Politik

Zur Kontrolle der Testpflicht CDU-Mann für Meldepflicht von Risikoreisen

eedb095142b020d8cabdb195358838c1.jpg

An Flughäfen wie hier in Hamburg wurden Testzentren eingerichtet.

(Foto: dpa)

Seit Samstag muss sich jeder Rückkehrer aus einem Coronavirus-Risikogebiet testen lassen. Doch wie lässt sich das durchsetzen? Innenstaatssekretär Krings fordert nun, dass Deutsche geplante Reisen in bestimmte Länder vorab anmelden müssen. Die Pflichttests verlaufen indessen weitgehend reibungslos.

Der Umgang mit Rückkehrern aus Coronavirus-Risikogebieten birgt weiter Diskussionsstoff. Innenstaatssekretär Günter Krings schlug in der "Rheinischen Post" eine Anzeigepflicht vor Reisen in vom Robert-Koch-Institut definierte Länder vor. "Wer in ein Risikogebiet reisen will, sollte das vorher dem Gesundheitsamt melden, damit es hinterher leichter überprüfen kann, ob der verpflichtende Corona-Test bei der Einreise gemacht und gegebenenfalls die Quarantäne eingehalten wurde." Der CDU-Wirtschaftsrat hatte zuvor gefordert, Reisen in Risikogebiete zu verbieten. Diese Forderung lehnte Krings jedoch als zu weitgehend ab.

Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es derzeit zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist, etwa auch beim Hausarzt.

Seit Samstag sind diese Tests verpflichtend. Trotz kurzer Vorbereitungsfrist - die Pflicht wurde von Gesundheitsminister Jens Spahn erst am vergangenen Donnerstag erlassen - und einer adhoc erweiterten Liste der betreffenden Regionen und Gebiete in Bulgarien und Rumänien blieb ein Chaos am Wochenende aus. In beiden Testzentren am größten deutschen Flughafen in Frankfurt ließen sich nach Betreiber-Angaben allein am Samstag insgesamt etwa 2600 Rückkehrer registrieren. In ein bis anderthalb Prozent der Fälle seien die Testergebnisse positiv gewesen. Am Sonntag liefen die Tests demnach problemlos und auf vergleichbarem Niveau.

Lob für neue Testpflicht

Am Flughafen Düsseldorf haben sich einem Sprecher zufolge kaum Schlangen an den Teststellen gebildet, ähnlich war die Lage in Stuttgart und an den beiden Berliner Airports Tegel und Schönefeld. Auch in Hamburg musste laut der zuständigen Behörde niemand lange warten. Allerdings hätten nicht alle den Test am Flughafen genutzt.

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßte das neue Verfahren. Erste Ergebnisse zeigten, dass die Rate positiver Tests bei Rückkehrern aus Risikogebieten vergleichsweise hoch sei, sagte die Vorsitzende Susanne Johna. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, kritisierte hingegen, die Risikogebiete seien "viel zu pauschal" eingeteilt worden. Zudem seien viele Hausärzte nicht für einen "Ansturm von Testwilligen" ausgestattet, sagte er der "Welt".

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hält es zwar zunächst für richtig, dass die Tests für Rückkehrer kostenlos sind. "Für eine dauerhafte Lösung muss aber über Alternativen nachgedacht werden, zum Beispiel, ob die Kosten für die Tests auf die entsprechenden Flugtickets umgelegt werden", sagte der CDU-Politiker dem "Spiegel".

Schon seit einigen Wochen gilt generell, dass sich alle Rückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Kommen sie per Flugzeug, Schiff, Zug oder Bus direkt aus einem Risikogebiet, sind an Bord "Aussteigekarten" mit diesen Angaben auszufüllen, die dann eingesammelt werden. Hat man kein negatives Testergebnis, wird das zuständige Gesundheitsamt informiert. Bei Rückkehrern per Auto sollen in Grenznähe Stichproben-Kontrollen gemacht werden können.

Kosten trägt der Bund

Generell müssen sich Urlauber aus Risikogebieten direkt nach der Ankunft für 14 Tage in Quarantäne nach Hause begeben - es sei denn, sie haben ein negatives Testergebnis. Testen lassen müssen sich grundsätzlich auch Kinder. Die Testpflicht greift nicht, wenn man ohne Zwischenstopp nur durch ein Risikogebiet gereist ist.

Wenn möglich, sollten sich Rückkehrer ohne Test gleich an Flughäfen, Bahnhöfen und Häfen testen lassen - oder später in anderen Testzentren und Praxen ihres Ortes. Teststellen soll man auch unter der ärztlichen Servicetelefonnummer 116 117 erfragen können. Den Test muss man nach Aufforderung des Gesundheitsamts binnen 14 Tagen nach Einreise machen - und in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. In der Regel dauert es laut Gesundheitsministerium 24 bis 48 Stunden.

Ein positives Ergebnis meldet das Labor direkt an das Gesundheitsamt, und man muss für bis zu 14 Tage in Quarantäne. Ein negatives Ergebnis heißt in den meisten Bundesländern, dass keine häusliche Quarantäne mehr nötig ist. Die Test-Bescheinigung müssen Reisende selbst ans Gesundheitsamt schicken. Falls Einreisende aus Risikogebieten auf Aufforderung keinen Test dulden, drohen Bußgelder bis zu 25.000 Euro - die Höhe soll aber verhältnismäßig festgelegt werden. Zwangstests sind nicht geplant, betonte das Ministerium.

Alle Tests bei der Rückkehr nach Deutschland kosten Reisende bis zu 72 Stunden nach der Einreise nichts - egal, aus welchem Land man kommt. Um glaubhaft zu machen, dass man im Ausland war, kann man etwa einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise vorlegen. Finanziert werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen, auch für Privatpatienten. Der Bund übernimmt die Kosten dann aber über einen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen. In Urlaubsländern sind Kosten für Tests, die Reisende selbst zahlen müssen, unterschiedlich hoch. Beispiel Türkei: 15 bis 30 Euro.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.