Politik

Verdächtiger wieder frei Das wissen wir über den Anschlag in Berlin

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Am Breitscheidplatz legen Menschen Blumen nieder und zünden Kerzen an.

(Foto: REUTERS)

Am Montagabend rast ein Lkw über einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. In der Nacht werden Einzelheiten zum Tathergang und zu den Hintergründen bekannt. Zur aktuellen Entwicklung finden Sie hier unseren Liveticker.

Was ist passiert? Gegen 20 Uhr am Montagabend fuhr ein schwarzer Lkw von der Seite Kantstraße/Budapester Straße kommend etwa 60 bis 80 Meter weit über den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Mehrere Menschen wurden angefahren, mehrere Buden zerstört. Danach fuhr der inzwischen demolierte Lkw zurück auf die Budapester Straße und kam dort zum Stehen.

Wie viele Opfer gibt es? Nach Polizeiangaben starben mindestens zwölf Menschen. Eines der Opfer soll der polnische Beifahrer sein, der offenbar erschossen wurde. Von den elf toten Weihnachtsmarktbesuchern sind inzwischen sechs identifiziert. Bei ihnen handelt es sich um deutsche Staatsbürger. Außerdem wurden fast 50 Menschen verletzt. 30 von ihnen sind schwer verletzt. Die übrigen seien "eher seelisch verletzt", so ein Polizeisprecher. Die Berliner Behörden schließen nicht aus, dass sich die Zahl der Todesopfer nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz noch erhöhen könnte. Derzeit befänden sich noch 14 Schwerverletzte in Berliner Krankenhäusern, sagte der Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, Christoph Lang.

War es ein Anschlag? Das war lange unklar. Am Morgen hieß es von der Polizei, dass der Lkw vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert worden sei. Später teilte sie mit, dass sie einen Terroranschlag vermute. Im Verlauf des Vormittags sprechen schließlich auch Innenminister Thomas de Maizière und Kanzlerin Angela Merkel von einem Anschlag. Auch Generalbundesanwalt Peter Frank geht von einem terroristischen Hintergrund aus. Am Abend nimmt die Terrormiliz Islamisch Staat den Angriff für sich in Anspruch. Das IS-Sprachrohr Amak meldet im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich.

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(Foto: dpa)

Wer saß im Lkw? Nach bisherigen Kenntnissen zwei Personen. Eine von ihnen wird von der Polizei tot im Fahrerhaus aufgefunden. Der Mann wird als polnischer Staatsbürger identifiziert und ist nach Angaben des Brandenburger Innenministers Karl-Heinz Schröter (SPD) vermutlich erschossen worden. Zunächst sieht es danach aus, dass der mutmaßliche Fahrer des Lastwagens kurz nach der Todesfahrt flieht und schließlich von der Polizei festgenommen wird. Seit dem frühen Dienstagabend ist der festgenommene Verdächtige wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Inzwischen sucht das Bundeskriminalamt öffentlich nach einem weiteren Verdächtigen. Im Auftrag des Generalbundesanwalts wurde der 24-jährige Tunesier Anis Amri zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben, teilte die Karlsruher Behörde mit.

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Woher kommt der Lkw? Der Lastwagen gehört einer polnischen Spedition und hat ein polnisches Kennzeichen. Nach Aussage des Spediteurs Ariel Zurawski hatte er seit 16 Uhr am Montag aber keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer - seinem Cousin. Der Lkw hat demnach Stahlgestelle aus Italien transportiert, die am Dienstag in Berlin entladen werden sollten. Bis dahin sollte der Lkw stehen bleiben. GPS-Daten ergeben nach Angaben der Firma jedoch, dass das Fahrzeug am Montag mehrmals gestartet wurde - ohne sich zu bewegen. "Es ist, als hätte jemand geübt, ihn zu fahren", sagte ein Mitarbeiter.

Wie geht es jetzt weiter? In der Nacht und wohl auch noch am Morgen wird der Ort des Geschehens vom Berliner Landeskriminalamt gemeinsam mit Gerichtsmedizinern untersucht. Das Gelände ist nach wie vor weiträumig abgesperrt. Der Lkw wurde von der Spurensicherung abgeholt.

Wer ermittelt? Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Auftrag des Generalbundesanwalts die Ermittlungen übernommen. "Der Generalbundesanwalt beim BGH hat ein Strafverfahren eingeleitet und das BKA mit den Ermittlungen beauftragt", teilten die Wiesbadener Kriminalbeamten auf Twitter mit. Die Bundesanwaltschaft ist für Straftaten zuständig, die die innere Sicherheit der Bundesrepublik betreffen, insbesondere Terrorismus.

An wen kann ich mich wenden? Die Polizei hat eine Personenauskunftstelle für Nachfragen und Hinweise eingerichtet. Sie ist unter folgender Nummer erreichbar: 030-54023111.

Wie ist die Sicherheitslage? Für Berliner und Besucher der Stadt bestehe keine Gefahr mehr, teilt die Polizei noch am Abend mit. "Die Situation ist sicher." Innenminister de Maizière sagte im ZDF, die Anschlagsgefahr in Deutschland sei nichts Neues. "Es gab eine hohe Gefahr, wir haben immer darauf hingewiesen." Es habe aber "nicht einen konkreten Hinweis auf einen Weihnachtsmarkt" gegeben. In Deutschland verstärkt die Polizei trotzdem vielerorts die Sicherheitsvorkehrungen auf Weihnachsmärkten. In der Hauptstadt sollen mehr Polizisten unterwegs sein. An großen Weihnachtsmärkten sollen Betonpoller die Zufahrten versperren., sagt Innensenator Andreas Geisel. Auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen verstärkte die Polizei ihre Sicherheitsmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten. BKA-Chef Holger Münch warnt indes vor möglichen Folge-Anschlägen. In zeitlicher Nähe zu einem solchen Anschlag sei mit "erheblichen weiteren Attentats-Risiko" zu rechnen, erklärt Münch.

Gibt es bereits Konsequenzen? Die Berliner Polizei verstärkt ihre Präsenz auf den Straßen der Hauptstadt. "Wir haben vorsorglich die Zahl der Streifen in Berlin erhöht", teilte die Polizei auf Twitter mit. Die Beamten sind demnach "wie in allen Bundesländern" mit Schutzwesten und Maschinenpistolen ausgestattet. Auch Hessen und NRW kündigten an, die Polizeipräsenz zu erhöhen. Stephan Mayer von der CSU forderte eine Sicherheitsprüfung für sämtliche Weihnachtsmärkte In Berlin blieben die Weihnachtsmärkte am Dienstag auf Bitten des Senats geschlossen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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