Politik

Umstrittene Südstaaten-Symbole Das schwierige Erbe des US-Bürgerkrieges

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Reiterstatute des Südstaaten-Generals und Sklavenhalters Nathan B. Forrest. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden schätzungsweise 700 solcher Denkmäler in den USA errichtet.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Nach dem Tod von George Floyd ist in den USA der Streit um Denkmäler von Verfechtern der Sklaverei erneut entbrannt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark die Erinnerungskultur des Südens das Bild über den Bürgerkrieg geprägt hat.

Der amerikanische Bürgerkrieg von 1861-1865 war der blutigste Konflikt in der Geschichte der USA. In ihm kämpften die abtrünnigen Südstaaten gegen den Norden vergeblich für den Erhalt der Sklaverei. Nun hat der Tod des Afroamerikaners George Floyd im Land auch die Debatte um die Erinnerung an diesen Konflikt neu entfacht.

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, forderte am Donnerstag die Entfernung von Südstaaten-Denkmälern aus dem Kapitol. Mit diesen Statuen werde "dem Hass gehuldigt", mahnte die Demokratin. Außerhalb Washingtons war man in dieser Woche schneller. So verbannte die Motorsportserie Nascar die konföderierte Kriegsflagge von all ihren Veranstaltungen und der Streamingdienst HBO Max nahm den Filmklassiker "Vom Winde verweht" wegen seiner rassistischen Darstellungen zunächst aus dem Programm.

Die Beispiele zeigen, wie stark die Erinnerungskultur des Südens noch heute im Land verankert ist. Dabei begann die Romantisierung der unterlegenen Konföderierten schon kurz nach dem Ende des Bürgerkrieges. Aus Frustration über die Niederlage retteten sich die Menschen im Süden schnell in die Legende des "Lost Cause", der "verlorenen Sache." Ihr zufolge war die Abspaltung der Südstaaten ein gerechter Kampf für die Unabhängigkeit von der Zentralregierung und der Freiheit der Einzelstaaten. Damit wurde der Konflikt auf ein verfassungsrechtliches Missverständnis reduziert. Die Sklavenfrage klammerte man bewusst aus. Diese Verklärung half den beiden Konfliktparteien bei der Versöhnung. Der Bürgerkrieg erschien so als bloßer Betriebsunfall in der Geschichte.

Elegante Gentlemen und naive Sklaven

Zur Idee des "Lost Cause" gehörte auch eine positive Umdeutung der Plantagenwirtschaft mit klischeehaften Bildern von aristokratischen Herrenhäusern, eleganten Gentlemen und ihren bildschönen Begleiterinnen. Loyale, oftmals kindlich-naive Sklaven blieben im Hintergrund. Getragen wurde dieses Konzept insbesondere von Veteranen- und Hinterbliebenenverbänden, die sich seit den 1890er Jahren darum bemühten, ihre Helden auch im öffentlichen Raum zu verankern. In den folgenden Jahrzehnten wurden schätzungsweise 700 glorifizierende Denkmäler im ganzen Land errichtet.

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In "Birth of a Nation" erscheint der Ku Klux Klan als Beschützer der weißen Frauen.

(Foto: imago images/Everett Collection)

Besonderen Anklang fanden diese Mythen in der Populärkultur. 1915 wurde das Buch "The Clansman" von Thomas Dixon unter dem Titel "Birth of a Nation" verfilmt. Als erster abendfüllender Spielfilm der Kinogeschichte entwickelte sich der Streifen, der den rassistischen Ku Klux Klan stark idealisierte, zu einem Kassenschlager. Der damalige Präsident Woodrow Wilson sagte über den Streifen, er gebe die Wirklichkeit genau so wieder, wie sie war. Dabei verbreiteten Buch und Film lediglich das propagierte Selbstbild des Südens. Demnach waren Schwarze nicht zu politischem Handeln fähig, dafür aber von einer zügellosen Sexualität besessen. Der Klan erschien als ritterliche Organisation zum Schutz der Ehre des Südens und seiner Frauen. Obwohl moderater im Ton bediente auch der mehrfach Oscar-prämierte Film "Vom Winde verweht" (1939) rassistische Klischees und zeichnete das Heile-Welt-Bild des "good old South".

Die Wahrnehmung des Bürgerkrieges veränderte sich erst mit dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er und 1960er Jahren deutlich. Nach den Erfahrungen mit dem Holocaust beschäftigte man sich intensiver mit der Vorgeschichte des Konflikts und der Sklavenfrage. Filme wie "Glory" (1989) und die TV-Serie "Roots" (1977) thematisierten die Rassentrennung aus der Perspektive der schwarzen Bevölkerung. Seit den 1980er Jahren herrscht unter Historikern Konsens, dass der Bürgerkrieg primär um die Frage der Sklaverei geführt wurde.

"Richmond ist nicht länger die Hauptstadt der Konföderation"

Doch noch immer ist das revisionistische Geschichtsbild des Südens im Land präsent. In der Staatshymne von Maryland ist auch heute noch die Rede vom "Abschaum aus dem Norden". Die Flagge von Georgia ist fast identisch mit der Staatsflagge der Konföderierten Staaten, während der Staat Mississippi weiterhin die Kriegsflagge der Südstaaten in der Fahne trägt. Und noch immer stehen im Land Hunderte Denkmäler von Verfechtern der Sklaverei.

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Das Denkmal für General Lee in New Orleans wurde 2017 entfernt.

(Foto: AP)

Wie viele konservative Republikaner hält auch Präsident Donald Trump wenig von einer Neubewertung. Bereits vor drei Jahren, bei den Protesten in Charlottesville, verurteilte er die Entfernung von Bürgerkriegs-Statuen. Mitte dieser Woche erteilte er einer möglichen Umbenennung von nach Südstaaten-Generälen benannten Militärstützpunkten eine klare Absage. Die Streitkräftebasen seien Teil des "großartigen amerikanischen Erbes", twitterte Trump. "Deswegen wird meine Regierung eine Umbenennung dieser wunderbaren und legendären militärischen Einrichtungen nicht einmal in Erwägung ziehen."

Doch es geht auch anders. Vergangene Woche kündigte der demokratische Gouverneur von Virginia, Ralph Northam, die Entfernung der Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee aus der Bundeshauptstadt Richmond an. "Es ist an der Zeit, die rassistischen Symbole der Unterdrückung und Ungleichheit auszutauschen", sagte Bürgermeister Levar Stoney. "Richmond ist nicht länger die Hauptstadt der Konföderation". In New Orleans wurde das Monument zu Ehren Lees bereits vor drei Jahren abgebaut.

Quelle: ntv.de