Politik

"Bullshit" Der IS hat die Burka gar nicht verboten

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Burka, Niqab, Abaya - die Begriffe gehen meist wild durcheinander. Dieses Foto zeigt eine Frau mit Niqab (dem Gesichtsschleier) und Abaya (dem Mantel).

(Foto: dpa)

Vom Iran aus geht eine Meldung um die Welt: Der Islamische Staat verhängt in seiner Hochburg im Nordirak ein Burka-Verbot. Klingt spektakulär. Ist aber offenbar frei erfunden.

Islamfeinde waren begeistert: Die Terrormiliz Islamischer Staat verbietet in ihrem "Kalifat" die Burka. Grund sei, dass mehrere IS-Kämpfer von Burka-Trägerinnen getötet worden seien. "Was sagt dieses islamische Realsatirestück rückständiger Mordbuben über die geistige Leistung unserer Politiker aus?", fragte eine einschlägige deutsche Webseite. Die Botschaft: Wenn sogar islamistische Terroristen einsehen, dass die Burka gefährlich ist, muss die Bundesregierung verrückt sein, wenn sie kein solches Verbot beschließen lässt.

Das Problem ist nur, dass die Geschichte offenbar nicht stimmt. Das jedenfalls berichtet die US-Seite The Daily Beast.

Dem Daily Beast zufolge tauchte die Nachricht des Burka-Verbots in englischer Sprache zum ersten Mal auf der Nachrichtenseiten Iran Front Page auf (die Seite lässt sich aktuell nicht mehr öffnen; hier der Link). Dort hieß es am 4. September, der arabischsprachige und in Teheran ansässige Nachrichtensender Al-Alam News Network habe berichtet, dass der IS Frauen mit Niqab und Burka verboten habe, Einrichtungen der Sicherheitskräfte zu betreten.

Diese Anordnung sei erlassen worden, nachdem "einige vollverschleierte Frauen eine Anzahl von IS-Kommandeuren und -Mitgliedern im Laufe der letzten Monate getötet" hätten. Der iranische Auslandssender Press TV verbreitete diese Meldung am 5. September. Deutschsprachige Medien veröffentlichten entsprechende Artikel einen Tag später.

Press TV zufolge wurde das Burka-Verbot im nordirakischen Mossul ausgesprochen – in einer Stadt also, die überwiegend sunnitisch ist und seit zwei Jahren vom IS beherrscht wird. The Daily Beast zitiert die aus Mossul stammende Politologin Rasha Al Aqeedi mit den Worten, die Verbindung in den Iran hätte sofort Verdacht erregen müssen. "Warum sollte jemand in Mossul eine iranische Nachrichtenagentur kontaktieren?", fragte sie. Gemeint ist: Der Iran ist schiitisch; für sunnitische Gegner des IS wäre es plausibler, sich an kurdische oder arabische Medien zu wenden.

Zur Sicherheit fragte Al Aqeedi dem Artikel zufolge eine Freundin in Mossul, was an der Geschichte dran sei. Deren Antwort: Die Berichte über das Burka-Verbot seien "Bullshit".

Quelle: ntv.de, hvo

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