Politik

Stühlerücken im Nordosten CDU-Hoffnung kehrt Politik den Rücken

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Der vierfache Familienvater Kokert wechselt zu den Stadtwerken Neustrelitz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Belastung als Familienmensch sei zu groß, deswegen wechsele er in die Wirtschaft: CDU-Landeschef Kokert überrascht mit der Ankündigung in Mecklenburg-Vorpommern alle. Der von ihm ins Spiel gebracht Nachfolger hält sich noch bedeckt.

Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landes- und -Fraktionschef Vincent Kokert zieht sich überraschend aus der Politik zurück. Er werde den Landesvorsitz abgeben, im März auch sein Landtagsmandat niederlegen und in die Wirtschaft wechseln, kündigte er in Schwerin an. Erst unmittelbar davor hatte er die Fraktion über diesen Schritt informiert, die davon ebenfalls überrascht wurde. Politiker anderer Parteien bedauerten den Rückzug Kokerts und würdigten ihn als engagierten Parlamentarier, dessen Wort Bestand hatte.

"Die politische Arbeit der zurückliegenden 18 Jahre war für mich sehr intensiv, erfüllend und auch prägend", sagte Kokert. Die Gründe für seine Entscheidung, sich aus der Politik zurückzuziehen, seien rein persönlicher und privater Natur. "Ich bin ein Familienmensch. Und das ließ sich mit dem Umfang meiner politischen Arbeit leider nicht mehr vereinbaren", sagte der 41-jährige vierfache Familienvater. Eine detailliertere Begründung für seinen Abschied aus der Politik wollte er nicht geben und auch keine Fragen beantworten.

"Landesverband wird Lücke füllen"

"Ich werde im März bei den Stadtwerken Neustrelitz eine Tätigkeit als Betriebsleiter annehmen. Zu diesem Zeitpunkt werde ich auch alle politischen Ämter niederlegen", sagte Kokert. Er sei sich bewusst, in der Partei eine Lücke zu hinterlassen. "Aber diese wird der CDU-Landesverband füllen können. Da bin ich mir ganz sicher", sagte Kokert. Als Nachfolger im Fraktionsvorsitz schlug er den bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer Torsten Renz vor. Dieser ließ zunächst offen, ob er für dieses Amt zur Verfügung steht. Die Entscheidung werde zu gegebener Zeit gefällt, sagte er.

Mit Kokert verliert die Nordost-CDU eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl ihren designierten Spitzenkandidaten und Herausforderer von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Mit ihm hatte die Union die Hoffnung verbunden, nach zwei Jahrzehnten wieder stärkste Kraft im Schweriner Landtag zu werden und den Regierungschef stellen zu können. Mehrere CDU-Spitzenkandidaten waren daran gescheitert, zuletzt Innenminister Lorenz Caffier, von dem Kokert im April 2017 den CDU-Landesvorsitz übernommen hatte.

Schwesig will Koalition "gut fortsetzen"

Ministerpräsidentin Schwesig dankte Kokert in einer kurzen Mitteilung für eine politisch und auch persönlich sehr gute Zusammenarbeit. "Vincent Kokert war immer ein verlässlicher Partner für uns. Ich bedauere seine Entscheidung, aber ich respektiere sie selbstverständlich auch und wünsche ihm für seinen neuen Weg alles Gute", erklärte sie. SPD und CDU würden in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren verlässlich und erfolgreich zusammenarbeiten und hätten auch viel auf den Weg gebracht. "Deshalb setzen wir darauf, dass unser Regierungspartner die jetzt offenen Fragen zügig klärt, damit wir unsere Arbeit für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gut fortsetzen können", machte Schwesig ihre Erwartungen deutlich.

Linke-Fraktionschefin Simone Oldenburg dankte Kokert für eine kollegiale Zusammenarbeit. "Wir haben ihn als sympathischen und streitbaren Kollegen kennengelernt. Herr Kokert war immer in der Sache engagiert, ohne die Bodenhaftung zu verlieren", konstatierte Oldenburg.

Lob und Dank kam auch von der Partnerfraktion SPD. "Die Zusammenarbeit mit Vincent Kokert war von Offenheit und Vertrauen geprägt", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Krüger. Für Kokerts weiteren beruflichen Weg wünsche er ihm alles Gute.

Quelle: jwu/dpa