Politik

Trump, Putin und das Entsetzen Die USA erwachen mit dem "Verrat"

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Die Titelseite der "Daily News"

Am Tag nach Donald Trumps Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin attackieren die US-amerikanischen Medien ihren Staatschef heftig. Selbst der Lieblingssender des Präsidenten greift plötzlich an.

Die New Yorker "Daily News" treiben es am weitesten: "Offener Verrat" steht in fetten schwarzen Lettern auf der aktuellen Titelseite. Darunter eine Karikatur: Donald Trump steht händchenhaltend mit einem lächelnden Wladimir Putin auf der Fifth Avenue. In seiner freien Hand hält Trump einen Revolver - und erschießt Uncle Sam, die personifizierten Vereinigten Staaten.

Die Aufmachung ist eine Anspielung auf eine Aussage Trumps aus Wahlkampfzeiten. Damals kolportierte der angehende US-Präsident, dass seine Anhänger ihn selbst dann wählen würden, wenn er jemanden auf der Fifth Avenue, der bekanntesten Straße New Yorks, erschießen würde. Und genau das hat Trump in der Lesart der "Daily News" im übertragenen Sinne durch sein Treffen mit Putin jetzt mit der US-amerikanischen Nation gemacht.

Wenn die Bürger in den USA heute ihre Morgenlektüre beginnen, treffen sie auf nüchternen Magen auf ungewohnt scharfe Schlagzeilen. Von "Entsetzen" in der Medienlandschaft zu sprechen, ist wohl keine Übertreibung.

Die "New York Post" zeigt, wie Trump Putin bei ihrem Gipfel in Helsinki am Montag mustert. "SEHE NICHTS BÖSES", steht unter dem Foto - ganz im Stile von Trumps orthografisch kreativen Twitter-Nachrichten. Das Blatt witzelt: "Pres. umarmt den großen Bären, den gemeinen BFF VLAD." Dabei steht "BFF" für "Best Friend Forever", den allerbesten Freund.

"Trump lässt die Nation über die Klinge springen"

Auch die weniger schrillen Blätter halten sich an diesem Morgen nicht zurück. In der "New York Times", die eigentlich der Inbegriff des journalistischen "Understatements" ist, wird Trump als "unterwürfig" bezeichnet. In dem Blatt fallen Sätze wie dieser: "Es bleibt ein Geheimnis, warum der Präsident - anders als seine republikanischen oder demokratischen Amtsvorgänger - nicht gewillt ist, russische Niedertracht anzusprechen." Die "New York Times" beschreibt Trump als "Spachtelmasse", sobald er neben Diktatoren wie Putin steht.

Die "Washington Post" kleidet ihre Kritik in Ironie: "Trump lobpreist Putins 'überzeugendes' Dementi", heißt es auf der Titelseite. "Herr Trump hatte gesagt, er wolle das Thema der russischen Einmischung in die Wahlen bei Herrn Putin ansprechen, doch das Ergebnis war eine Serie von Erklärungen, die von Moskau hätte vorgeschrieben sein können."

Die "Los Angeles Times" hält sich zwar bei der Überschrift zurück, in einer Analyse heißt es aber: "Es ist schockierend, dass der Präsident den lange bestehenden, auf Beweisen ruhenden Schlüssen von CIA, NSA, FBI und dem Büro des Geheimdienstkoordinators kein größeres Gewicht gibt als dem Gerede eines manipulativen russischen Autokraten." Trump habe "erbärmlich" klargemacht, dass er seiner Führungsaufgabe nicht gewachsen sei.

Ob auch Trump diesen Dienstag mit einer aufwühlenden Zeitungslektüre beginnt, ist ungewiss. Der US-Präsident ist eher dafür bekannt, am Morgen seinen Lieblingssender Fox News einzuschalten und dem Frühstücksfernsehen "Fox and Friends" zu folgen. Allerdings führt an diesem Morgen Abby Huntsman durch das Programm des sonst Trump wohlgesonnenen Senders. Huntsman, Tochter des US-Botschafters in Moskau, twitterte grob übersetzt: "Keine Verhandlung ist es wert, das eigene Volk und die eigene Nation über die Klinge springen zu lassen."

Quelle: n-tv.de, ieh

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