Politik

Trump-Bericht widerlegt? Der Iran kontert mit Drohnen-Videos

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Iranische Drohne gesichtet oder nicht: Der Radar des US-Kriegsschiffes USS Boxer.

(Foto: REUTERS)

Im Drohnenstreit an der Meerenge von Hormus steht Aussage gegen Aussage. Nun will Iran US-Präsident Trump der Lüge überführen. Videos sollen zeigen, dass es keinen Abschuss einer iranischen Drohne gab. Zugleich sendet Teheran zarte Dialogangebote nach Washington. Trump antwortet: Er habe keine Eile.

Der Iran hat Video-Aufnahmen präsentiert, um Berichte der USA über den Abschuss einer seiner Drohnen zu widerlegen. Die von den Revolutionsgarden im staatlichen Fernsehen veröffentlichten Aufnahmen zeigen Kriegsschiffe, die aus der Luft gefilmt wurden. Den Angaben des Senders zufolge belegt der Zeitstempel, dass die Bilder nach dem angeblichen Abschuss entstanden seien. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, ein US-Kriegsschiff habe eine iranische Drohne abgeschossen. Die Regierung in Teheran wies dies als falsch zurück.

Der US-Präsident und die iranische Führung gaben unvereinbare Schilderungen zu dem Vorfall. Trump sagte, die Drohne sei sofort zerstört worden, als sie sich in der Straße von Hormus dem Kriegsschiff "USS Boxer" näherte. "Das ist die neueste von vielen provokativen und feindlichen Aktionen Irans gegen Schiffe in internationalen Gewässern", sagte Trump. Die USA würden sich das Recht vorbehalten, ihre Einrichtungen und ihr Personal zu verteidigen. Er appellierte an "andere Länder, ihre Schiffe bei der Durchfahrt der Meerenge zu beschützen und künftig mit uns zusammenzuarbeiten". Videos oder Fotos legten die US-Behörden nicht vor.

Der iranische Armeesprecher Abdolfasl Schekarschi sprach von "unbegründeten Behauptungen", Vize-Außenminister Abbas Araktschi mutmaßte, die USA könnten "irrtümlich" ihr eigenes Fluggerät abgeschossen haben. Regierung und Armee in Teheran erklärten, es werde keine Drohne vermisst.

Iran wirft strengere Kontrollen in die Waagschale

Zugleich gab es auch Signale der Verhandlungsbereitschaft zwischen dem Iran und den USA. Der britische "Guardian" berichtete, Außenminister Sarif habe in Aussicht gestellt, striktere Kontrollen des iranischen Atomprogramms zuzulassen. Im Gegenzug wolle der Iran eine Aufhebung von US-Sanktionen.

Trump sagte, der Druck auf Teheran habe Wirkung gezeigt und die Verhandlungsbereitschaft der iranischen Führung wachsen lassen. "Alles, was wir wollen, ist ein fairer Deal." Das mit dem Iran ausgehandelte internationale Atomabkommen sei ein "schlechter Deal" gewesen. "Wir können schnell etwas machen, oder wir können uns Zeit lassen", sagte Trump. "Ich habe keine Eile."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Man kann nicht ohne Sorge in diese Region schauen." Sie halte es für "sinnvoll", dass der Iran seine Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen auch weiterhin einhalte. Damit könne Teheran "ein Zeichen guten Willens an die Staatengemeinschaft senden". Es gebe "guten Anlass, über das Abkommen hinaus" mit Teheran Gespräche zu führen, zumal die Bundesregierung "vieles, was der Iran macht, sehr, sehr kritisch" sehe. Jede Möglichkeit diplomatischer Kontakte sollte gesucht werden, ergänzte Merkel. Darüber habe sie auch mit Trump gesprochen.

Gibraltar: Iranischer Öltanker bleibt festgesetzt

Seit dem Ausstieg Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion verschärft. Ende Juni hatte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus fast zu einer militärischen Konfrontation geführt. Trump stoppte nach eigenen Angaben erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff.

Der Anfang Juli in Gibraltar aufgebrachte iranische Öltanker "Grace 1" wird aus dem britischen Überseegebiet weiter nicht auslaufen können. Der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschloss am Freitag, den Tanker für weitere 30 Tage festzusetzen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Behörden von Gibraltar verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen. Der Öltanker wurde am 4. Juli beschlagnahmt.

Teheran hatte die Beschuldigungen Gibraltars zurückgewiesen und von einem Akt der "Piraterie" gesprochen. Der Tanker hat rund zwei Millionen Liter Öl an Bord. Die Behörden in Gibraltar nahmen vier indische Besatzungsmitglieder des Tankers für Verhöre vorübergehend fest, setzten sie aber am 12. Juli ohne Anklageerhebung wieder auf freien Fuß.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie im Persischen Golf den Tanker "Riah" festsetzten, der unter der Flagge Panamas fährt. Zuvor hatte es mehrere Angriffe auf Tanker in der Region gegeben, für die Washington den Iran verantwortlich machte. Teheran wies bislang jede Verantwortung daran zurück.

 

Quelle: ntv.de, mau/rts/AFP

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