Politik

Nach mutmaßlicher Giftgasattacke Chan Scheichun erneut angegriffen

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Bereits am Dienstag griffen Kampfjets Chan Scheichun an, mutmaßlich auch mit Giftgas - nun folgt eine weitere Attacke.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Wenige Tage nach einer mutmaßlichen Attacke mit Chemiewaffen nehmen Kampfjets erneut die syrische Stadt Chan Scheichun ins Visier. Wer hinter dem Bombenangriff steht, ist unklar.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf das nordsyrische Chan Scheichun hat es Aktivisten zufolge einen erneuten Luftangriff auf die Stadt gegeben. Eine Frau sei bei der Attacke zunächst nicht identifizierter Kampfflugzeuge im Osten des Ortes getötet worden, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Eine weitere Person wurde demnach verletzt.

Am Dienstag waren nach einem syrischen Luftangriff auf Chan Scheichun mehr als 80 Menschen offensichtlich durch toxische Kampfstoffe getötet worden. Die USA und andere westliche Staaten machen Syriens Machthaber Baschar al-Assad dafür verantwortlich. Die syrische Regierung und der Verbündete Russland weisen das zurück.

Als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff hatten die USA am Freitagmorgen 59 Marschflugkörper auf den Flugplatz abgefeuert, von dem der Angriff am Dienstag ausgegangen sein soll. Es war der erste direkte US-Angriff auf die syrische Armee. Russlands Präsident Wladimir Putin warf den USA umgehend vor, sie hätten unter fadenscheinigem Vorwand ein souveränes Land angegriffen.

Der mit Assad verbündete Iran forderte eine unabhängige Untersuchung des Giftgaseinsatzes. Es müsse ein unparteiisches Gremium eingesetzt werden, um herauszufinden, vom wem diese Chemiewaffen in dem Bürgerkriegsland stammten, sagte Präsident Hassan Ruhani. Zugleich warnte er vor einer Eskalation des Extremismus in der Region nach dem US-Raketenangriff. Diese US-Aggression stärke den Extremismus und den Terror in der Region sowie die Rechtlosigkeit und Instabilität in der Welt.

Kein Interesse an militärischer Eskalation

Der Sicherheitsexperte Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik befürchtet nach dem US-Luftangriff allerdings keine globale Ausweitung des Konflikts. Es sei deutlich geworden, dass weder die USA noch Russland Interesse an einer weiteren militärischen Eskalation hätten, sagte Kaim dem Deutschlandradio Kultur. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass Russland vorgewarnt worden ist." Russland sei nicht ganz unglücklich, dass der "sperrige Verbündete" Assad gemaßregelt worden sei, so Kaim.

Die beiden Hauptakteure Russland und die USA seien sehr penibel darauf bedacht, ihre Differenzen politisch-rhetorisch auszutragen, aber sie hätten kein Interesse an einer unmittelbaren großen und offenen militärischen Konfrontation, sagte Kaim weiter. Die Debatte um ein mögliches Eingreifen der Nato in Syrien hält Kaim für abwegig und nicht nachvollziehbar: "Das hat niemand gefordert und würde auch auf erhebliche Widerstände stoßen." Das gelte auch für einen Einsatz der Bundeswehr.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/rts