Politik
Die Hamburger CDU konnte mit ihrem Spitzenkandidaten Dietrich Wersich nur 16 Prozent der Wähler überzeugen.
Die Hamburger CDU konnte mit ihrem Spitzenkandidaten Dietrich Wersich nur 16 Prozent der Wähler überzeugen.(Foto: dpa)
Sonntag, 15. Februar 2015

Historische Niederlage in Hamburg: Die CDU wird den Großstadtfluch nicht los

Bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg fahren die Christdemokraten das historisch schlechteste Ergebnis in der Elb-Metropole ein. Wieder einmal wird deutlich: In den meisten Großstädten der Republik ist für die CDU derzeit nichts zu holen.

Von einem Großstadtfluch ist bereits die Rede. Und ein wirksames Gegenmittel schien die CDU auch bei der Wahl in Hamburg nicht in der Hand gehabt zu haben. Gerade einmal 16 Prozent erhielt sie nach der ersten Prognose kurz nach Schließung der Wahllokale. Sie liegt damit noch unter ihrem historisch schlechten Bürgerschaftswahl-Ergebnis von 21,9 Prozent aus dem Jahr 2011. Dabei fuhr die CDU in der Hansestadt noch vor einigen Jahren unter ihrem Bürgermeister Ole von Beust Ergebnisse von bis zu 47,2 Prozent ein.

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Nicht nur an der Elbe, auch in anderen deutschen Metropolen tun sich die Christdemokraten derzeit schwer. Erkannt hat die CDU das Problem, es gibt Diskussionen, Papiere und seit dem Sommer 2014 auch den Großstadtbeauftragten der Unionsfraktion: den Berliner Bundestagsabgeordneten Kai Wegner. Er soll Wege aufzeigen, wie seine Partei wieder im urbanen Milieu punkten kann.

Noch im Januar veröffentlichte die CDU mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Hamburg und Bremen ein zehnseitiges Papier zur Großstadtpolitik. Kostenloses WLAN wird darin gefordert, bezahlbare Mieten, moderne Verkehrssysteme sowie besserer Schutz vor Kriminalität. Für entscheidend aber halten viele in der Union die Personalfrage. "Wir brauchen Kandidaten, die über die richtigen Kompetenzen verfügen, das großstädtische Lebensgefühl verkörpern und über die eigenen Anhänger hinaus die Menschen begeistern", heißt es in dem Papier. Und ausdrücklich wird hinzugefügt: "Dazu müssen wir auch noch offener für geeignete Quereinsteiger sein."

Bürgermeisterposten gehen meist an die SPD

Im Juni hatte die CDU in Düsseldorf den Bürgermeisterposten an die SPD verloren - es war die letzte der zehn größten Städte, in denen sie noch regiert hatte. In Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bremen sind SPD-Politiker die Chefs im Rathaus, in Stuttgart ist es der Grünen-Politiker Fritz Kuhn.

Dresden als elftgrößte deutsche Stadt wird von der CDU regiert. Da Oberbürgermeisterin Helma Orosz das Amt demnächst aus gesundheitlichen Gründen aufgibt, steht Anfang Juni hier die Neuwahl an - bei der es für die CDU darum geht, den Chefsessel zu verteidigen. Die nächstgrößeren Städte Leipzig, Hannover, Nürnberg, Duisburg und Bochum werden von der SPD regiert.

Da die meisten derzeitigen SPD-Oberhäupter in den Großstädten noch für längere Zeit im Amt sind, wird für die CDU/CSU im Jahr 2015 nicht viel zu holen sein. In Bremen, wo am 10. Mai die Bürgerschaft neu gewählt wird, steht die CDU traditionell ohnehin eher schlecht da. Und auch bei der Oberbürgermeisterwahl im September in Köln kann die CDU allenfalls auf einen indirekten Erfolg hoffen, denn sie schickt keinen eigenen Kandidaten ins Rennen. Die von der CDU unterstützte Kandidatin Henriette Reker ist parteilos - und tritt auch für Grüne und FDP an.

Quelle: n-tv.de