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In Torgelow stationiert: Einheiten des Jägerbataillons 413 stellen sich am Rand der Eröffnungszeremonie den Fotografen.
In Torgelow stationiert: Einheiten des Jägerbataillons 413 stellen sich am Rand der Eröffnungszeremonie den Fotografen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 23. November 2017

Gefechtstraining an der Grenze: Bundeswehr eröffnet neuen Übungsplatz

Das Heer bekommt ein weiteres Manövergelände für militärische Übungen. Bei Torgelow in Vorpommern wird dazu ein alter NVA-Schießplatz reaktiviert. Unweit der polnischen Grenze sollen Soldaten hier künftig das Zusammenspiel mit Nato-Verbündeten trainieren.

Deutschland hat mit Blick auf die veränderte Sicherheitslage einen weiteren großen Truppenübungsplatz eingerichtet. Auf ihm sollen auch Nato-Einheiten befreundeter Staaten trainieren. Mit einem Appell und symbolischen Mörserschüssen wurde der Militärübungsplatz in Jägerbrück bei Torgelow in Vorpommern feierlich in Betrieb genommen.

Mit Pauken, Gleichschritt und Posaunen: Militärisches Zeremoniell in Jägerbrück.
Mit Pauken, Gleichschritt und Posaunen: Militärisches Zeremoniell in Jägerbrück.(Foto: dpa)

Beobachter halten den Schritt vor allem deshalb für bemerkenswert, weil damit ein Teil der Bundeswehrreform von 2011 wieder rückgängig gemacht wird. "Die sicherheitspolitische Lage hat sich schneller geändert als zunächst angenommen", sagte Generalleutnant Peter Bohrer aus der Leitung der Streitkräftebasis mit Blick auf aktuelle Konflikte wie in der Ukraine.

Platz für scharfe Schüsse

Das 10.000 Hektar große Gelände liegt östlich der Kleinstadt Torgelow. Bis zur deutsch-polnischen Grenze sind es weniger als 20 Kilometer. Jägerbrück war über Jahrzehnte hinweg einer der größten Militärübungsplätze im Osten Deutschlands.

Feuer frei in Jägerbrück: Zur offiziellen Indienststellung als Truppenübungsplatz feuern Soldaten des Heeres einen ihrer Mörser ab.
Feuer frei in Jägerbrück: Zur offiziellen Indienststellung als Truppenübungsplatz feuern Soldaten des Heeres einen ihrer Mörser ab.(Foto: dpa)

Angelegt wurde das Gelände in den 1950er Jahren von der "Nationalen Volksarmee" (NVA). Die zahlreiche Kasernenanlagen rund um Jägerbrück wurden nach der Wende teils aufwändig saniert.

Doch im Zusammenhang mit der Bundeswehrreform wurden die Anlage Jägerbrück im Jahr 2011 zum "Standortübungsplatz" zurückgestuft. Ein Großteil der dort stationierten Einheiten wurde abgezogen, viele Soldaten verlegt. Für die Region hatte das erhebliche wirtschaftliche Folgen.

Wirtschaftsfaktor Bundeswehr

Durch die Reaktivierung könnte Torgelow und Umgebung von der Nähe zur Bundeswehr profitieren: Regelmäßig stattfindende Militärübungen bringen über die nach Jägerbrück abkommandierten Soldaten zusätzliche Kaufkraft in die Region. Sollten zusätzliche Truppenteile dort stationiert werden, dürften sich auch zahlreiche Familienangehörige in der Nähe ansiedeln. Die Nachfrage nach Dienstleistungen aller Art dürfte dadurch steigen.

Bundesweit ist es bislang der einzige Fall, bei dem ein zuletzt zurückgestufter Truppenübungsplatz wieder aufgewertet wird. Bereits in Kürze sollen hier vor allem polnische und deutsche Einheiten zusammen üben, erklärte Michael Matz, Kommandant der 1. Panzerdivision der Bundeswehr.

In Ostdeutschland gibt es bislang drei Truppenübungsplätze von vergleichbarer Größe. Der mit Abstand modernste davon ist wohl das Übungsgelände "Schnöggersburg" in Sachsen-Anhalt.

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Quelle: n-tv.de