Gewaltsame ZusammenstößeBürgerrechtler: Zahl der Toten bei Unruhen im Iran steigt

Die Proteste im Iran reißen nicht ab. Immer wieder kommt es dabei auch zu Gewalt - wie jüngst in der Hauptstadt Teheran. US-Präsident Trump droht der iranischen Führung mit Intervention. Bürgerrechtler machen nun Angaben zur Zahl der Toten und Festgenommenen.
Bei den seit einer Woche andauernden Unruhen im Iran sind nach Angaben von Bürgerrechtlern bislang mindestens 16 Menschen getötet worden. 582 Personen seien zudem festgenommen worden, teilte das Aktivisten-Netzwerk HRANA mit. Die kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw sprach sogar von mindestens 17 Toten seit Beginn der Proteste, die sich an der prekären Wirtschaftslage und der hohen Inflation entzündet haben. Unabhängig ließen sich die Zahlen nicht überprüfen.
Die Demonstrationen haben inzwischen zahlreiche Städte erfasst, wiederholt kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und Sicherheitskräften. Laut Augenzeugen kam es in der Hauptstadt Teheran zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden auf der einen sowie Polizei- und Sicherheitskräften auf der anderen Seite. Es waren Parolen wie "Tod dem Diktator" zu hören. Die Demonstrierenden nahmen aber auch Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Venezuela, wo US-Streitkräfte bei einem Angriff am Samstag den Staatschef Nicolás Maduro gefangen nahmen. "Ihr seid als Nächste dran", skandierten einige Demonstrierende.
Mehrere Protestierende seien festgenommen und in Minibussen abtransportiert worden, so die Augenzeugen. Vor dem ehemaligen Stadttheater im Zentrum Teherans kam es laut Augenzeugenberichten zu dramatischen Szenen. Demonstrierende ignorierten die Aufforderung der Polizei, den Ort unverzüglich zu verlassen. Daraufhin gingen die Beamten mit Schlagstöcken gegen die Menge vor, darunter viele junge Frauen. Einige Teilnehmer der Proteste wurden in Minibusse gezerrt und abtransportiert, andere suchten in nahegelegenen Geschäften Schutz vor Polizei- und Sicherheitskräften.
Chamenei: Iran wird sich Feinden nicht beugen
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einem Eingreifen bei einem gewaltsamen Vorgehen gegen friedliche Demonstranten gedroht. Er nannte aber keine konkreten Maßnahmen. Hochrangige iranische Vertreter reagierten, indem sie mit Vergeltung gegen US-Streitkräfte in der Region drohten. Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, erklärte, sein Land werde sich "dem Feind" nicht beugen.
Auf die Proteste reagierten die Behörden mit einem zweigleisigen Ansatz: Sie räumten eine Wirtschaftskrise ein und boten einen Dialog mit den Demonstranten an, während sie gegen gewaltsamere Proteste mit Gewalt vorgingen. Chamenei äußerte am Samstag zwar Verständnis für die Demonstrationen, "Randalierer" sollten jedoch in ihre Schranken verwiesen werden.