Politik

Vor Tiananmen-Jahrestag China stört Google-Dienste

3iwv2119.jpg6198612612709078073.jpg

(Foto: dpa)

Mit aller Macht versucht China, den Jahrestag des Massakers in Peking zu vertuschen. Dazu verschärft die Regierung nun offenbar erneut die Internetzensur. Google-Nutzer müssen - vermutlich vorübergehend - auf mehrere Dienste verzichten.

Stärker als je zuvor blockiert Chinas Zensur den Zugang zu Google-Diensten. Die Sperren stehen vermutlich im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 25. Jahrestag des Pekinger Massakers vom 4. Juni 1989 an diesem Mittwoch. Sie könnten aber auch langfristig angelegt sein, wie Experten meinten.

Die Zensur behindert fast alle Google-Dienste wie Suche, Gmail oder Maps, wie die Webseite Greatfire.org berichtete, die Chinas "Große Firewall" verfolgt. "Es ist die bisher strengste Zensur, die angewandt wurde." Google teilte laut Medienberichten nur mit: "Wir haben ausgiebig geprüft und es gibt keine technischen Probleme auf unserer Seite."

Der Internetriese verschlüsselt seit März alle Suchen aus China, doch stören die chinesischen Behörden jetzt schon die Verbindungen zu Googles Internetprotokoll-Adressen, wie Greatfire.org berichtete. Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

VPN-Verbindungen werden gestört

Zwar hat Google ohnehin keinen großen Marktanteil in China, dennoch dürften laut Experten Millionen chinesische Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchen zensiert.

Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie New York Times oder der Nachrichtenagentur Bloomberg geblockt. Viele Chinesen umgehen die chinesischen Sperren mit Tunneldiensten, doch sind die Störungen solcher VPN-Verbindungen vor dem Jahrestag offenbar noch einmal intensiviert worden, wie Nutzer beklagen. Auch ausländische Unternehmen in China sind von Behinderungen betroffen.

Vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung wurden bereits zuvor die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Dutzende Kritiker wurden landesweit festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu verhindern, wie Menschenrechtsgruppen kritisierten. Auch beklagten ausländische Korrespondenten in China "zunehmende Behinderungen und Einschüchterungen" bei ihrer Berichterstattung vor dem heiklen Jahrestag.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.