Politik

WWF fordert Milliarden-Zahlungen Deutschland soll Klima-Hilfe leisten

42502536.jpg

Deutschland soll anderen Ländern helfen, ihre Emissionen zu senken - mit Milliardenzahlungen, fordert der WWF.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil hierzulande schon so viel CO2 ausgestoßen wurde, soll Deutschland künftig ärmeren Ländern helfen, weniger Abgase auszustoßen. Das fordert der WWF und möchte, dass der künftige Finanzminister dafür die Schatulle öffnet.

Deutschland muss aus Sicht der Umweltschutzorganisation WWF Schwellen- und Entwicklungsländer jährlich mit Milliardenbeträgen beim Aufbau klimaneutraler Infrastruktur unterstützen. Das deutsche CO2-Emissionsbudget gemäß dem 1,5-Grad-Ziel werde bereits in wenigen Jahren ausgeschöpft sein, sagte der Klimaexperte Felix Matthes vom Öko-Institut bei der Vorstellung einer neuen Studie im Auftrag des WWF in Berlin. Deshalb müsse Deutschland Finanztransfers an Länder leisten, in denen die CO2-Emissionen noch niedrig seien.

Anzeige

Deutschland sei "historisch wie aktuell ein Schwergewicht unter den Verursachern der Klimakrise" und beanspruche weit mehr als seinen "fairen Anteil" am globalen CO2-Restbudget", sagte WWF-Klimaexpertin Viviane Raddatz. Dieser Entwicklung könne nur entgegengewirkt werden, "indem Deutschland zusätzlich viel mehr Geld für noch schnelleren Klimaschutz in anderen Ländern bereitstellt".

Matthes verwies auf den sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC, nach dem von 2020 ausgehend weltweit noch 400 Milliarden bis 1150 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden können, bevor der globale Temperaturanstieg auf über 1,5 Grad beziehungsweise zwei Grad steigt. Laut Matthes verblieben Deutschland Anfang dieses Jahres noch Emissionen von 2,6 Milliarden Tonnen, um auf dem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben und sechs Milliarden Tonnen CO2, wenn eine Zielmarke von 1,7 Grad zugrunde gelegt wird. Dieser Wert werde bis 2030 allerdings deutlich um 4,9 Milliarden beziehungsweise 1,6 Milliarden Tonnen überschritten werden.

8 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr

Einen Ausweg aus dem Dilemma böte die Finanzierung für Länder, "die den Einstieg in CO2-intensive Infrastrukturen noch vermeiden und gegebenenfalls ihre Emissionsbudgets nicht ausschöpfen könnten", sagte Matthes. Zwar seien die Möglichkeiten eines grenzüberschreitenden Ausgleichs CO2-intensiver Emissionen begrenzt, doch gebe es "eine ganze Reihe an sehr bevölkerungsreichen Ländern", in denen die CO2-Budgets nicht ausgeschöpft werden könnten. Als Beispiele nannte er Indien, Indonesien und einige lateinamerikanische Länder.

Mit Blick auf das 1,5-Grad-Ziel würden sich laut Matthes "Transfer-Notwendigkeiten" für Deutschland von 8 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr ergeben, um Schwellen- und Entwicklungsländer beim Aufbau emissionsarmer Infrastrukturen zu unterstützen. Bei einer Orientierung an der 1,7-Grad-Schwelle wären es demnach drei bis fünf Milliarden Euro jährlich. "Das sind signifikante Finanztransfers, die sind aber nicht Science Fiction", betonte Matthes. In ihrer Größenordnung seien diese Summen vergleichbar mit anderen Klimaschutzmaßnahmen.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen