Politik

Trump triumphiert Das liberale New York ringt um Fassung

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Demonstranten vor dem Trump Tower.

(Foto: REUTERS)

New York wirkt wie eine andere Stadt. Diese sonst vor Zuversicht strotzende Metropole muss den Sieg von Donald Trump erst einmal verdauen.

New York hat sich nach dem Sieg Donald Trumps verändert. Das Leben der 8,5 Millionen Einwohner geht natürlich weiter. Doch die Stadt klingt anders, riecht anders, fühlt sich anders an. Wer durch die Straßen geht, blickt in viele ernste, stille Gesichter. Es ist nur konsequent, dass es regnet.

Diese Stadt versucht zu verstehen, was geschehen ist. Und wie das überhaupt passieren konnte. Selbstverständlich gibt es auch hier viele Menschen, die sich über den Triumph Donald Trumps freuen. Andere haken das ab. Es gibt schließlich Wichtigeres. Doch das macht es für viele andere New Yorker nicht leichter. Im Gegenteil.

Sie sind davon überzeugt, dass dieses Land einen rassistischen, sexistischen, autoritären, eitlen Populisten zum Präsidenten gewählt hat. Für sie ist das eine Tragödie. Und so sieht man tatsächlich Menschen, die sich fest umarmen, um sich Trost zu spenden. Andere schütteln stumm den Kopf, wenn sie in Richtung U-Bahn hasten. Und einige wenige haben sogar Tränen in den Augen. Beispielsweise die schwarze Studentin, die in einem Café nahe der Columbia-Universität sitzt.

Diese Menschen fühlen sich leer. Es scheint, als habe das sonst vor Optimismus und Zuversicht pulsierende New York tatsächlich viel an Lebensmut eingebüßt.

Für wie lange? Es wird eine Zeitlang dauern, bis diese Stadt verstanden und verarbeitet hat, was vergangene Nacht geschehen ist. Doch selbst wenn sie so weit ist, wird es vielen Menschen weiterhin wehtun. "Es ist so, als ob einem der Arzt gerade offenbart hat, dass man unheilbar krank ist", sagt ein Bekannter, der in Manhattan wohnt. Das Leben werde nun nie wieder so sein, wie es einmal war.

"Ich habe Angst", flüstert eine Frau auf Spanisch in ihr Mobiltelefon. So wie ihr geht es hier im liberalen Manhattan vielen Menschen. Ihnen ist der Schrecken tief in die Glieder gefahren. Es ist die Furcht vor dem, was noch kommen mag – gepaart mit einer gehörigen Portion Fassungslosigkeit. "Es ist ganz anders als nach dem Sieg von Bush junior", meint jemand. "Das war auch unerfreulich. Aber damals ging es um unterschiedliche politische Ideen. Was gerade passiert geht viel, viel tiefer."

Am Wahlabend herrschte nach dem langen, schmutzigen Wahlkampf große Erleichterung, dass es endlich vorbei ist. Nun sind viele liberale New Yorker überzeugt: Das Gefühl trog. Denn was "es" auch immer sein mag – es hat gerade erst begonnen.

Quelle: n-tv.de

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