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"Tat es wegen meiner Ängste" Bill Clinton spricht über Oralsex-Affäre

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"Ich hatte kein sexuelles Verhältnis mit dieser Frau, Miss Lewinsky", hatte Clinton damals erklärt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Skandal erschüttert die US-Präsidentschaft bis ins Mark: Bill Clinton, der damals mächtigste Mann der Welt, lässt sich im Weißen Haus auf eine sexuelle Affäre ein, die ihn beinahe sein Amt kostet. Jahrzehnte später bricht er sein Schweigen und nennt neue Details.

Ein amtierender US-Präsident, der sich vor laufenden Kameras für eine offenkundige Lüge rechtfertigen muss? Ende der Neunzigerjahre reichten Vorwürfe des Meineids und der Justizbehinderung im Zusammenhang mit einer außerehelichen Affäre aus der Sicht der Republikaner noch aus, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Regierungschef Bill Clinton anzustrengen. Damals wälzten Clintons Ankläger Schlüpfriges und Pikantes in diesem ersten Impeachment-Prozess des Medienzeitalters bis ins letzte Detail aus.

"Ich hatte kein sexuelles Verhältnis mit dieser Frau, Miss Lewinsky", hatte Clinton zuvor der gebannt lauschenden Weltöffentlichkeit erklärt, die kurz darauf nicht nur erfuhr, welches Kleid jene Mitarbeiterin bei einer der besonders intimen Begegnungen im Oval Office trug, sondern auch, welche Spuren der offenkundig erregte Staatschef darauf hinterließ. Knapp 22 Jahre später hat sich Trumps Vor-Vor-Vorgänger im Weißen Haus nun erstmals öffentlich zu seinen Beweggründen geäußert.

"Den Kopf freimachen"

Er sei die Oralsex-Affäre mit der damals 25-Jährigen eingegangen, um den Druck im Amt zu bewältigen. "Ich tat es, um meine Ängste in den Griff zu bekommen", erklärte der Mann der späteren US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Als er damals der jungen Psychologie-Absolventin Monica Lewinsky im Weißen Haus begegnet sei, habe er gerade sehr unter der enormen Arbeitsbelastung gelitten, erklärte der Demokrat in einem ausführlichen TV-Interview. Er habe sich gedacht, "das ist etwas, das meinen Kopf für eine Weile freimachen wird".

Der frühere US-Präsident nutzte die Gelegenheit, um sich ausdrücklich auch bei seiner früheren Mitarbeiterin zu entschuldigen. Er fühle sich "furchtbar", dass die Affäre das Leben von Monica Lewinsky auf diese Weise geprägt habe, gestand er ein. Die junge Frau war durch ihr privates Verhältnis zu Clinton unfreiwillig in den Mittelpunkt eines der größten innenpolitischen Skandale in der Geschichte der US-Innenpolitik geraten. Ihr Name dürfte auch heute noch vielen US-Amerikanern durch die Geschehnisse aus dem Jahr 1998 bekannt sein.

Monatelang hatten Clintons Kritiker damals jedes noch so schmutzige Detail der Affäre genutzt, um ihren politischen Gegner als Lügner und Ehebrecher bloßzustellen. Bill Clinton überstand das Amtsenthebungsverfahren mit den Stimmen der Demokraten im US-Kongress nur knapp. Monica Lewinsky verarbeitete ihre Erlebnisse Jahre später zum Beispiel in Aufsätzen und Vorträgen mit Titeln wie "Scham und Überleben" oder "Der Preis der Scham".

Sex, Lügen und eine gedemütigte First Lady

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Schmutzige Details in aller Öffentlichkeit: Mit Warnhinweisen bereiteten US-Sender ihre Zuschauer auf neue Veröffentlichungen in der Oralsex-Affäre vor.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Gut zwei Jahrzehnte nach der Affäre zeigt Bill Clinton tiefe Reue. In den umfangreichen Gesprächen, die bei den Dreharbeiten für die Doku-Serie "Hillary" aufgezeichnet wurden, gestand Clinton auch ein, wie schwer die Affäre seine Ehe mit Hillary Clinton, der späteren US-Außenministerin unter Barack Obama und schließlich auch Präsidentschaftskandidatin, belastet hatte. Nur durch eine "schmerzhafte" Paartherapie sei es beiden gelungen, ihre Beziehung wieder zu kitten, erklärte er.

Die frühere First Lady Hillary Clinton strebte Jahre später schließlich selbst das höchste Staatsamt der Vereinigten Staaten an. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterlag sie nur knapp - und, wie sich herausstellte, unter zweifelhaften Umständen - ihrem Kontrahenten Donald Trump, der sich kurz darauf aus ganz anderen Gründen mit einem Impeachment-Verfahren konfrontiert sah.

Trumps Wahlsieg ersparte es Hillary immerhin, als erste Frau im Präsidentenamt an den Ort ihrer größten persönlichen Demütigung zurückzukehren. Im "Oval Office", dem Präsidentenbüro im Weißen Haus, übernahm schließlich Trump die Amtsgeschäfte.

Clintons Eingeständnisse werden in ausführlicher Länge bald im Internet zu sehen sein. Der Streamingdienst "Hulu" will das Interview im Rahmen der neuen Doku-Serie "Hillary" ab Ende der Woche ausstrahlen.

Quelle: ntv.de, mmo