Politik

Abschied von George Floyd Bürgerrechtler ruft zur Abwahl von Trump auf

Auf der ganzen Welt nehmen Menschen Anteil am Tod von George Floyd. Nun wird der Familienvater in der Nähe von Houston beerdigt. Rund 500 Gäste erweisen ihm die letzte Ehre. Ex-Vizepräsident Biden sendet eine Videobotschaft, der US-Bürgerrechtler Lawson fordert einen Wechsel im Weißen Haus.

Der US-Bürgerrechtler William Lawson hat bei der Trauerfeier für George Floyd indirekt zur Abwahl von US-Präsident Donald Trump aufgerufen. Der Kampf zur Überwindung von Rassismus dürfe nach der Beisetzung von George Floyd nicht aufhören, sagte der emeritierte Pastor in der Kirche "Fountain of Praise" in Houston. "Wir können sicherstellen, dass wir den Kampf nicht stoppen." Unter dem Beifall der Trauergäste fügte Lawson hinzu: "Natürlich müssen wir als erstes das Weiße Haus ausfegen." Trumps Namen nannte er dabei nicht.

Lawson sagte mit Blick auf Floyds Tod und die anschließenden Proteste weit über die Grenzen der USA hinaus: "Aus seinem Tod ist eine Bewegung erwachsen, eine weltweite Bewegung. Und diese Bewegung wird nicht nach zwei Wochen, drei Wochen, einem Monat aufhören. Diese Bewegung wird die Welt verändern."

"Er hat die Welt verändert": Bei dem emotionsgeladenen Trauergottesdienst nahmen Angehörige, Freunde und Politiker Abschied von dem durch Polizeigewalt getöteten Afroamerikaner. Zu der Zeremonie waren rund 500 Gäste eingeladen, darunter auch Prominente wie der Boxer Floyd Mayweather und Hollywoodstar Jamie Foxx. Außerdem waren Angehörige anderer Opfer von Gewalt gegen Afroamerikaner in den USA gekommen. So waren beispielsweise der Vater des im Februar getöteten Joggers Ahmaud Arbery und der Vater des 2014 erschossenen Michael Brown in der Kirche in Houston. Der Bürgerrechtler Al Sharpton rief sie während einer flammenden Rede gegen Rassismus namentlich auf. Diese Familien "verstehen den Schmerz besser als jeder andere, weil sie den Schmerz durchgemacht haben", sagte Sharpton.

Applaus zu Video-Botschaft von Biden

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, rief in einer Videobotschaft zur Überwindung des Rassismus in den USA auf. Zu viele Schwarze in den USA "wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben", sagte Biden unter dem Applaus der Trauergäste. "Kein Kind sollte die Frage fragen müssen, die zu viele schwarze Kinder seit Generationen fragen mussten: Warum? Warum ist Papa weg?"

Der Ex-Vizepräsident war am Montag in Houston mit Angehörigen Floyds zusammengekommen, darunter auch mit dessen sechsjähriger Tochter Gianna. Es sei Zeit für Gerechtigkeit für alle Menschen, so Biden bei der Zeremonie. "Wenn George Floyd Gerechtigkeit erfährt, werden wir wirklich auf unserem Weg zur Gerechtigkeit für alle Ethnien in Amerika sein." Dann würden Giannas Worte wahr, fügte Biden an die Adresse der Tochter hinzu: "Dein Vater wird die Welt verändert haben."

e2fd12f3bcd5057f3b09f5bdc8d1308e.jpg

George Floyds Bruder Philonise Floyd hält am Sarg inne.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Vor Beginn der Zeremonie wurden die eintreffenden Gäste von Musikern mit Gospels begrüßt. Viele der Trauernden erschienen in weißer Kleidung. Mehrere Gäste, darunter mehrere Polizisten, trugen Schutzmasken mit der Aufschrift "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen") - es waren Floyds Worte bevor er bei einem brutalen Polizeieinsatz starb. Auf dem Mund-Nasen-Schutz von Sohn Quincy Mason Floyd war zudem ein Konterfei seines Vaters gedruckt. Wieder andere trugen Schutzmasken mit George Floyds Namen.

Trauernde ballen die Faust, Wall Street steht still

In der Kirche defilierten vor dem Gottesdienst Tausende Trauernde an dem goldenen Sarg des Verstorbenen vorbei, wobei einige sich bekreuzigten und andere die Faust ballten. Vor der Kirche waren zwei Tische aufgestellt, wo sich die Trauergäste in die Wählerllisten eintragen konnten. Die Börse in New York verharrte zu Beginn der Trauerfeier für acht Minuten und 46 Sekunden in Schweigen - die Zeit, die Floyd am Boden fixiert war.

Bereits am Montag hatten mehr als 6000 Menschen Abschied von Floyd genommen. Am Dienstagmorgen standen Polizisten Spalier und salutierten, als Floyds Sarg in die Kirche gebracht wurde. Der Familienvater, der in Houston aufgewachsen war und dort die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte, wird an der Seite seiner 2018 verstorbenen Mutter Larcenia in der südlich gelegenen Stadt Pearland bestattet. Entlang der Strecke wird mit vielen Zuschauern gerechnet. Die Stadtverwaltung von Pearland warnte vor extremen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad.

2020-06-09T170204Z_1952088779_RC2T5H9H87N3_RTRMADP_3_MINNEAPOLIS-POLICE-FUNERAL.JPG

Auch Hollywoodstars wie Channing Tatum und Jamie Foxx sind unter den Trauergästen.

(Foto: REUTERS)

Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, kündigte bei der Trauerfeier ein Verbot von Würgegriffen und andere Reformen gegen Polizeigewalt an. Turner sagte in der Kirche, er werde nach seiner Rückkehr ins Rathaus eine entsprechende Anordnung unterschreiben. "In dieser Stadt werden wir Deeskalation verlangen. In dieser Stadt wird man eine Warnung geben müssen, bevor man schießt", sagte Turner. "In dieser Stadt hat man die Pflicht, einzuschreiten."

Polizisten droht lange Gefängnisstrafe

Floyds gewaltsamer Tod vor zwei Wochen hat landesweite Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst. Ein weißer Polizist hatte dem 46-Jährigen nach seiner Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota fast neun Minuten lang das Knie auf den Nacken gedrückt, obwohl Floyd wiederholt beklagte, er bekomme keine Luft mehr. Floyds Satz "I can't breathe" ging um die Welt.

Der Polizist Derek Chauvin wurde nach der Tat entlassen, festgenommen und eines "Mordes zweiten Grades" beschuldigt. Das kann in den USA mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft werden. Drei weiteren Polizisten, die an Floyds Festnahme beteiligt waren, wird Beihilfe zur Last gelegt.

Der Fall Floyd hat Forderungen nach tiefgreifenden Reformen bei der US-Polizei neuen Auftrieb gegeben. Kritiker beklagen, dass Polizisten meist straffrei ausgehen, wenn sie bei Einsätzen unverhältnismäßige Gewalt einsetzen. In den USA werden häufig Schwarze Opfer von Polizeigewalt.

Quelle: ntv.de, hul/mau/dpa/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen