Politik
Chinesische Polizisten setzen in der Henan-Provinz ihre "intelligenten" Sonnenbrillen ein, die dank künstlicher Intelligenz und Minibildschirmen verdächtige Aktivitäten in den Gläsern anzeigen.
Chinesische Polizisten setzen in der Henan-Provinz ihre "intelligenten" Sonnenbrillen ein, die dank künstlicher Intelligenz und Minibildschirmen verdächtige Aktivitäten in den Gläsern anzeigen.(Foto: REUTERS)
Montag, 16. April 2018

Meldung ausländischer Spionage: China schaltet Spitzelseite frei

Unaufhaltsam verwandelt sich China in einen totalitären Überwachungsstaat. Jüngstes Werkzeug ist eine Website, auf der Bürger Spione aus dem Ausland melden können. Wer mithilft, darf auf eine vier- bis fünfstellige Belohnung hoffen.

Die chinesischen Behörden haben im Kampf gegen ausländische Spionage eine Website eingerichtet, auf der Bürger verdächtige Beobachtungen melden können. Die Seite www.12339.gov.cn wurde am Sonntag vom Ministerium für Nationale Sicherheit freigeschaltet. In Mandarin und Englisch können dort Bedrohungen der nationalen Sicherheit, Aufrufe zu Aufständen oder ethnischen Unruhen oder auch Bestechungsversuche durch Chinesen oder Ausländer gemeldet werden. Für telefonische Meldungen haben die Sicherheitsbehörden außerdem die Telefonnummer 12339 eingerichtet.

Informanten, die helfen, ausländische Spionageaktivitäten aufzudecken, sollen eine Belohnung erhalten. Zur Höhe machen die chinesischen Behörden auf der Website keine Angaben. Die amtliche Zeitung "Beijing Daily" berichtet allerdings, dass umgerechnet zwischen rund 1200 und 59.000 Euro gezahlt würden.

Kritiker sehen in der Seite einen weiteren Schritt des allmächtigen Präsident XI Jinping, die Bevölkerung zu überwachen. Für besonders problematisch halten sie, dass nicht nur Spionagetätigkeiten gemeldet werden könnten, sondern auch jede Form des Austauschs mit Dissidenten. Denn die Website animiert auch zur Meldung von Kontakten zwischen Ausländern und "jeder Person in China, die Aktivitäten ausgeübt hat, die die staatliche Sicherheit gefährden, oder stark verdächtigt wird, dies zu tun".

Quelle: n-tv.de