Politik

Nach emotionaler Debatte CDU beschließt Frauenquote

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Manche Delegierte erinnerten sich an Debatten um die Frauenquote, die vor Jahrzehnten bereits geführt wurden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Debatte ist emotional, der Widerstand heftig. Doch am Ende segnen die Delegierten den Antrag des Vorstands ab: Die CDU hat eine Frauenquote.

Der Parteitag der CDU hat sich mehrheitlich für eine Frauenquote ausgesprochen. Eine absolute Mehrheit von 559 abgegebenen Stimmen führte die Entscheidung in Hannover herbei. Zuvor stritten die Delegierten in einer von Frauenbeiträgen dominierten Debatte emotional über die Frage, ob eine Quote notwendig sei, um die Position von Frauen zu stärken und die Zahl weiblicher Mitglieder zu erhöhen. Seit Jahrzehnten kommt der Anteil weiblicher Mitglieder in der CDU nicht wesentlich über ein Viertel hinaus.

In der Debatte, an der sich 34 Rednerinnen und Redner beteiligten, sprach sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst für die Quote aus. Er erläuterte am Beispiel der eigenen Mutter, dass für Frauen nicht allein die Qualifizierung wichtig sei, sondern auch Chancen sich zu entwickeln. Auch die ehemalige Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer plädierte für die Frauenquote. Sie verdanke den Start in ihre Laufbahn in der CDU einem Quorum.

Mehrere, vor allem junge CDU-Politikerinnen, die bereits Ämter in der Partei innehaben, plädierten dafür, die Frauenquote abzulehnen. Wichtiger, um mehr Frauen für die CDU zu begeistern, sei eine bessere Vereinbarkeit mit Beruf und Familie. Wiebke Winter, Mitglied im CDU-Bundesvorstand, erklärte in ihrer Rede, sie wolle keine Quotenfrau sein.

In einem leidenschaftlichen Redebeitrag stellte die ehemalige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Ausrichtung der Debatte in Frage. Wie Kramp-Karrenbauer zuvor stellte sie heraus, dass eine Quote ihr den Einstieg in die Politik geebnet hatte. Das größte Johlen sei dann, "wenn Frauen gegen Frauen in Stellung gebracht werden. Unsere Wählerinnen und Wähler sind anders aufgestellt, entweder passt uns das, oder wir passen denen nicht mehr".

"Trauen wir uns so wenig zu?"

Der Parteivorsitzende Friedrich Merz verzichtete zunächst darauf, sich mit einer Rede für die Quote stark zu machen, meldete sich dann jedoch am Ende noch zu Wort. In keinem Landesparlament spiegle der Frauenanteil den in der Bevölkerung wieder. "Trauen wir uns so einen kleinen Sprung nach vorn heute schon nicht mehr zu?", fragte Merz. Die CDU müsse noch sehr viel mehr tun, "als was wir heute hier beschließen wollen".

Die Idee einer Frauenquote ist seit mehreren Jahren innerhalb der Partei hoch umstritten, die Junge Union als Nachwuchsorganisation der Partei lehnt sie vehement ab. Um die Debatte nicht ausufern zu lassen, hatte der Parteitag die Rednerliste bei 34 Wortmeldungen geschlossen und die Redezeit auf zwei Minuten begrenzt.

Quelle: ntv.de, fni

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