Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Bundespolitik verliert stark an Vertrauen

Bundeskanzler und Bundesregierung verlieren als Institutionen viel Vertrauen bei den Deutschen. Um 24 und 22 Prozentpunkte geht es im Vertrauens-Ranking im Laufe des Jahres für sie abwärts, für das Amt des Kanzlers eine Halbierung im Vergleich mit dem Wert vor zwei Jahren.

Das Vertrauen zu zehn wichtigen politischen Institutionen ist im Laufe des Jahres 2022 im Vergleich zum Vorjahr teils stark zurückgegangen. Das zeigt das RTL/ntv-Trendbarometer in seiner Umfrage zur Jahreswende. Am meisten Vertrauen verloren die beiden Institutionen Bundeskanzler und Bundesregierung mit einem dramatischen Minus von 24 und 22 Prozentpunkten. Seit mehr als 15 Jahren erfragen die Meinungsforscher von Forsa die Vertrauensbasis gegenüber denselben zehn Institutionen.

Einen Rückgang von über zehn Prozentpunkten gab es auch bei den Institutionen Bundestag, Bundespräsident sowie Oberbürgermeister beziehungsweise Bürgermeister. Ein um jeweils 9 Prozentpunkte geringeres Vertrauen haben zur Jahreswende 2022/23 die Landesregierungen, die Gemeindevertretungen und die Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen zu verzeichnen. Etwas geringer ist der Vertrauensrückgang mit jeweils 7 Prozentpunkten bei der Europäischen Union und den politischen Parteien.

Das größte Vertrauen unter den politischen Institutionen besitzt auch zur Jahreswende 2022/23 - wie schon in allen Vorjahren - der Bundespräsident. Zu ihm haben 63 Prozent der Bundesbürger großes Vertrauen. Mit deutlichem Abstand folgen Ende 2022 die Institutionen von Land und Kommunen: Landesregierungen mit 46, Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister mit 44, Gemeindevertretungen sowie Stadt- beziehungsweise Gemeindeverwaltungen mit jeweils 43 Prozent.

Anders als während der Corona-Krise folgen die Institutionen der Bundesebene erst danach: Zum Bundestag haben nur noch 37, zur Bundesregierung nur noch 34 und zum Bundeskanzler nur noch 33 Prozent der Bundesbürger großes Vertrauen. Wie drastisch das Vertrauen zur Institution "Kanzler" gesunken ist, zeigt der Vergleich mit dem Vertrauenswert, den Angela Merkel noch zur Jahreswende 2020/21 auf dem Höhepunkt der damaligen Corona-Welle erhalten hatte: Damals hatten 75 Prozent zur Institution "Bundeskanzler" großes Vertrauen.

Viele AfD-Anhänger verachten demokratische Institutionen

31 Prozent haben noch zur Europäischen Union und 17 Prozent zu politischen Parteien großes Vertrauen. Auch zur Jahreswende 2022/23 unterscheidet sich das Vertrauen zu den politischen Institutionen in den neuen und alten Bundesländern. Mit Ausnahme der Institutionen auf lokaler Ebene ist das Vertrauen der Ostdeutschen zu den anderen politischen Institutionen geringer als das der Westdeutschen. Der geringere Vertrauenswert bei den Ostdeutschen ist zu einem großen Teil dadurch bedingt, dass in den neuen Ländern die Zahl der Anhänger der AfD deutlich höher ist als im Gebiet der alten Bundesländer. Die AfD-Anhänger verachten fast alle Institutionen des demokratischen politischen Systems der Bundesrepublik eher als sie zu achten.

Deutliche Unterschiede im Grad des Vertrauens zu den politischen Institutionen zeigen sich aber auch zwischen den Anhängern der einzelnen Parteien. So haben die Anhänger der SPD zu den meisten politischen Institutionen ein zum Teil deutlich größeres Vertrauen als die Anhänger der CDU und der CSU. Besonders groß ist dieser Vertrauensunterschied bei den politischen Institutionen auf Bundesebene (Kanzler, Bundesregierung, aber auch Bundestag). Nur in Bayern ist das anders. Dort haben die CSU-Anhänger deutlich größeres Vertrauen in die Landes- und Kommunalpolitik als SPD- oder CDU-Anhänger anderswo.

Das mit Abstand geringste Vertrauen in alle politischen Institutionen haben wie schon in den vergangenen Jahren die Anhänger der rechtsradikalen AfD. Zum Kanzler, zur Bundesregierung, zum Bundestag oder zur Europäischen Union haben jeweils nur 2 oder 3 von 100 AfD-Anhängern Vertrauen. Unterschiede im Grad des Vertrauens zeigen sich aber auch zwischen den Anhängern der drei Parteien, die zurzeit die Bundesregierung bilden. Vor allem zum Kanzler, zur von "ihren" Parteien getragenen Bundesregierung und auch zum Bundestag haben die Anhänger der Grünen und der FDP ein geringeres Vertrauen als die Anhänger der dritten "Ampel"-Partei, der SPD.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland vom 15. bis 22. Dezember 2022 erhoben. Datenbasis: 4003 Befragte.

Weitere Informationen zu Forsa hier

Forsa -Umfragen im Auftrag von RTL Deutschland

Quelle: ntv.de, fni

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