Politik

Angeblich MilliardendefiziteDas Heer ist an seiner Grenze angelangt

21.05.2015, 13:43 Uhr
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Bruno Kasdorf wünscht sich mehr Geld für die Truppe, deren Führung er bald abgeben wird. (Foto: picture alliance / dpa)

Der höchste General ist unzufrieden mit dem Zustand seiner Truppe. Das Heer arbeite am Limit, es mangle an modernem Gerät und an Munition. Gerade in dem Punkt, mit dem sich Ministerin von der Leyen am meisten beschäftigt, sieht er keinen Nachholbedarf.

Das Deutsche Heer ist noch nicht auf die veränderte Sicherheitslage eingestellt, sagt der Inspekteur Bruna Kasdorf. Kasdorf, der höchste General des Heeres wird im Juli pensioniert. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagt er, das Heer sei "seit 1990 durchgehend unterfinanziert" und schiebe ein Investitionsdefizit von vier Milliarden Euro vor sich her.

Das Heer ist die größte Teilstreitkraft der Bundeswehr und bündelt die Landstreitkräfte, während Marine und Luftwaffe für die Verteidigung zu Wasser und in der Luft zuständig sind.

Die mangelnde Finanzierung des Heeres mache sich darin bemerkbar, dass Nachtsichtgeräte, Schutzwesten, Ferngläser, Gefechtsausrüstung, geschützte und ungeschützte Fahrzeuge fehlten. Eine Verkleinerung des Heeres hält Kasdorf nicht für machbar. Die aktuelle Stärke von 60.000 Mann sei aus seiner Sicht "am unteren Ende dessen, was ein Land unserer Größe an Landstreitkräften haben sollte.

Seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und seit dem Ausbruch des Krieges im ostukrainischen Donbass hat sich die Bewertung der Sicherheitslage in Europa verändert. Die Staaten bereiten sich wieder verstärkt darauf vor, ihre Territorien verteidigen zu müssen. Die Nato hat darum eine schnelle Eingreiftruppe geschaffen, die offiziell VJTF, manchmal auch "Speerspitze" genannt wird. Auch Deutschland beteiligt sich an dieser Speerspitze. Damit sind nach Ansicht Kasdorfs die Kapazitäten des Heeres schon erschöpft: "Um die VJTF mit dem modernsten Material ausrüsten zu können, haben wir das notwendige Material aus dem gesamten Heer zusammengeführt", sagte er.

Auch in Sachen Munition sei die Truppe noch nicht auf die veränderte Sicherheitslage eingestellt. Die vorhandenen Mengen seien nur für Stabilisierungseinsätze und für die Ausbildung ausgelegt. Die Vorräte seien nicht "durchhaltefähig".

Ausgerechnet im Bereich Personal sieht Kasdorf das Heer aber "ausgezeichnet" aufgestellt. Dieser Bereich ist das Lieblingsthema von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die sich um den Nachwuchs bei der Bundeswehr große Sorgen macht.

Quelle: ntv.de, che

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