Politik
Trumps neuer Mann in Berlin: Richard Grenell.
Trumps neuer Mann in Berlin: Richard Grenell.(Foto: AP)
Dienstag, 08. Mai 2018

Richard Grenell: Deshalb polarisiert der neue US-Botschafter

Von Christian Rothenberg

Nicht nur bei den US-Demokraten, auch bei deutschen Parteien gibt es Vorbehalte gegen den Mann, den Donald Trump als neuen Botschafter nach Berlin schickt. Warum Richard Grenell so polarisiert.

Mehr als 15 Monate hatten die USA keinen Botschafter in Deutschland, jetzt haben sie wieder einen. Richard Grenell heißt der Neue und folgt auf John Emerson, der im Januar 2017 von Donald Trump entlassen wurde. Heute wird er in Berlin vom Bundespräsidenten offiziell akkreditiert. Grenell hat seine Arbeit kaum begonnen und polarisiert bereits. Vor allem Politiker von SPD und Grünen kritisieren seine Berufung. Warum ist der 51-Jährige so umstritten?

Nachdem Trump Grenell im September ernannt hatte, zog sich die Bestätigung im US-Senat mehrere Monate lang hin, weil die Demokraten sich gegen den Kandidaten sperrten. Sie werfen Grenell frauenfeindliche Kommentare vor. Er soll sich in der Vergangenheit unter anderem abfällig über Hillary Clinton, Michelle Obama und andere Frauen geäußert haben. Eine lesbische TV-Moderatorin verglich er mit dem Sänger Justin Bieber, Clinton sähe aus wie - die wesentlich ältere - Madeleine Albright.

Politiker der Demokraten haben deshalb erhebliche Bedenken, ob Grenell für den Diplomaten-Job geeignet ist. Sie zweifeln daran, dass er das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt. Der demokratische Senator Bob Menendez erklärte im Plenum des Senats: "Wird er diese Dinge auch tun, wenn er bestätigt ist und nach Deutschland geht? Wird er über seinen Twitter-Account die Kanzlerin von Deutschland beleidigen? Ich weiß nicht. Ich hoffe nicht."

Grenell ist ein leidenschaftlicher Twitterer. Über seinen Account hat er schon mehr als 73.000 Kurznachrichten abgesetzt. Wie der US-Präsident ist er dabei berüchtigt für den teilweise aggressiven Tonfall. Viele der umstrittenen Tweets, um die es auch bei der Anhörung im Senat ging, hat er inzwischen gelöscht. Zu den Vorwürfen erklärte er: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sehr feinfühlig bin." Die umstrittenen Tweets seien lustig gemeint, aber falsch verstanden worden.

"Er ist ein großartiger und talentierter Typ"

Auch in Richtung Deutschland fuhr Grenell bereits seine Krallen aus. Er kritisierte, dass die Bundesrepublik sich zuletzt nicht an den Militärschlägen in Syrien beteiligen wollte. Vor einigen Wochen forderte er, Deutschland müsse eine alte Vereinbarung aus dem Jahr 2000 respektieren. Damals sei zugesagt worden, 2019 nicht für den Uno-Sicherheitsrat zu kandidieren. Auch verlangte er, die Bundesregierung müsse Europa im Vorgehen gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran anführen. Ähnlich wie Trump will Grenell eine andere deutsche Außenpolitik - vor allem in Form deutlich höherer Verteidigungsausgaben und einer besser ausgerüsteten Bundeswehr.

Grenell ist kein Durchschnitts-Republikaner. Er bekennt sich seit Langem öffentlich zu seiner Homosexualität und tritt für die Homo-Ehe ein. Er hat einen Havard-Abschluss in Politikwissenschaften und besitzt eine PR-Firma. Zwischen 2001 und 2008 war Grenell Sprecher für vier Uno-Botschafter des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, unter anderem von John Bolton, der inzwischen Trumps Sicherheitsberater ist. Auch für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitch Romney war er 2012 kurzzeitig tätig. Grenell unterstützte Trump bereits im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Zuletzt verteidigte er den Präsidenten gegen die - aus seiner Sicht "aufgeblasenen" - Russland-Ermittlungen.

Trump hat offenbar keine Zweifel an Grenells Fähigkeiten. Bei Twitter wünschte er ihm gestern viel Erfolg für seine neue Aufgabe in Berlin. "Er ist ein großartiger und talentierter Typ, er wird unser Land gut vertreten!". Auch mit einem deutschen Kabinettsmitglied versteht sich Grenell prächtig. Vor einigen Wochen gratulierte er dem neuen Gesundheitsminister Jens Spahn bei Twitter zu seinem neuen Amt. Als dieser ihn nun zum Botschafterjob beglückwünschte, erwiderte Grenell: "Danke, Jens. Bis bald!"

Quelle: n-tv.de