Politik

Eigentümlicher Bundesstaat Iowa Darum starten US-Vorwahlen im Nirgendwo

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Wahlkampf in Iowa kann trist sein.

(Foto: REUTERS)

Die Vorwahlen des US-Wahlkampfs 2020 beginnen, die Demokratische Partei sucht ihren Herausforderer für Donald Trump. Elf Bewerber treten an. Dieses erste Kräftemessen findet traditionell in Iowa statt. Warum ist das wichtig?

Warum beginnt der Wahlkampf ausgerechnet in Iowa?

Weil dort das Wahlverfahren am Kompliziertesten ist. Bei den Vorwahlen gibt es ja zwei Systeme: Die Primary, eine klassische Wahl, vom Bundestaat organisiert, mit Kreuzchen auf dem Stimmzettel oder, wie in Iowa, einen Caucus. Das sind von der jeweiligen Partei organisierte abendliche Versammlungen in den Stimmbezirken. Dort werden in einem eigentümlichen Prozedere Vertreter für die Kandidaten gewählt, die dann wiederum auf Orts-, Bezirks- und Staatsebene Delegierte wählen, die dann beim Parteitag im Sommer für den jeweiligen Kandidaten stimmen. Das alles hatte vor dem Computerzeitalter solange gedauert, dass man in Iowa bereits im Winter beginnen musste. Die Tradition ist geblieben.

Ist Iowa repräsentativ für die Vereinigten Staaten?

Keineswegs. Iowa hat nur etwas über 3 Millionen Einwohner, dafür aber knapp 24 Millionen Schweine. Iowa ist Farmland, die Einwohner sind zu über 90 Prozent weiß. Mit einem immer bunter werdenden Amerika hat Iowa nichts zu tun. Aber die Kandidaten strömen dennoch hierher. Denn wenn man 12 oder 15 Monate lang von Haustür zu Haustür zieht, kann man sich hier, am Ende der politischen Welt, auch als Außenseiter dem Wähler bekannt machen. Aus "Jimmy Who?" wurde 1976 in Iowa etwa Jimmy Carter. Und Jung-Senator Barack Obama demonstrierte mit seinem Sieg 2008, dass er Hillary Clinton ebenbürtig war.

Auf welche Kandidaten muss man schauen?

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Fünf Kandidaten muss man heute im Blickfeld haben. Alle eint: Höchste Priorität ist, Donald Trump zu schlagen. In der deutlich nach links gerückten Partei stehen alle für ein verbessertes Gesundheitssystem, Kampf gegen den Klimawandel und für ein gutes Verhältnis zu den europäischen Alliierten. Fünf demokratischen Bewerbern werden Chancen eingeräumt, am Ende auch Kandidat zu werden. Die beiden linken Bernie Sanders und Elizabeth Warren, sowie die gemäßigteren Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Ex-Vizepräsident Joe Biden. Mehr zu den Bewerbern finden Sie hier.

Was ist mit Mike Bloomberg?

Der tritt heute gar nicht an. Der Ex-Bürgermeister von New York hat sich erst so spät für seine Kandidatur entschieden, dass er bei den ersten vier Vorwahlen nicht dabei ist. Erst beim Super Tuesday am 3. März wird man wissen, wie wirksam sein Flächenbombardement mit Fernsehwerbung ist. Der politisch gemäßigte Bloomberg setzt darauf, dass Joe Biden strauchelt. Den Wahlkampf zahlt er problemlos aus eigener Tasche. Bloombergs Vermögen wird auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt. Es ist keine Überraschung, dass Trump ihn hasst.

Welche Bedeutung hat Donald Trumps Impeachment?

Schwer zu sagen. Trumps Versuch, mit ukrainischer Hilfe eine Schmutzkampagne gegen Joe Biden zu starten, zeigt zumindest, dass er Biden fürchtet. Dies könnte Biden helfen. Denn die Demokraten werden sich am Ende hinter dem Kandidaten versammeln, für den sie sich die größten Chancen gegen Trump ausrechnen. Zugleich haben viele Angst, dass Trumps Anschuldigungen gegen Biden bei Unentschlossenen ihre Wirkung zeigen. Auch wenn sie nicht wahr sind.

Wie gespalten ist die Demokratische Partei wirklich?

Die Partei befindet sich in einem tiefgehenden Wandel, eine Entwicklung von Bill Clintons Nähe zur Wall Street hin zu grundlegenderen Antworten auf die Probleme einer bunter werdenden Gesellschaft: riesige Einkommensunterschiede, schlechte Sozialsysteme, wachsender Rassismus. Über die groben Ziele sind sich die meisten einig, aber nicht darüber, wie man sie erreicht.

Sanders will mit mehr oder weniger revolutionären Ideen die vor allem die junge, aktivistische Basis mobilisieren. Biden befürchtet, dass man so Wechselwähler in der Mitte verstößt. Die Krux ist, dass beide Recht haben. Hillary Clinton verlor 2016 deshalb, weil in den entscheidenden Staaten wie Wisconsin die eigene junge Basis gelangweilt zuhause geblieben war. Zwei Jahre später gewann die Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus mit Hilfe von sonst republikanisch wählenden Frauen, die Donald Trump nicht ertragen. Viele trauen daher Elizabeth Warren zu, die Kluft zu überbrücken.

Wann ist die Vorwahl entschieden?

Wenn sich jemand 1990 Delegierte und somit die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang bei der Convention, dem Ernennungsparteitag im Juli sichert. Sollte dies niemand schaffen, wird es spannend. Im zweiten Wahlgang dürfen die Delegierten die Seiten wechseln und einen chancenreicheren Kandidaten unterstützen. Außerdem wählen dann auch noch 771 sogenannte Superdelegierte mit, meist Amtsträger und Parteiführung. Von solch einer Contested Convention mit Kampfabstimmung träumen vor allem Journalisten. Vorgekommen ist sie in den letzten 70 Jahren aber nicht.

Alle reden von den Demokraten. Was machen eigentlich die Republikaner?

Die wählen heute in Iowa Donald Trump. Eine Niederlage wäre ein Wunder, obwohl er zwei Gegenkandidaten hat: Bill Weld, Ex-Gouverneur von Massachusetts und Joe Walsh, früherer Kongress-Abgeordneter von Illinois. Trump hat seine Partei so fest im Griff, dass die Republikaner in South Carolina und Nevada erst gar keine Vorwahl angesetzt haben. Dass er bei der Präsidentschaftswahl am 3. November für die Republikaner antritt, steht so gut wie fest.

Quelle: ntv.de

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