Politik

Alt, teuer, anfällig Bundeswehr sucht neue Seefernaufklärer

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Die P-3C Orion soll nun schon zehn Jahre früher außer Dienst gestellt werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Bundeswehr bekommt ihre Seefernaufklärer kaum in die Luft - und zieht nun die Reißleine. Die Modernisierung wird abgebrochen, die acht Maschinen werden spätestens in fünf Jahren ausgemustert und nicht erst 2035. Zugleich beginnt die Suche nach neuen Modellen.

Das Verteidigungsministerium bricht die Modernisierung der deutschen Seefernaufklärer wegen technischer und finanzieller Risiken ab und prüft stattdessen den Kauf neuer Flugzeuge. Eine Verbesserung der mangelhaften Einsatzbereitschaft der acht Maschinen sei wegen Verzögerungen bei den Arbeiten nicht absehbar, heißt es in einer vertraulichen Unterrichtung der Obleute des Verteidigungsausschusses im Bundestag.

Das Ministerium habe nach einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung beschlossen, die Modernisierung zu stoppen. Die Bundeswehr benötige aber die Fähigkeit zu U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung. Daher laufe nun eine Marktsichtung aller verfügbaren Plattformen, unter anderem der C-295 MPA von Airbus, der RAS 72 von Rheinland Air Service und der P-8A Poseidon von Boeing.

"Die vorherrschende und noch über Jahre signifikant reduzierte materielle Einsatzbereitschaft bewirkt andauernde einsatzrelevante Einschränkungen bei gleichzeitig ungewissem Projektausgang", heißt es in der Unterrichtung. Die technischen Risiken könnten ebenso wenig verantwortet werden wie "der ungewisse, erhöhte Zeitbedarf und die damit einhergehenden signifikanten Kostensteigerungen".

Gemeinsame Beschaffung mit Frankreich?

Bei der Marktsichtung würden nicht nur operationelle, sondern auch rüstungswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt sowie potenzielle Wechselwirkungen mit der deutsch-französischen Kooperation, bei der die gemeinsame Beschaffung neuer Seefernaufklärer geprüft werden soll. Die P-3C Orion von Lockheed Martin solle nun voraussichtlich 2025 statt wie ursprünglich geplant 2035 außer Dienst gestellt werden.

Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner begrüßte die Entscheidung des Ministeriums und sprach von einer beachtlichen Kehrtwende, nachdem das Problem schon lange bekannt gewesen sei. "Es muss jetzt darum gehen, marktverfügbar zu kaufen und keine deutsche Sonderlösung anzustreben", forderte er.

Die Seefernaufklärer vom Typ P-3C Orion haben einen Einsatzradius von 2700 Kilometern und sind mit Torpedos zur U-Boot-Jagd bewaffnet. Um U-Boote aufzuspüren, wirft das Flugzeug Sonarbojen ab. Am Horn von Afrika nutzt die Bundeswehr die P-3C Orion zur Aufklärung großer Seegebiete, in denen Piraten Handelsschiffe bedrohen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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