Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Deutsche unzufrieden, aber kaum protestbereit

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Am Montag protestierten in Leipzig ein paar Tausend linke und ebenso viele rechte Demonstranten getrennt gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung.

(Foto: REUTERS)

Nur zwei Prozent der Deutschen glauben, dass die von der Bundesregierung geplanten Entlastungsmaßnahmen ihre eigene finanzielle Lage verbessern. Zugleich sagen neun Prozent, dass sie sich auf jeden Fall an Protesten beteiligen wollen.

Für das Trendbarometer von RTL und ntv hat Forsa Daten darüber erhoben, wie die von der Bundesregierung geplanten Entlastungsmaßnahmen bei den Deutschen ankommen. Ein Ergebnis: 50 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung auch denjenigen in der Mitte der Gesellschaft helfen, die einer normalen Beschäftigung nachgehen. 35 Prozent haben den Eindruck, dass die Entlastungsmaßnahmen - wie mitunter kritisiert wird - in erster Linie kleineren Randgruppen der Bevölkerung zugutekommen.

Dass sich ihre eigene finanzielle Lage durch die Entlastungsmaßnahmen der Regierung wesentlich verbessern wird, glauben aber lediglich 2 Prozent der Deutschen. 24 Prozent - am ehesten die Anhängerinnen und Anhänger der drei Ampelparteien - gehen davon aus, dass die Maßnahmen ihre finanzielle Lage etwas verbessern werden. 71 Prozent - quer durch alle Einkommensgruppen - erwarten hingegen, dass sich ihre finanzielle Situation dadurch so gut wie gar nicht verbessern wird.

Nur 7 Prozent der Bundesbürger geben an, dass ihr Vertrauen zur Politik und zu den Politikern in der Energiekrise größer geworden ist als zu Beginn der Corona-Krise. Bei 44 Prozent ist hingegen ihr Vertrauen in die Politik und die Politiker gesunken. 49 Prozent geben an, ihr Vertrauen habe sich nicht geändert.

Protestpotenzial im einstelligen Bereich

Manche rechnen damit, dass es angesichts der Engpässe bei der Energieversorgung und der steigenden Preise in den kommenden Wochen zu vermehrten Protesten der Bürgerinnen und Bürger kommen könnte. Trotz des aktuell durchaus vorhandenen Unmuts über die Politik hat die große Mehrheit von drei Vierteln der Bundesbürger (76 Prozent) allerdings bislang noch nicht einmal darüber nachgedacht, an solchen Protesten teilzunehmen.

24 Prozent haben schon einmal über eine Teilnahme an möglichen Protesten nachgedacht. Auf jeden Fall beteiligen wollen sich an möglichen Protesten nach eigenen Angaben 9 Prozent aller Befragten. Bei diesem Wert ist allerdings zu beachten, dass erfahrungsgemäß nur ein Teil derer, die dies in Umfragen angibt, sich schließlich auch tatsächlich an Protesten beteiligt.

Wählerpotenzial für AfD gering

Die einzige Gruppe, die mehrheitlich schon einmal über die Teilnahme an Protesten gegen die Energiekrise und die steigenden Preise nachgedacht hat, sind die Anhänger der AfD (56 Prozent). Sie äußern auch am häufigsten die Absicht, sich "auf jeden Fall" (30 Prozent) an möglichen Protesten beteiligen zu wollen.

Noch geringer ausgeprägt als die Bereitschaft zur Teilnahme an Protesten ist derzeit die Bereitschaft zu einer grundlegenden Änderung des eigenen Wahlverhaltens. Von allen Wahlberechtigten, die zurzeit nicht die AfD wählen, geben insgesamt 3 Prozent an, dieser Partei bei einer der nächsten Wahlen aus Protest ihre Stimme geben zu wollen. 10 Prozent wollen nach eigenen Angaben bei einer der nächsten Wahlen gar nicht wählen. Die große Mehrheit von 87 Prozent will hingegen ihr Wahlverhalten nicht grundsätzlich ändern.

Mehrheit hält Maßnahmen für widersprüchlich

Einen Überblick über die verschiedenen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung haben nach eigenen Angaben noch 30 Prozent der Deutschen. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) geben an, diesbezüglich nicht mehr durchzublicken. Diese Ansicht teilt auch eine Mehrheit der Anhänger von SPD, Grünen und FDP.

Nur 14 Prozent der Bundesbürger haben den Eindruck, dass die verschiedenen Entlastungsmaßnahmen alles in allem aufeinander abgestimmt sind. Eine große Mehrheit von 77 Prozent - quer durch alle politischen Lager - meint dagegen, vieles davon sei widersprüchlich.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland am 2. und 5. September erhoben. Datenbasis: 1007 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zu Forsa hier

Forsa-Umfragen im Auftrag von RTL Deutschland

Quelle: ntv.de, hvo

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