Politik

Gefahr für den Weltfrieden Deutsche sehen USA als Bedrohung

"German Angst" ist in der englischen Sprache als geflügeltes Wort verbreitet. Dass sich die Deutschen vor verschiedenen Entwicklungen fürchten und zögern, ist also nichts Neues. Doch wen oder was die Bundesbürger als Risiko wahrnehmen, dürfte viele Amerikaner überraschen.

Die USA sind nach Ansicht der Deutschen die größte Bedrohung für den Frieden. Das ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Centrums für Strategie und Höhere Führung in Köln. Die Umfrage für den "Sicherheitsreport 2019" zeigte auch, dass die Deutschen sich die größten Sorgen um ihre Pflegebedürftigkeit im Alter und drohender Altersarmut machen.

Insgesamt aber ergab die seit 2011 jährlich durchgeführte Umfrage, dass wirtschaftliche Sorgen im Abwärtstrend sind und die Angst vor dem Terror abgenommen hat. Die Sorgen über die Entwicklung der Gesellschaft und der weltweiten Spannungen sind demnach ausgeprägter als die Sorgen in Bezug auf die persönliche Zukunft, schreiben die Autoren der Studie.

"Die Bürger beurteilen zurzeit ihre persönliche Situation weitaus positiver als die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt und der Weltlage", sagte Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach. "Diese Kluft wird immer auffälliger."

Besonders auffällig ist die "traurige Karriere", die die USA im Ansehen der Deutschen gemacht haben, sagte Klaus Schweinsberg vom Centrum für Strategie und Höhere Führung. So waren 56 Prozent der zwischen dem 5. und 17. Januar befragten 1249 Deutschen der Überzeugung, dass die USA die größte Bedrohung sind, nach 40 Prozent im vergangenen Jahr und 14 Prozent 2014. "Für die Bundesbürger gibt es einen zentralen Unsicherheitsfaktor, der ihnen Angst macht. Und der heißt USA unter der Führung von Donald Trump", sagte Schweinsberg.

Die Gesellschaft soll zusammenbleiben

Die zweithöchste Gefahr sehen die Befragten in Nordkorea (45 Prozent), gefolgt von der Türkei (42 Prozent) und Russland (41 Prozent). Auch sieht eine klare Mehrheit (62 Prozent) das Verhalten bestimmter Staatschefs als größtes Risiko für die Stabilität in der Welt - noch vor militärischen Konflikten (52 Prozent) und dem Klimawandel (43 Prozent).

Bedrohungsgefühle aus dem Themenbereich der inneren Sicherheit sind dagegen rückläufig. Insbesondere über Terroranschläge machen sich Deutsche weniger Sorgen als in den vergangenen drei Jahren. So fühlen sich 61 Prozent der Befragten in Deutschland sicher und nur jeder Fünfte unsicher. Große Sorge bereitet den Bundesbürgern allerdings, dass die Lage in Europa und der Welt in ihrer Wahrnehmung immer unberechenbarer wird sowie Gewalt und Kriminalität zunehmen.

Ausreichende Renten sind für die große Mehrheit der Bevölkerung ein Thema. Die gegenwärtige Debatte um die Einführung einer Grundrente für Geringverdiener werde daher mit Wohlwollen verfolgt, heißt es. Die deutsche Bevölkerung "will, dass die Gesellschaft zusammenbleibt. Sie will nicht, dass eine Schicht abfällt, zurückbleibt", sagte Köcher. Dieser Wunsch ziehe sich quer durch alle Schichten in Deutschland, anders als in den USA.

Menschen im Osten fühlen sich unsicherer

Persönlich fühlen sich Menschen der Studie zufolge am ehesten von Pflegebedürftigkeit im Alter und Demenz bedroht - 40 Prozent gaben an, große Sorgen davor zu haben. Etwas mehr als jeder Dritte sieht sich auch von Altersarmut und lebensbedrohlichen Krankheiten wie Krebs bedroht. Entsprechend will eine klare Mehrheit, dass der Staat in diesen Belangen mehr Geld ausgibt - konkret fürs Gesundheitswesen (70 Prozent), für die Unterstützung von Familien (69 Prozent) und für Renten (65 Prozent).

Auch im Bereich Bildung wollen 76 Prozent eine bessere Ausstattung von Schulen. Eine Mehrheit sieht zudem mehr Investitionsbedarf bei der Polizeiausstattung, beim Umweltschutz, beim Erhalt und Ausbau von Straßen und Bahnstrecken sowie bei öffentlichen Einrichtungen wie etwa Schwimmbädern und Büchereien.

Rund jeder Dritte gab schließlich an, er fühle sich an seinem Wohnort derzeit unsicherer als noch vor fünf Jahren. Menschen im Osten fühlten sich dabei unsicherer als Menschen im Westen. Knapp jeder Dritte fürchtet sich auch vor Terroranschlägen - diese Angst hat jedoch seit einem Anstieg 2016 nach einigen islamistischen Anschlägen in Europa stetig abgenommen.

Quelle: n-tv.de, fzö/DJ/dpa

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