Politik

Das Druckmittel der MullahsChamenei-Berater nennt Straße von Hormus "wichtiger als Atombomben"

12.07.2026, 13:47 Uhr
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Handelsschiffe reihen sich in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas auf. (Foto: picture alliance/dpa/ISNA/AP)

Die Sorge, dass der Iran irgendwann Atomwaffen produzieren kann, ist groß. Dabei haben die Mullahs noch ein ganz anderes Mittel an der Hand, mit dem sie Druck auf westliche Staaten ausüben können.

Die Straße von Hormus hat nach Angaben eines Beraters des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei eine größere strategische Bedeutung für das Land als Atomwaffen. Die Meerenge sei "wichtiger als Dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen", sagte Chameneis Militärberater Mohsen Resai nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

Bereits kurz nach Beginn des Iran-Kriegs erwies sich die für den weltweiten Energiehandel wichtige Meerenge als wirkungsvolles Druckmittel für die Führung in Teheran. Mit Drohungen und Angriffen brachte der Iran den Verkehr faktisch zum Erliegen. Die eingeschränkte Schifffahrt ließ die Energiepreise steigen und erhöhte zugleich den innenpolitischen Druck auf den US-Präsidenten. 

Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran bestreitet dies und versichert, sein Atomprogramm lediglich zur zivilen Nutzung zu betreiben.

USA fordern Bekenntnis zu Öffnung der Straße von Hormus

Die USA fordern ein Bekenntnis des Irans zu einer freien und sicheren Schifffahrt und stellten Teheran jüngst dafür eine Frist bis zum Samstag. Die iranische Führung solle öffentlich versichern, dass die Meerenge offen sei und der Iran von Angriffen auf Handelsschiffe absehe, schrieben unter anderem das Portal "Axios" und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. 

Der Golfstaat Oman, der in dem Konflikt vermittelt, legte einen Vorschlag zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus vor. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg frei möglich sein, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Auf der nördlichen Route entlang der iranischen Küste wären laut CNN Genehmigungen Teherans nötig, allerdings ebenfalls keine Gebühren fällig.

Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten allerdings ohne Durchbruch. Vertreter aus dem Iran und dem Oman hätten jedoch beschlossen, das Format auf politischer sowie technischer Ebene fortzusetzen, "um zu einer gemeinsamen Verständigung über die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt" in der Meerenge zu gelangen, hieß es in einer Erklärung des iranischen Außenministeriums. 

Iran verbietet Durchfahrt

In der Nacht zum Sonntag erklärte der Iran dann die Straße von Hormus bis auf Weiteres und bis zum Ende der US-amerikanischen Eingriffe in der Region für gesperrt. Die Durchfahrt sei verboten. Sollte der "Aggressor" neue Angriffe gegen den Iran starten, hieß es an die USA gewandt, werde man mit weiteren Angriffen auf "feindliche Stützpunkte" in der Region reagieren. 

Die Marine der Revolutionsgarden hatte zuvor nach eigenen Angaben Warnschüsse auf ein Schiff in der Straße von Hormus abgegeben und dieses gestoppt. Das Schiff habe die maritime Sicherheit in der Meerenge gefährdet, teilten die Revolutionsgarden auf Telegram mit. Demnach hätten zuvor mehrere Schiffe versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen der Revolutionsgarden ignoriert, ihre Route zu korrigieren.

Die US-Regierung äußerte sich nicht offiziell zu dem Vorfall. Ein US-Beamter bestätigte jedoch dem gut vernetzten Journalisten Barak Ravid, dass die Revolutionsgarden eine Rakete auf ein Handelsschiff abgefeuert hätten, das versucht habe, die Straße von Hormus zu passieren. Das Schiff sei getroffen und schwer beschädigt worden.

In der Nacht griff das US-Militär dann nach eigenen Angaben mit Kampfjets, Drohnen und Kriegsschiffen rund 140 militärische Stellungen im Iran an. Zu den Zielen gehörten unter anderem Raketenstellungen, Munitionslager sowie Infrastruktur der Küstenüberwachung und Kommunikation, wie das für die Region zuständige Regionalkommando (Centcom) mitteilte. Diese Woche seien damit insgesamt mehr als 300 Ziele attackiert worden. Als Grund für die Bombardierungen nannte das US-Militär iranische Angriffe auf die kommerzielle Schifffahrt.

Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP

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