wirken fortzusetzen.

Der Platz direkt vor dem Berliner Abgeordnetenhaus trägt ab sofort den Namen der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921-2025). Am Vormittag wurde das Schild mit ihrem Namen offiziell enthüllt. "Wir ehren damit eine große Berlinerin und einen Menschen, dessen Leben uns zu dauerhaftem Erinnern verpflichtet", sagte Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld bei der Feierstunde im Plenarsaal. Friedländers Vermächtnis werde so "jeden Tag sichtbar".

Seibeld erinnerte daran, dass Friedländer nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zunächst in die USA gegangen war, 2010 aber zurück nach Berlin kam. "Ihre Mission war klar, für die zu sprechen, die nicht mehr sprechen konnten. Sie tat das unermüdlich, vor allem für junge Menschen", sagte Seibeld. Den Platz vor dem Abgeordnetenhaus nach Friedländer zu benennen, sei eine dauerhafte Mahnung. "Sie hat uns etwas mitgegeben: den Auftrag hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen."

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte, Friedländer sei der Beweis dafür, dass Menschlichkeit über Unmenschlichkeit siegen könne. "Margot Friedländer hielt den Blick stets auf das Gute gerichtet. Sie vertraute auf Humanität und Toleranz." Aber sie habe auch die Gefahren für die Demokratie gesehen und den wachsenden Antisemitismus, sagte der CDU-Politiker. "Deshalb ist es unsere Pflicht, Margot Friedländers aufklärerisches Wirken mit ganzer Kraft fortzusetzen."

Friedländer gehörte zu den meistgeachteten und öffentlich aktivsten Zeuginnen der NS-Judenverfolgung. Die Berliner Ehrenbürgerin starb am 9. Mai vergangenen Jahres im Alter von 103 Jahren in der Hauptstadt, in der sie 1921 geboren worden war. Während des Weltkriegs überlebte sie die Deportation in ein Konzentrationslager. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet.

Nach dem Krieg lebte Friedländer zunächst mehrere Jahrzehnte in den USA, erst nach dem Tod ihres Ehemanns Ende der 90er Jahren wandte sie sich ihrer schmerzhaften Verfolgungsgeschichte zu. 2010 zog sie im Alter von 88 Jahren zurück in ihre Geburtsstadt Berlin, um als Zeitzeugin aufzuklären. Sie besuchte unter anderem Schulen. Für ihr Wirken erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, die von ihr gegründete Margot-Friedländer-Stiftung setzt ihre Arbeit nach ihrem Tod fort.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

BerlinNationalsozialismusHolocaustKai Wegner