Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Deutsche vertrauen Merkel, Söder, Baerbock

Union und SPD können im Trendbarometer um jeweils einen Prozentpunkt zulegen, wie die FDP verlieren auch die Grünen einen Punkt. Im Vertrauensranking hat die Kanzlerkandidatin der Grünen allerdings deutlich aufgeholt.

Die politische Stimmung in Deutschland bleibt stabil. Wäre jetzt Bundestagswahl, könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: Grüne 27 Prozent (Bundestagswahl 2017: 8,9), CDU/CSU 24 Prozent (32,9), SPD 15 Prozent (20,5), FDP 11 Prozent (10,7), AfD 10 Prozent (12,6), Linke 6 Prozent (9,2). 7 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2). Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen entspricht mit 24 Prozent dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8).

Im Vergleich zur Vorwoche ist das für die Union ein Zugewinn von einem Prozentpunkt. Auch die SPD legt um einen Punkt zu. Grüne und FDP geben je einen Punkt ab.

Umgerechnet in Sitzen können lediglich die Grünen gegenüber der Bundestagswahl 2017 mit nennenswerten Gewinnen rechnen. 719 Abgeordnete würden ins Parlament einziehen, mit folgender Sitzverteilung: Grüne 208, CDU/CSU 188, SPD 115, FDP 85, AfD 77, Linke 46. Die Grünen würden 141, die FDP 5 Mandate hinzugewinnen. Die übrigen Parteien müssen mit Mandats-Verlusten rechnen. Eine regierungsfähige Mehrheit hätten derzeit Grün-Schwarz (396 Mandate), eine Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP (408 Mandate), Grün-Rot-Rot (369 Mandate) sowie CDU/CSU, SPD und FDP (388 Mandate).

Merkel bleibt Spitze, obwohl sie nicht mehr antritt

Für das Trendbarometer hat Forsa außerdem gefragt, bei wem die Deutschen das Land "in guten Händen" sehen. Ihre Einschätzung konnten die Befragten mit Werten von 0 ("ist überhaupt nicht in guten Händen") bis 100 ("ist voll und ganz in guten Händen") abgeben. Das mit Abstand größte Vertrauen haben die Bürger nach wie vor zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bei der kommenden Wahl nicht mehr antritt. Die Kanzlerin kommt auf 63 Punkte. Ihr folgt, mit 53 Punkten, CSU-Chef Markus Söder.

Von den Kanzlerkandidaten konnte nur Grünen-Chefin Annalena Baerbock profitieren: Sie gewann sechs Punkte und rangiert jetzt mit 51 Punkten auf dem dritten Platz des Rankings. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kommt auf 42 Punkte (minus 2), Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat unverändert 37 Punkte.

Außer Scholz hat Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow nennenswert an Vertrauen verloren (minus 4 Punkte). Außer Baerbock haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU und FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki (jeweils plus 2 Punkte) sowie der CDU-Politiker Friedrich Merz (plus 5) Vertrauen gewonnen. Am Ende des Rankings liegt SPD-Chefin Saskia Esken punktgleich mit Linken-Chefin Janine Wissler, unterboten nur von Hennig-Wellsow und den AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel.

Politiker-Ranking im Mai 2021

  • Angela Merkel: 63 (-1)
  • Markus Söder: 53 (+1)
  • Annalena Baerbock: 51 (+6)
  • Robert Habeck: 46 (-1)
  • Olaf Scholz: 42 (-2)
  • Armin Laschet: 37 (0)
  • Jens Spahn: 36 (+2)
  • Wolfgang Kubicki: 34 (+2)
  • Friedrich Merz: 34 (+5)
  • Peter Altmaier: 32 (0)
  • Christian Lindner: 31 (0)
  • Kevin Kühnert: 28 (0)
  • Norbert Walter-Borjans: 28 (+1)
  • Saskia Esken: 22 (-1)
  • Janine Wissler: 22 (+1)
  • Susanne Henning-Wellsow: 18 (-4)
  • Tino Chrupalla: 9 (–)
  • Alice Weidel: 8 (–)

In Klammern Veränderung gegenüber März 2021. Bewertung anhand einer Skala von 0 bis 100; dargestellt ist jeweils der Mittelwert.

Auch die eigenen Anhänger schenken am ehesten Angela Merkel (83 von 100 möglichen Punkten) und Markus Söder (82 Punkte) ihr Vertrauen. Direkt dahinter, mit einem Plus von acht Punkten, liegt jetzt Annalena Baerbock mit 79 Punkten.

Die Unions-Anhänger bringen nur Merkel und Söder überdurchschnittliches Vertrauen entgegen - alle anderen Unions-Vertreter, auch Kanzlerkandidat Armin Laschet, liegen unter dem Durchschnitt aller Politiker im Ranking. Das gilt auch für Friedrich Merz, obwohl der in der eigenen Anhängerschaft zehn Punkte gutmachen konnte.

Außer für Olaf Scholz liegt das Vertrauen der SPD-Anhänger zu den übrigen SPD-Vertretern unter dem Durchschnittswert für alle abgefragten Politiker. Saskia Esken kommt bei den SPD-Anhängern auf einen Vertrauenswert von 38 - das ist der niedrigste Wert, den ein Politiker in der eigenen Anhängerschaft erzielt.

Überdurchschnittliches Vertrauen haben die Anhänger der Grünen zu ihren beiden Spitzenleuten Baerbock und Habeck.

Politiker-Ranking bei den jeweils eigenen Anhängerinnen und Anhängern im Mai 2021

  • Angela Merkel: 83 (-1)
  • Markus Söder: 82 (-2)
  • Annalena Baerbock: 79 (+8)
  • Robert Habeck: 69 (-2)
  • Olaf Scholz: 74 (+2)
  • Armin Laschet: 56 (+1)
  • Jens Spahn: 51 (+1)
  • Wolfgang Kubicki: 56 (0)
  • Friedrich Merz: 51 (+10)
  • Peter Altmaier: 48 (0)
  • Christian Lindner: 68 (-1)
  • Kevin Kühnert: 43 (-1)
  • Norbert Walter-Borjans: 45 (0)
  • Saskia Esken: 38 (-1)
  • Janine Wissler: 53 (-3)
  • Susanne Henning-Wellsow: 50 (-6)
  • Tino Chrupalla: 50 (–)
  • Alice Weidel: 64 (–)

In Klammern Veränderung gegenüber März 2021. Bewertung anhand einer Skala von 0 bis 100; dargestellt ist jeweils der Mittelwert.

Wem Frauen vertrauen - und wem nicht

Frauen haben zu den meisten Politikerinnen und Politikern größeres Vertrauen als Männer. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Angela Merkel und Annalena Baerbock: Merkel erhält von Frauen 67 und von Männern 59 Vertrauenspunkte, Baerbock kommt bei Frauen auf 54 und bei Männern auf 48 Vertrauenspunkte.

Nur fünf Politikern vertrauen Frauen weniger als Männer: Friedrich Merz, Christian Lindner, Wolfgang Kubicki, Tino Chrupalla und Alice Weidel. Diese fünf genießen bei den überwiegend männlichen AfD-Anhängern, die im Unterschied zu den Anhängern aller übrigen Parteien den meisten Politikern misstrauen, hohes Ansehen. Friedrich Merz ist nach der AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, der Politiker, dem AfD-Anhänger am stärksten vertrauen.

Laschet, Lindner und Merz Verlierer der Corona-Krise

Während zu Beginn der Corona-Pandemie das Vertrauen zu vielen politischen Akteuren stark angestiegen war, bröckelte die Einschätzung, dass das Land bei den Politikern "in guten Händen" sei, im Verlauf der Krise wieder. Im Vergleich zu Anfang 2020, zur Vor-Corona-Zeit, ist das Vertrauen nur zu zwei Politikerinnen und einem Politiker größer geworden: zu Angela Merkel (plus 4 Punkte), Annalena Baerbock (plus 9 Punkte) und Markus Söder (plus 11 Punkte). Die größten Vertrauensverluste haben in dieser Zeit Armin Laschet (minus 9), Christian Lindner und Friedrich Merz (jeweils minus 7). Olaf Scholz und Robert Habeck haben je 4 Punkte verloren.

Wer vertraut den Kanzlerkandidaten? Bei Armin Laschet, der im Durchschnitt aller Befragten auf 37 Vertrauenspunkte kommt, zeigen sich weder in den Altersgruppen noch in den politischen Eingruppierungen wesentliche Unterschiede; lediglich in Nordrhein-Westfalen ist das Vertrauen zu ihm etwas größer (43 Punkte) als im Rest der Republik.

Ähnlich ist es bei Olaf Scholz. Über seinem Wert von 42 Punkten liegt er am deutlichsten bei den über 60-Jährigen und bei denen, die sich selbst als politisch links einordnen. Den geringsten Wert mit 31 Punkten hat Scholz im rechten Spektrum. Bei Annalena Baerbock (Punktedurchschnitt 51) hingegen sind die Unterschiede deutlicher. Ostdeutsche haben weniger Vertrauen zu ihr als Westdeutsche. Frauen trauen ihr eher als Männer, Jüngere eher als Ältere, und das stärkste Vertrauen hat sie mit 67 Punkten im linken Spektrum. Am wenigsten Vertrauen haben die Befragten im rechten Spektrum zu der Grünen (25 Punkte).

Die Daten zu Partei- und Kanzlerpräferenzen wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL vom 4. bis 10. Mai 2021 erhoben. Datenbasis: 2501 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/-2,5 Prozentpunkte. Die Daten zum Politiker-Ranking wurden vom 5. bis 7. Mai 2021 erhoben. Datenbasis: 1514 Wahlberechtigte.

Quelle: ntv.de, hvo

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