Politik

Verschleppt im Transitbereich Das Oligarchen-Callgirl, das Trump belasten wollte

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Das Escort-Girl Anastasia Waschukewitsch, auch genannt Rybka vor ihrer Abschiebung in Bangkok.

(Foto: REUTERS)

Es ist eine wilde Geschichte über Geld, Macht und käufliche Liebe. Und die Protagonisten sind: ein russisches Escort-Girl, ein Oligarch, mehrere unbekannte Männer und irgendwie auch der US-Präsident.

Ihr größter Alptraum ist Wirklichkeit geworden. Sie habe Angst davor, nach Russland zurückgeschickt zu werden, schrieb das weißrussische Callgirl Anastasia Waschukewitsch im vergangenen Jahr auf Instagram. "Wenn wir zurück nach Russland gehen, werden wir in einem russischen Gefängnis sterben oder sie werden uns töten."

Nun ist Waschukewitsch, die auch unter dem Namen Nastja Rybka bekannt ist und was so viel heißt wie Anastasia, das Fischlein, wider Willen doch in Russland gelandet. Die 27-Jährige hielt sich nach einem Flug aus Thailand im Moskauer Flughafen Scheremetjewo auf, von wo aus sie nach Weißrussland weiterfliegen wollte. Dabei sei sie von "unbekannten Männern" aus dem Transit-Bereich "gezogen" worden und werde nun in einem Gefängnis im Moskauer Süden festgehalten, sagte ihr Anwalt Dmitri Sazarinski. Er sprach von einem "Skandal", seine Mandantin habe "kein Verbrechen" begangen.

Auch der Kreml-Gegner Alexej Nawalny zeigt auf seinem Twitter-Account ein Video, in dem mehrere Männer Rybka in einen Rollstuhl zu zwängen suchen. Diese wehrt sich mit Händen und Füßen, wobei sie ruft: "Ich will nirgendwo hin." Nach einigem Gerangel schleppen die Männer sie weg. Die Hintergründe sind noch unklar. Das Innenministerium erklärte russischen Medienberichten zufolge, Rybka und drei weitere Menschen seien wegen Prostitutionsvorwürfen am Moskauer Flughafen festgenommen worden. Wie das Portal "Meduza" berichtet, stehen darauf bis zu sechs Jahre Haft.

Bei dem Fall könnte es allerdings um sehr viel mehr als um Prostitution gehen. Schließlich ist Rybka kein einfaches Callgirl. Die Weißrussin, die auch ein Buch verfasst hat mit dem Titel: "Wie man einen Milliardär verführt", hat längst auch international Schlagzeilen gemacht. Was vor allem einen Grund hat: Sie bot den US-Behörden Insiderwissen über eine russische Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf von 2016 an.

Warum ausgerechnet das Callgirl über solche Informationen verfügen soll, ist eine wilde und komplizierte Geschichte. Und dass sie publik wurde, ist wiederum vor allem Nawalnys investigativem Eifer zu verdanken. So entdeckten er und sein Team bei Instagram ein heikles Video, das Rybka selbst zuvor veröffentlicht hatte.

Oligarch trifft sich mit Vize-Premier

Im Video ist offenbar Rybkas damaliger Liebhaber, der Oligarch Oleg Deripaska, auf seiner Jacht im Jahr 2016 vor der norwegischen Küste zu sehen. Doch der Milliardär ist nicht allein. Wie Nawalny nachweist, war auch der damalige russische Vize-Ministerpräsident Sergei Eduardowitsch Prichodko mit an Bord. Auf dem Video ist Deripaska zu hören, wie er sagt, Russland habe schlechte Beziehungen zu den USA wegen der "Freundin von Sergei Eduardowitsch, Nuland ist ihr Name". Damit war anscheinend Victoria Nuland gemeint, damals für Europa zuständige Staatssekretärin im US-Außenministerium.

Nawalny zufolge waren der Milliardär und der Vize-Premier nicht nur zum Vergnügen an Bord. Offenbar hatten sie auch etwas zu bereden: die Präsidentschaftswahlen in den USA. Diese Vermutung könnte durchaus plausibel sein. So hatte Paul Manafort, der 2016 eine Zeitlang den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump leitete, mindestens von 2005 bis 2009 für Deripaska gearbeitet. Außerdem soll er nach Angaben der "Washington Post" dem Oligarchen "private Briefings" angeboten haben, möglicherweise als Ausgleich für Schulden in Millionenhöhe. US-Sonderermittler Robert Mueller bezichtigt Manafort und andere Wahlkampfhelfer Trumps, geheime Absprachen mit russischen Vertretern getroffen und darüber gelogen zu haben.

Laut Nawalny ist der Kontakt zwischen Manafort und Deripaska aber nur ein Teil  der Geschichte. Ihm zufolge soll es eine Verbindung vom russischen Präsidenten Wladimir Putin über Prichodko und Deripaska zu Manafort und weiter zu US-Präsident Donald Trump geben. Rybka selbst hatte im vergangenen Jahr erklärt, sie wolle "die fehlenden Puzzleteile liefern", die eine Verbindung herstellen zwischen russischen Politikern, Manafort, Trump und "all diesem Wirbel um die US-Wahl". Gegenüber der "New York Times" erklärte sie, sie habe Tonaufnahmen von mehr als 16 Stunden. Diese werde sie den USA übergeben, wenn diese ihr politisches Asyl gewährten. Ob das alles nur heiße Luft ist, ist unklar, Kritiker sprechen von einem PR-Gag.

Als Rybka ihre Enthüllungen ankündigte, saß sie allerdings schon in Thailand in Haft. Kurz nach der Veröffentlichung von Nawalnys Video, das in Russland für einigen Wirbel sorgte, wurde sie in Thailand gemeinsam mit anderen Ausländern wegen eines "Sex-Training-Kurses" festgenommen. Ein Gericht sprach sie und sieben andere Mitangeklagte Anfang des Monats des Anbietens sexueller Dienste schuldig. Da sie dann aber schon monatelang in Untersuchungshaft saß, wurde sie freigelassen und über Moskau abgeschoben.

Ihr Video von Deripaska auf der Jacht wurde längst von ihrer Instagramseite gelöscht. Deripaska, der auf der Sanktionsliste der USA steht, verklagte sie erfolgreich. Nawalny, dessen Internetseite nach der Veröffentlichung des Videos im Februar blockiert worden war, schrieb nun auf Twitter: "Ihre Schuld ist groß: Sie war eine Prostituierte auf der Yacht des Milliardärs Deripaska, und sie nahm ein Video auf mit dem stellvertretenden Premierminister Prichodko." Nun seien "Rybkas Hände gebunden", während die Polizei Prichodko und Deripaska in Ruhe lasse.

Quelle: ntv.de, ghö