Politik

Positive Reaktion nach Datenklau Bürgermeisterin spricht von "Stolz" auf den Hacker

115480530.jpg

Claudia Blum, Bürgermeisterin von Homberg, hat ihre eigene Meinung über den Hacker.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vom hessischen Homberg aus greift ein 20-Jähriger die Daten etlicher Politiker und Prominenter ab und veröffentlicht diese. Trotz dieses Delikts findet die Bürgermeisterin der Kleinstadt lobende Worte für den Hacker: Er habe der Republik den Spiegel vorgehalten.

Ein Tag, nachdem ein 20-Jähriger aus dem hessischen Homberg den Hacker-Angriff auf fast 1000 Politiker und Prominente in Deutschland gestanden hat, spricht die Bürgermeisterin des Ortes, Claudia Blum, über den jungen Mann.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte die SPD-Politikerin: "Für mich ist das Ganze kein Skandal. Wir müssen uns nicht schämen. Es geht ja nicht um Mord und Totschlag." Außerdem zeige der Vorfall auch, was ein Junge im Alter von 20 Jahren schaffe: "Es gibt einen gewissen Stolz, dass es jemand war, der von hier kommt. Er hat der Republik den Spiegel vorgehalten. Das sollte uns alle wachrütteln, besser mit unseren Daten umzugehen."

Der Schüler hatte den Ermittlern nach seiner Festnahme erklärt, er habe den Cyberangriff vollzogen, weil er seinem Ärger auf Politiker und Prominente Luft machen wollte. Der Hacker aus Hessen habe sich gezielt Opfer ausgesucht, deren Äußerungen ihm missfallen hätten, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT).

Nach vorläufiger Einschätzung der Ermittler hatte der 20-Jährige "kein dominantes politisches Motiv" für seinen Angriff. Er stamme auch nicht aus einem rechtsextremen Milieu, sagte der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch. "Es gibt keine polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, dass er in irgendeiner Form mit politischer motivierter Kriminalität vorher zu tun hatte." Nach bisherigen Erkenntnissen handelte er allein. Das werde aber genau wie das Motiv noch weiter untersucht.

20-Jähriger wohnt noch bei seinen Eltern

Der 20-Jährige war am Sonntagabend vorläufig festgenommen worden, wurde nach seinem Geständnis am Montagabend aber auf freien Fuß gesetzt. Es bestehe keine Fluchtgefahr und er habe "über seine Taten hinaus" Hilfe bei der Aufklärung geleistet, sagte Ungefuk.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wohnt der 20-Jährige noch bei seinen Eltern. Juristisch gilt er als Heranwachsender und könnte noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Ausspähung von Daten und der unberechtigten Veröffentlichung dieser Daten.

Der junge Mann soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember persönliche Daten veröffentlicht haben. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind betroffen, darunter Politiker aller Bundestagsparteien mit Ausnahme der AfD. Etwa 50 Fälle sind schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden waren. Seine Hacker-Kenntnisse habe sich der Verdächtige selbst beigebracht, sagte Ungefuk.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich die Daten nicht in einer einmaligen Aktion beschaffte, sondern mehrmals zuschlug. Dabei habe er Sicherheitslücken ausgenutzt und klassische Hacker-Methoden genutzt. Nach Einschätzung der Ermittler war für die Aktion "ein gewisser technischer Sachverstand erforderlich". Der Hacker habe es den Behörden aber nicht sonderlich schwer gemacht, ihn zu finden, so Münch.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

Mehr zum Thema