Politik

Der "erstaunliche Sieg" von Iowa Buttigieg ist kein Geheimfavorit mehr

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Iowa ist nur ein kleiner Bundesstaat, aber das Signal, das von hier ausgeht, könnte Pete Buttigieg beflügeln.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Das Endergebnis steht noch nicht fest. Aber schon die vorläufigen Werte lassen aufhorchen: Nicht Bernie Sanders, Elizabeth Warren oder Joe Biden führen bei der ersten Vorwahl der Demokraten in Iowa. Sondern Pete Buttigieg. Der ist spätestens jetzt ein ernstzunehmender Gegner.

Überraschungskandidat, Geheimfavorit, "weißer Obama" - Pete Buttigieg trägt diese Bezeichnungen im Grunde seit er in das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten eingestiegen ist. Und als - endlich - die vorläufigen Ergebnisse der ersten Abstimmung seiner Partei in Iowa bekannt wurden, hat er gezeigt, dass er sie zu Recht trägt: Dass der ehemalige Bürgermeister das Bewerberfeld anführt, noch vor namhaften Parteirivalen, kommt tatsächlich einigermaßen unerwartet.

Buttigieg selbst sprach von einem "erstaunlichen Sieg". Er hatte bereits im Vorfeld darauf gesetzt, dass ein Erfolg bei dem Caucus seiner Bewerbung einen kräftigen Schub verleihen und ihn zu weiteren Vorwahlsiegen katapultieren könnte. Ihm dürfte aber auch bewusst sein, dass der Sieg in dem dünn besiedelten Iowa vor allem symbolischen Charakter hat. Gerade mal 49 der fast 4000 Delegierten entsendet der Bundesstaat auf den Nominierungsparteitag der Demokraten.

Der 37-Jährige, der jüngste der demokratischen Bewerber, zeigte sich dennoch selbstbewusst: Er habe "nie mehr in unsere Kampagne, unser Team und unsere Vision vertraut". Ob sein Siegeszug anhält, muss er aber schon kommende Woche beweisen, in New Hampshire an der Ostküste, wo die Platzhirsche Bernie Sanders und Elizabeth Warren viele Anhänger haben.

Junge Alternative zu Biden

Vielleicht war es ja auch Buttigiegs Herkunft, die ihn zu dem Erfolg in Iowa verhalf. Er kommt aus dem nicht weit entfernten Indiana. In der 100.000-Einwohner-Stadt South Bend in dem Bundesstaat war der redegewandte Politiker von 2012 bis Ende 2019 Bürgermeister. Es ist sein bisher höchstes öffentliches Amt. Kritiker legen ihm das als fehlende politische Erfahrung aus.

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Buttigieg-Buttons: im klassischen Design, im Obama-Stil oder in Regenbogenfarben.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Dabei agiert er äußerst geschickt, um seine Rivalen vom linken Rand der Partei in Schach zu halten. Im laufenden Wahlkampf justierte er sein Programm von Links näher zur Mitte, um sich von den politischen Schwergewichten Sanders und Warren abzugrenzen, die in Iowa hinter ihm landeten. So versucht er, Wähler anzusprechen, denen die Vorstellungen der beiden Senatoren zu radikal sind. Dazu passt auch sein Motto "wirkliche Lösungen, nicht mehr Polarisierung". Damit wirbt er für die Überwindung der extremen gesellschaftlichen Spaltungen unter Donald Trump.

Daneben profitiert Buttigieg aber auch von der derzeitigen Schwäche des gemäßigten Bewerbers Joe Biden, der in den Fernsehdebatten der Demokraten nicht überzeugen konnte und auch wegen der Ukraine-Affäre in die Schlagzeilen geriet. Der 37-Jährige geht seitdem als jüngere, frischere Alternative zum 77-jährigen ehemaligen Vizepräsidenten durch. Entsprechend hart fielen zuletzt die Attacken aus, die die anderen Präsidentschaftsbewerber gegen Buttigieg fuhren. Vom Geheimfavoriten hat er sich spätestens nach Iowa zum ernstzunehmenden Konkurrenten gewandelt.

Oder einfach: "Bürgermeister Pete"

Wie wird Buttigieg ausgesprochen?

Buttigieg klingt ausgesprochen etwa wie Bu-ti-dschidsch. Wobei der erste Vokal irgendwo zwischen "o" und "u" liegt, wie in einem Youtube-Video erklärt wird. Auf Twitter gibt er ihn in einer improvisierten Lautschrift an: "Boot-Edge-Edge" - das steht inzwischen auch auf Wahlkampf-Plakaten. Die englischen Wörter für "Schuh" und "Kante" sollen es US-Amerikanern leichter machen, den Namen auszusprechen, den Buttigieg von seinem maltesischen Vater hat. Für viele ist er der Einfachheit halber aber einfach nur "Mayor Pete", also "Bürgermeister Pete".

Würde Buttigieg sich in den Vorwahlen durchsetzen und dann auch noch Amtsinhaber Trump bezwingen, wäre er der jüngste Präsident der US-Geschichte. Und der erste, der öffentlich schwul lebt. Er ist mit einem Lehrer verheiratet. Wobei er selbst davon ausgeht, dass er lediglich der erste Präsident wäre, der zu seiner Homosexualität steht. "Statistisch" sei er sich "fast sicher", dass es bereits schwule Präsidenten gegeben habe, sagte er in einem Fernsehinterview.

Der Politiker, der wegen seines schwierig auszusprechenden Nachnamens gern auch "Bürgermeister Pete" genannt wird, wuchs als Kind eines Professorenpaares auf. Sein Vater emigrierte aus Malta - daher der komplizierte Nachname (siehe Kasten). Nach dem Studium an den Eliteunis Harvard an der US-Ostküste und im britischen Oxford arbeitete Buttigieg in Chicago für die Beratungsfirma McKinsey. Danach startete er seine politische Laufbahn und wurde 2011 zum Bürgermeister gewählt.

Sein Bürgermeisteramt legte er 2014 aber vorübergehend nieder, um sieben Monate als Reserveoffizier in Afghanistan zu dienen, was sein Ansehen steigerte. Buttigieg ist aber nicht nur Kriegsveteran, sondern auch ein Schöngeist. Er soll acht Sprachen beherrschen und zählt Literatur und Musik zu seinen Hobbys. Als Pianist trat er zusammen mit dem Symphonieorchester von South Bend auf.

Quelle: ntv.de, mit AFP