Politik

Iran deutet Tanker-Tausch an Besatzung darf mit Reederei sprechen

RTX70HX2.jpg

"Gute Zusammenarbeit mit iranischen Behörden": Revolutionsgarden übernehmen den britischen Tanker.

(Foto: REUTERS)

In der Öltanker-Krise gibt es Bewegung: Iran lässt durchblicken, dass eine Freigabe des festgesetzten iranischen Tankers in Gibraltar zur Freigabe des britischen Tankers in der Meerenge von Hormus führen könne. Zu der Besatzung der "Stena Impero" gibt es inzwischen einen ersten Kontakt.

Vier Tage nach der Festsetzung des britischen Tankers "Stena Impero" durch die iranischen Revolutionsgarden hat es erstmals einen direkten Kontakt mit der Besatzung gegeben. Die 23 Besatzungsmitglieder seien "in Sicherheit", erklärte die schwedische Reederei Stena Bulk.

Der Kapitän habe am Vorabend über eine "gute Zusammenarbeit" mit den iranischen Einsatzkräften an Bord berichtet, teilte Stena Bulk mit. Die Reederei versicherte, die "Stena Impero" habe sämtliche Vorschriften beachtet, bevor sie am Freitag festgesetzt wurde.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani deutete unterdessen die Bereitschaft seines Landes zu einem Tanker-Austausch mit Großbritannien an. Laut Regierungswebsite sagte Ruhani bei einer Kabinettssitzung: "Wir wollen keine Spannungen mit gewissen europäischen Ländern." Sollten diese Länder ihre "inkorrekten Taten" korrigieren, "einschließlich jener in Gibraltar", werde der Iran entsprechend reagieren.

Großbritannien hatte Anfang Juni den Tanker "Grace 1" mit iranischem Erdöl vor Gibraltar festgesetzt, der verdächtigt wurde, im Verstoß trotz EU-Sanktionen Öl nach Syrien liefern zu wollen. Teheran bezeichnete das auch international umstrittene Vorgehen als Akt der "Piraterie".

USA fährt Strategie des "maximalen Drucks"

Hintergrund ist der Streit um das internationale Atomabkommen mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump hatte im Mai 2018 den Ausstieg seines Landes aus dem Abkommen verkündet und verfolgt seitdem gegenüber Teheran eine Politik des "maximalen Drucks".

Mehrere europäische Regierungen erörtern nach einem Vorschlag aus London eine Mission am Persischen Golf, mit der die maritime Sicherheit erhöht werden könnte. "Die konzeptionellen Überlegungen dazu stehen aber noch am Anfang", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Zu einer möglichen Kontrollmission am Persischen Golf sagte er, es sei "noch zu früh, über mögliche Formen einer deutschen Unterstützung und Beteiligung zu sprechen". Nach Angaben aus Brüssel ist jedenfalls keine EU-Mission geplant.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte zuvor gesagt, die Regierungen in Paris, London und Berlin bereiteten eine Mission zur "Kontrolle und Beobachtung der maritimen Sicherheit" am Persischen Golf vor. Die drei Regierungen wollten eine "europäische Initiative" in Gang bringen.

Europäer planen ohne US-Beteiligung

Großbritannien stellte seinen Vorschlag am Dienstagnachmittag erstmals offiziell den EU-Partnern vor. Im politischen und sicherheitspolitischen Komitee der EU hätten dabei mehrere Mitgliedstaaten zugesagt, eine mögliche Beteiligung zu prüfen, sagte ein EU-Diplomat. Er nannte Dänemark, die Niederlande, Rumänien, Schweden, Spanien und Italien.

Den Angaben aus Brüssel zufolge könnte der Einsatz auch Staaten aus der Region offenstehen. Keinesfalls wollten die Europäer eine Beteiligung der USA. "Beide Seiten haben nicht dieselben Ziele", sagte einer der Diplomaten. "Die USA verfolgen eine Strategie des maximalen Drucks, Europa will Deeskalation." Der neue US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte, die europäischen Überlegungen seien eine "Ergänzung" des US-Vorgehens. Washington sei auch bereit, Handelsschiffe in der fraglichen Region militärisch zu begleiten, wenn dies erforderlich sei.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP

Mehr zum Thema