Politik

Keine Nutzung, nur Entsorgung Bundeswehr-Raketen schwitzen und schimmeln

255731195.jpg

Ein Raketenwerfer MARS - mittleres Artillerie-Raketen-System - feuert 2013 bei einer Übung eine Rakete ab.

(Foto: picture alliance / photothek)

Die Bundeswehr besitzt anscheinend mehrere Tausend unbrauchbare Raketen. Einem Bericht zufolge sondern sie hochexplosive Stoffe ab und fangen teilweise an zu schimmeln. Darunter soll auch das Personal leiden, aber Nachfragen hätten "keine Beschleunigung des Entsorgungsprozesses" erwirken können.

In den Beständen der Bundeswehr sondern noch mehr alte Raketen hochexplosiven Stoff ab als gedacht. In einem vertraulichen Bericht des Verteidigungsministeriums von Anfang November heißt es, dass bei Leinenschleppraketen vom Typ DM59 ein "Ausschwitzen von Nitroglycerin" festgestellt worden sei, berichtet der "Spiegel". Sie seien für die Nutzung gesperrt worden.

Demnach besitzt die Bundeswehr mehr als 4000 dieser Raketen. Sobald die technischen Untersuchungen abgeschlossen seien, werde die Entsorgung "unverzüglich" eingeleitet, zitiert das Nachrichtenmagazin aus dem Schreiben.

"Beeinträchtigung des Personals"

In einem Lager im baden-württembergischen Wermutshausen werden demnach außerdem etwa 2500 Flugkörper "Strela" in Holzkisten aufbewahrt. Die Munition würde "oxidieren/korrodieren mit teilweiser Schimmelbildung, die zur Schädigung der Munitionslagerhäuser sowie zur Beeinträchtigung des Personals" führen könnten. Die Entsorgung der Flugkörper sei "ins Stocken" geraten, selbst Nachfragen hätten "keine Beschleunigung des Entsorgungsprozesses" erwirken können.

Schließlich geht es dem Bericht zufolge noch um 139 Raketen vom Typ "Scheinziel". Diese würden zwar "grundsätzlich der gleichen Alterungsproblematik" wie die LAR-Raketen unterliegen, Auffälligkeiten seien aber noch nicht festgestellt worden.

Problem seit 2019 bekannt

Über die Raketen vom Typ LAR 110 Millimeter hatte der "Spiegel" bereits vor einer Woche berichtet. Diese sollen ebenfalls den hochexplosiven Stoff Nitroglycerin absondern. Alle betroffenen Munitionslagerhäuser seien bis auf Weiteres gesperrt und "jeglicher Umgang mit dieser Munition untersagt", zitierte das Magazin damals aus einem vertraulichen Sachstandsbericht des Verteidigungsministeriums vom September.

Mehr zum Thema

Demnach geht es um 32.641 Raketen, die bereits über 30 Jahre alt seien und ausgesondert werden sollten. Das Problem sei seit Frühjahr 2019 bekannt und weiterhin nicht gelöst.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hatte nach dem ersten "Spiegel"-Bericht eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt, "aufgrund des Alters" der Raketen könne es "zu nitroglyzerinhaltigen Ausschwitzungen aus den Raketenmotoren" kommen. Eine Selbstentzündung sei aber ausgeschlossen. Es gebe zudem strenge Sicherheitsauflagen für die Lagerung der Raketen - daher seien "Gefahren für die angrenzende Bevölkerung sowie das Personal der Bundeswehr beim Umgang mit der Munition bei Einhaltung dieser Vorgaben ausgeschlossen".

Quelle: ntv.de, chr/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.