Politik

Jahrestag der Anschläge Brüssel hupt im Gedenken an die Terroropfer

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Das Königspaar erscheint zur Schweigeminute im Flughafen.

(Foto: AP)

Elf Minuten nach neun Uhr wird es laut in Belgiens Hauptstadt: Autofahrer hupen, Fußgänger applaudieren. Selbstbewusst erinnert Brüssel an den Doppelanschlag vor einem Jahr auf den Flughafen und die Metro. Das Land demonstriert Geschlossenheit.

Ein Jahr nach den Anschlägen in Brüssel hat Belgien mit Schweigeminuten der 32 Opfer gedacht. Angehörige und Hinterbliebene, Premierminister Charles Michel sowie König Philippe und Königin Mathilde hielten um 7.58 Uhr - dem Zeitpunkt der ersten Explosion - in der Abflughalle des Brüsseler Flughafens Zaventem eine Minute lang inne. Ein Angehöriger eines der Opfer spielte ein Lied, das er zur Erinnerung an seine getötete Frau komponiert hatte. Zu Streichermusik wurden die Namen aller 16 am Flughafen getöteten Terroropfer verlesen.

Flughafen-Feuerwehrmann Geert Raveel berichtete, wie wichtig den Rettungskräften die empfangene Anerkennung und Unterstützung gewesen sei. "Jeder hat alles gegeben an dem Tag", sagte er. Am Abend erst habe die Retter die Tragweite des Geschehens eingeholt. "Als Rettungskräfte hoffen wir, dass wir nie wieder ein solches Drama erleben müssen."

Nahe dem Airport weihte Flughafen-Chef Arnaud Feist die Skulptur "Flight in Mind" ("Flug im Kopf") des Künstlers Olivier Strebelle ein. Als "Hommage an die Opfer und Zeichen der Hoffnung" sei das geschwungene Kunstwerk aus Metall zu verstehen, sagte Feist.

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Die Skulptur "Flight in Mind"

(Foto: imago/Belga)

"Im Namen der ganzen Nation"

Um 9.11 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion in der U-Bahn-Station Maelbeek, gedachte das Königspaar der dortigen Opfer mit einer weiteren Schweigeminute. Mit einem Zug fuhr das Königspaar in die Station Maelbeek ein, um auch dort in der Eingangshalle vor einer Gedenktafel mit handgeschriebenen Botschaften und Gedanken einen Kranz "im Namen der ganzen Nation" niederzulegen und der Anschlagsopfer zu gedenken. Im Anschluss trugen einige Angehörige von Opfern Gedichte und Ansprachen vor. "Heute erinnern wir uns an die Opfer der Attentate. Wir bleiben vereint", schrieb Regierungschef Michel bei Twitter.

"Aufstehen, auch wenn wir es manchmal nicht schaffen, uns ans Leben zu klammern, das in voller Geschwindigkeit läuft", beschrieb eine Frau, die bei den Anschlägen verletzt worden war, ihren Alltag seither. "Weitermachen, trotz der schrecklichen Bilder, die sich im Kopf im Kreis drehen." Einige Angehörige von Opfern trugen Gedichte und Ansprachen vor.

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Menschen trauern bei einer Schweigeminute am Flughafen Zaventem in Brüssel.

(Foto: dpa)

Auf den Brüsseler Straßen starteten Busse und Straßenbahnen um 9.11 Uhr ein Hupkonzert, Passagiere waren angehalten, zu applaudieren. Damit wollte die Verkehrsgesellschaft STIB an die Opfer der Attentate erinnern.

"Ins Herz getroffen"

Am Vormittag wurde eine Statue in der Nähe der EU-Kommission enthüllt. "Vor einem Jahr wurde unser Land ins Herz getroffen", sagte König Philippe bei einer Ansprache. Den Angehörigen sprach das Staatsoberhaupt seine Bewunderung aus: "Auf den Hass und die Gewalt habt ihr mit Würde reagiert. Dem Zweifel und der Furcht habt ihr Mut und den wunderbaren Willen, wieder aufzubauen, entgegengesetzt."

Mit Blick auf die Ermittlungspannen, die nach den Anschlägen bekannt geworden waren, erklärte das Staatsoberhaupt: "Nachdem die Ruhe zurückgekehrt ist, hat unser Land sich selbst in Frage gestellt", aber "die nötigen Lehren gezogen".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach den Opfern und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Die Anschläge bezeichnete er in einer Erklärung als "feige" und "abscheulich". Sie "wollten das Herz Europas treffen", erklärte der Behördenchef. "Angesichts dieser beispiellosen und unbegreiflichen Gewalt" hätten sich die Menschen in Belgien entschlossen, "dem Terror die Stirn zu bieten".

Trauerzug zieht durch Molenbeek

Nachmittags zog ein Trauerzug mit mehreren hundert Menschen vom Gemeindeplatz des Brüsseler Stadtteils Molenbeek bis an den Börsenplatz im Zentrum. Sie trugen Banner und T-Shirts mit Aufrufen für Frieden und friedliches Zusammenleben. Der Trauermarsch "zeigt ein positives Gesicht von Molenbeek", sagte Fatima Zibouh, eine der Organisatoren des Marsches.

Aus der Brüsseler Gemeinde Molenbeek stammten mehrere der Attentäter der Anschläge von Paris und Brüssel, wodurch das Viertel zunehmend in Verruf geriet. Immer wieder fanden dort im Zuge der Ermittlungen Razzien statt.

Am Morgen des 22. März 2016 hatten sich zwei Selbstmordattentäter in der Abflughalle des Brüsseler Flughafens Zaventem kurz nacheinander in die Luft gesprengt, etwa eine Stunde später folgte eine dritte Bombe in der Metrostation Maelbeek im EU-Viertel der belgischen Hauptstadt. Bei den Attentaten wurden 32 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt.

Quelle: ntv.de, shu/hul/AFP

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