Politik

Viele Festnahmen in Belarus Demonstrierende Frauen hart angegangen

Frauen protestieren in Minsk gegen Lukaschenko und werden von vermummten Sicherheitskräften auseinandergezerrt.

Frauen protestieren in Minsk gegen Lukaschenko und werden von vermummten Sicherheitskräften auseinandergezerrt.

(Foto: via REUTERS)

Die Protestbewegung gegen Staatschef Lukaschenko wird auch von weiblichen Demonstranten geführt - sind zuvor vor allem Männer festgenommen worden, zeigen Sicherheitskräfte nun ein brutales Vorgehen gegen Frauen. So sollen Teilnehmerinnen mit Gewalt in Gefangenentransporter gezerrt worden sein.

Bei neuen Protesten Hunderter Frauen in Belarus gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko hat es am Samstag erneut viele Festnahmen gegeben. Videos zeigten, wie vermummte Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Minsk Frauen hart packten und in Gefangenentransporter zerrten. Die Uniformierten gingen teilweise brutal vor. Das unabhängige Nachrichtenportal tut.by schrieb von einem massiven Vorgehen gegen weibliche Demonstranten. Die Rede war zunächst von mehr als 30 Festnahmen.

Bislang hielten sich die Sicherheitskräfte gegenüber Frauen weitgehend zurück und nahmen überwiegend Männer fest. Deshalb beteiligten sich viele weibliche Demonstranten an den Aktionen. Zuletzt gerieten aber auch sie ins Visier der Beamten. Die Polizei hatte zuvor eindringlich vor einer Teilnahme gewarnt. Zu sehen war auch, wie Frauen einem Beamten eine Videokamera, mit der er die Proteste filmte, wegnahmen. Sie riefen "Uchadi" - "Geh weg!".

Die Zahl der Teilnehmer war zunächst nicht klar. Die Opposition hatte Frauen für diesen Samstag zu der Demonstration aufgerufen, um nach eigenen Angaben Lukaschenko zu zeigen, dass die Proteste in Belarus an Zulauf gewinnen. Bereits an den Samstagen zuvor beteiligten sich Tausende Frauen an den Demonstrationen.

Kolesnikowa in anderes Gefängnis verlegt

Vor den neuen Protesten in Belarus ist die inhaftierte Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa in ein anderes Gefängnis außerhalb der Hauptstadt Minsk gebracht worden. Die Gründe für die Verlegung nach Schodsina nordöstlich von Minsk hätten die Behörden nicht genannt, teilte die Opposition nun bei Twitter mit. Die 38-Jährige war am Montag in der Hauptstadt entführt und unter Androhung von physischer Gewalt aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Sie sollte in die Ukraine abgeschoben werden. Das hatte sie aber vereitelt, in dem sie kurz vor einem Grenzübergang ihren Pass zerrissen hatte. Kolesnikowa ist einer der wichtigsten Oppositionellen in dem Land. Sie lebte lange in Stuttgart.

In dem zwischen Russland und dem EU-Mitglied Polen gelegenen Land kommt es seit der Präsidentenwahl vor rund fünf Wochen täglich zu Protesten. Lukaschenko beansprucht den Wahlsieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für sich. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Gewinnerin. Die Wahl steht international wegen grober Fälschung in der Kritik.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa