Politik
(Foto: picture alliance / Tim Brakemeie)
Mittwoch, 28. Juni 2017

Kontra für die Kritiker: Berliner Clubs feiern die "Partypolizei"

Die Berliner Polizei räumt ein, dass sich Kollegen vor dem G20-Gipfel in Hamburg daneben benommen haben, appelliert aber auch an das Verständnis der Bürger. Die Clubszene der Hauptstadt würdigt indes die "Auftaktparty" - und macht den Beamten ein Versprechen.

Ein Berliner Polizist hat die aus seiner Sicht übertriebene Berichterstattung über eine Party Berliner Beamten vor dem G20-Gipfel in Hamburg kritisiert. "Es wurde nichts beschädigt. Niemand wurde verletzt. Wir haben niemanden beleidigt oder bedrängt. Wir alle waren am nächsten Tag einsatzfähig, es gab keine Ausfälle", sagte er der "Bild"-Zeitung. Zudem äußerte sich die Behörde auf Facebook. Dabei bat sie um Nachsicht, kündigte aber auch die Aufklärung an.

Von einer Beamtin, die im Bademantel mit einer Waffe hantiert haben soll, habe er nichts mitbekommen, sagte der Beamte der Zeitung. Auch zu Auseinandersetzungen mit Wuppertaler Polizisten sei es nicht gekommen. Der Mann, der unbekannt bleiben wollte, räumte jedoch ein, dass ein Polizisten-Pärchen Geschlechtsverkehr am Zaun gehabt habe. Wer das gewesen sei, könne er nicht sagen, aber: "Selbst wenn - die hätten vielleicht in die Unterkunft gehen sollen, ja, aber ist es so verwerflich, deshalb drei Hundertschaften zurück nach Berlin zu schicken? Weiß nicht."

Die einzige Öffentlichkeit, die dort tangiert worden sein könnte, sei das Sicherheitspersonal gewesen, sagte der Beamte. Er äußerte außerdem die Vermutung, die Sicherheitsleute seien von der Hamburger Polizeiführung auf die Einheit angesetzt worden, um jegliches Fehlverhalten zu dokumentieren.

"Kollegen arbeiten sehr professionell"

Die Berliner Polizei äußerte sich via Facebook und nutzte den Eintrag, um beim Bürger für Verständnis zu werben und das Bild der Berliner "Partypolizei" geradezurücken. Die Bereitschaftspolizei bestehe vor allem aus jungen Menschen, die im Einsatz große Verantwortung tragen würden. "Diese jungen Kolleginnen und Kollegen arbeiten sehr professionell. Seit Jahren werden sie von anderen Bundesländern für die verschiedensten Einsätze angefordert. Der hohe Einsatzwert wird dabei durchweg gelobt", so das Statement. Allerdings räumte die Behörde auch ganz klar ein: "Ja, wir haben gefeiert."

Über mögliche Konsequenzen wolle man aber erst entscheiden, nachdem man detaillierte Schilderungen der Vorfälle erhalten habe. Berlins Innensenator Andreas Geisel reagierte dagegen alarmiert. "Falls sich die Vorwürfe des Fehlverhaltens bestätigen, muss das in der Polizei ordentlich geklärt werden", sagte er. "Die Arbeit der Berliner Polizei darf durch solche Vorfälle keinen Schaden nehmen." Polizeibeamte hätten eine Vorbildfunktion.

Berliner Clubs würdigen "Auftaktparty"

Von der Berliner Club- und Partyszene gab es derweil viel Lob für die Polizeihundertschaften. "Knapp zehn Tage vor dem Eintreffen der politischen Weltelite ist das Berliner Einsatzteam seiner Vorbildfunktion gerecht geworden und hat eine große Auftaktparty veranstaltet - traditionell kostümiert in Uniformen, mit musikalischen Einlagen und exzessiven Liveperfomances", erklärte die Clubcommission Berlin, das Netzwerk der Clubszene der Hauptstadt.

Pressesprecher Lutz Leichsenring erklärte, man werde den Polizisten für die Rückkehr nach Berlin "ein paar Gästelistenplätze" in einem Club ihrer Wahl bereithalten. Der Hamburger Polizei warf die Kommission vor, "bekanntermaßen spießig" und schlicht beleidigt zu sein, weil sie nicht mitfeiern durften. "Die Clubcommission hingegen bedankt sich bei den 220 Berliner Polizisten, die mit Lebensfreunde, viel Körpereinsatz und Hingabe den G20 Gipfel begleitet haben."

Berliner Polizei schickt andere Kollegen

Die Hundertschaften waren nach Hamburg geschickt worden, um die Polizei vor Ort beim G20-Gipfel zu unterstützen. Sie sollen in einer Unterkunft in Bad Segeberg exzessiv gefeiert haben. Zwei sollen in der Öffentlichkeit Sex gehabt haben, eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe hantiert haben, Männer sollen in der Öffentlichkeit uriniert haben. Die Hamburger Polizeiführung schickte die Polizisten daraufhin umgehend zurück.

In Hamburg werden für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in der kommenden Woche mehr als 15.000 Polizisten aus ganz Deutschland zusammengezogen. Die nach Hause geschickten Berliner Polizisten sollen von anderen Kollegen aus der Hauptstadt ersetzt werden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen