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KSK unter Nazi-Verdacht Bundeswehr ermittelt gegen Spezialkräfte

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Die Soldaten des KSK werden im baden-württembergischen Calw ausgebildet.

(Foto: picture alliance / Franziska Kra)

Die Bundeswehr hat möglicherweise ein neues Problem am rechten Rand: Einem Bericht zufolge haben Soldaten der Eliteeinheit KSK auf einer Party den Hitlergruß gezeigt und Rechtsrock gehört - und eine Frau als sexuellen "Hauptpreis" eingeladen.

Die Bundeswehr hat einem Bericht der ARD zufolge Ermittlungen gegen das Kommando Spezialkräfte KSK aufgenommen. Demnach sollen Mitglieder der Eliteeinheit bei einer Abschiedsfeier für ihren Kompaniechef auf einer Schießanlage bei Stuttgart den Hitlergruß gezeigt, Rechtsrock gespielt und einen Schweinekopf geworfen haben.

Die Informationen stammen laut ARD von einer Zeugin, die bei der Feier anwesend war. Sie soll von einem KSK-Soldaten als "Hauptpreis" für den Kompaniechef eingeladen worden sein. "Hauptpreis" steht in diesem Fall für Sex - den Angaben zufolge freiwillig und ohne Gegenleistung. Die Zeugin stehe nach eigenen Angaben "auf Sex mit harten Kerlen ", schreibt das ARD-Magazin "Panorama".

Den Vorfall mit dem Schweinekopf bestätigte die Bundeswehr, ebenso wie die Aufnahme von Ermittlungen zu dem Vorgang. Die angeblichen rechtsradikalen Vorgänge hätten sich bislang hingegen nicht bestätigt, sagte ein Sprecher des Heeres. Die Ermittlungen dauerten aber noch an. Bei der Feier seien sicher "die Grenzen des guten Geschmacks überschritten" worden. Ob ein Dienstvergehen vorliege, werde noch geprüft.

Die Zeugin soll sich nach der Party bei einem anwesenden Soldaten gemeldet und über die Vorfälle beschwert haben. Auf Whatsapp antwortete er ihr laut ARD: "Ich gehe nicht konform mit Hitlergrüßen. Ich wusste nicht, wie der Hase läuft." Ihre Anwesenheit kann die Frau demnach mit Flugtickets und Whatsapp-Nachrichten belegen.

"Wirklich ein Problem für das KSK"

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels kritisierte, dass die Bundeswehr nicht selbst staatsanwaltschaftliche Ermittlungen veranlasst hat. "Man fragt sich schon, warum nicht gleich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde." Die Staatsanwaltschaft Tübingen hatte von den Vorwürfen vor dem Medienbericht keine Kenntnis. Nach Angaben der Bundeswehr wusste aber die Heeresführung bereits seit dem 13. Juli von dem Fall. Seitdem seien dutzende Vernehmungen vorgenommen worden, die den Rechtsextremismus-Verdacht nicht bestätigt hätten, die Ermittlungen liefen aber noch.

Bartels zeigte sich sehr besorgt. "Wenn das so ist, ist das wirklich ein Problem für das KSK", sagte er. "Nicht weil Eliteausbildung besonders verpflichtet, sondern weil überall in der Bundeswehr für die Soldaten die gleichen Regeln gelten."

Auf der Feier sollen etwa 60 Elitesoldaten anwesend gewesen sein. "Jetzt haben wir uns überlegt, was können wir für den Chef machen. Er muss einen Parcours ablaufen. Am Ende bist du dann sein Preis. Dann darf er dich mit ins Zelt nehmen und ordentlich an dir austoben. Glaub mir, das wird genau dein Ding", soll ihr ein KSK-Soldat geschrieben haben.

Hitlergruß zum Refrain

Im Verlauf des Abends sei schließlich ein Song der rechtsextremen Band "Sturmwehr" gehört und während des Refrains der Hitlergruß gezeigt worden, heißt es. "Das lief ganz euphorisch ab. Der Text war ja bekannt, sie haben mitgegrölt. Der Ältere hat die anderen quasi noch vorbereitet, was jetzt gleich käme, nämlich der Refrain, und dass es jetzt doch soweit wäre, die rechte Hand zu heben. Und genau das haben die vier dann auch gemacht", sagte die Augenzeugin der ARD.

Zum Sex sei es allerdings nicht gekommen. Der Kompaniechef sei nach Aussagen der Zeugin "zu betrunken" gewesen, so wie "viele andere auch". Auch nach Erkenntnissen der Bundeswehr gab es keinerlei sexuelle Handlungen.

Das KSK ist eine geheim operierende Einheit, über die nur wenig öffentlich bekannt ist. "Das Zeigen des Hitlergrußes ist keine Geschmacksfrage", sagte Bartels. "Musik zu spielen, in der das demokratische Deutschland verächtlich gemacht wird, wäre auch keine Geschmacksfrage. Soldaten sollen die Demokratie verteidigen und sie nicht verächtlich machen."

In den vergangenen Monaten war die Bundeswehr mehrfach negativ in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem soll sich der Soldat Franco A. als syrischer Flüchtling ausgegeben und einen Terroranschlag geplant haben. In diesem Zusammenhang wurden mutmaßlich auch mehrere Waffen nach Schießübungen gestohlen.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/dpa

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