Politik

Polizei setzt Blendgranaten ein Bolsonaro-Anhänger stürmen Kongress, Präsidentenpalast und Oberstes Gericht

Demonstranten stürmen das Kongressgebäude in Brasilien und drangen sowohl auf das Dach als auch die Eingangshalle vor.

Demonstranten stürmen das Kongressgebäude in Brasilien und drangen sowohl auf das Dach als auch die Eingangshalle vor.

(Foto: AP)

Der rechte Ex-Präsident Bolsonaro hat seine Wahlniederlage nie anerkannt. Vor seiner US-Abreise ruft er zum Kampf gegen seinen Nachfolger auf - mit Folgen. Hunderte seiner Anhänger stürmen das Kongressgelände in der brasilianischen Hauptstadt. Danach schlagen sie Fenster im Obersten Gericht ein und dringen zum Präsidentenpalast vor.

In Brasilien sind Anhänger des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro in das Kongress-Gebäude sowie den Obersten Gerichtshof und den Präsidentenpalast eingedrungen. Sie schlugen die Scheiben der Fassade des Kongresses in der Hauptstadt Brasília ein und drangen in die Eingangshalle vor, wie im Fernsehsender Globo zu sehen war. Zuvor waren bereits Hunderte Demonstranten auf das Gelände des Parlaments vorgedrungen und auf das Dach des Gebäudes gelangt. Die Polizei setzte Pfefferspray und Blendgranaten ein, konnte die Unterstützer des früheren rechten Staatschefs Bolsonaro aber nicht aufhalten.

Rund 230 Menschen seien festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Im Fernsehen war am Sonntag zu sehen, wie Polizisten mehrere Männer und Frauen mit auf den Rücken gefesselten Händen aus dem Kongress führten.

"Ich verurteile diese antidemokratischen Handlungen, die dringend mit der Härte des Gesetzes geahndet werden müssen", schrieb Senatspräsident Rodrigo Pacheco auf Twitter. "Ich habe mit dem Gouverneur des Bundesdistrikts, Ibaneis Rocha, telefoniert, mit dem ich in ständigem Kontakt stehe. Der Gouverneur teilte mir mit, dass der gesamte Polizeiapparat sich darauf konzentriert, die Situation unter Kontrolle zu bringen."

Bolsonaro-Anhänger stoßen mit der Polizei zusammen, während sie den Palacio do Planalto, den offiziellen Sitz des brasilianischen Präsidenten, stürmen.

Bolsonaro-Anhänger stoßen mit der Polizei zusammen, während sie den Palacio do Planalto, den offiziellen Sitz des brasilianischen Präsidenten, stürmen.

(Foto: dpa)

Nach dem Angriff auf den Kongress zogen Bolsonaro-Anhänger auch zum Obersten Gerichtshof. Sie hätten dort Scheiben eingeworfen und seien in die Lobby vorgedrungen, berichtete das Nachrichtenportal G1. Später zogen sie demnach auch zum Regierungssitz Palácio do Planalto. Auch diesen stürmen die radikalen Anhänger. Männer mit Brasilienflaggen liefen durch Flure und Büros, wie im Fernsehen zu sehen war. Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva war zum Zeitpunkt der Attacke nicht in Brasília. Er war in die Stadt Araraquara im Bundesstaat São Paulo gereist, um sich über die Folgen der schweren Unwetter in der Region zu informieren.

Der Nachrichtenseite "Metropoles" zufolge attackierten die Befürworter des Rechtspopulisten auch Journalisten. Auf einem Video ist zu sehen, wie mehrere Menschen einen Mann verfolgen und ihn mit einem Schlagstock bedrohen. Er wird von einem Mob hinter die Barrikaden getrieben.

Bilder wecken Erinnerungen an US-Kapitolsturm

Die Bilder weckten Erinnerungen an den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 durch Trump-Anhänger. Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje zieht ebenfalls diese Parallele. Auf Twitter schreibt er: "In #Brasilia zeigt sich: Der Trumpismus war niemals nur ein Angriff auf die US-amerikanische Demokratie, sondern in Stil und Ideologie eine Blaupause für eine globale anti-demokratische Bewegung".

Der rechte Präsident Bolsonaro war im vergangenen Oktober dem Linkspolitiker Luiz Inácio Lula da Silva in der Stichwahl unterlegen und zum Jahreswechsel aus dem Amt geschieden. Er hatte seine Wahlniederlage nie ausdrücklich anerkannt.

Radikale Anhänger des Ex-Militärs hatten bereits nach der Wahl immer wieder gegen Lulas Sieg protestiert und die Streitkräfte des Landes zu einem Militärputsch aufgerufen. Entgegen den Gepflogenheiten hatte Bolsonaro nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers Lula am Neujahrstag teilgenommen und war mit seiner Familie in die USA geflogen. Vor seinem Abflug nach Florida wandte er sich an seine Anhänger und rief sie zum Kampf gegen Lula auf.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/rts

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