Politik

Trumps mögliches Schattenkabinett Diese Männer regieren bald die USA

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Donald Trump und sein Vize Mike Pence vertrauen vermutlich auf die Dienste von Reince Priebus (am Mikrofon).

(Foto: AP)

Donald Trump wird Präsident der USA. Und wer sitzt in seinem Kabinett? Der Unternehmer vermied es bisher, sich in die Karten schauen zu lassen. Eine Handvoll Namen kursiert dennoch.

In Europa blicken sich Politiker ratlos in die Gesichter. Wen, zur Hölle, haben die US-Amerikaner da an diesem Wahltag ins Weiße Haus befördert? Und was ist von der Präsidentschaft Donald Trumps zu erwarten? Einig sind sich alle: Es wird viel davon abhängen, ob Trump Leute in sein Umfeld lässt, die seine grob geschnitzten Politikentwürfe in verdauliche Häppchen verarbeiten.

Das für viele Beunruhigende: Es herrscht allenthalben Ungewissheit darüber, wer in Trump Regierungsmannschaft welche Rolle spielen könnte. Versuche, schon vor der Wahl mögliche Ansprechpartner auszumachen und in einen Dialog zu treten, seien gescheitert, heißt es aus der Bundesregierung. "Wir kommen jetzt in eine Phase des Vakuums", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der ARD.

Trump hat bisher peinlich darauf geachtet, öffentlich keine möglichen Kabinettsmitglieder zu kommentieren. Ein paar Namen kursieren seit Trumps Wahlerfolg nun doch, andere stehen bereits fest.

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Mike Pence

(Foto: REUTERS)

Sicher ist, dass Mike Pence Vize-Präsident der USA wird. Viele erwarten, dass der politische Routinier für Trump die Arbeit erledigen wird – und der Milliardär sich um die öffentlichkeitswirksameren Seiten des Regierens kümmern wird. "Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge" – so beschreibt sich Pence selbst. Der Evangelikale hat enge Verbindungen in den erzkonservativen Flügel der Partei und in den Kongress. Als Gouverneur von Indiana machte er sich als strikter Abtreibungsgegner und mit schwulenfeindlichen Gesetzen einen Namen. Sein Auftritt im TV-Duell der Vizekandidaten brachte ihm viel Respekt ein, nicht wenige fanden, er habe sich besser geschlagen als sein Chef. Mit diesem wird er sich vermutlich noch einmal zusammensetzen müssen: In mehreren Themenkomplexen, wie etwa seiner Haltung zum Freihandel, gibt es Differenzen.

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Reince Priebus

(Foto: REUTERS)

In Trumps erster Rede nach gewonnener Wahl kam – abgesehen von seiner Familie – niemand mehr Lob und Dank ausgesprochen als Reince Priebus. "Reince ist ein Superstar", sagte er überschwänglich über den Vorsitzenden des Republican National Committee. Mehrere US-Medien berichten, dass "Superstar" Priebus künftig Stabschef im Weißen Haus sein könnte. Der Posten wird auch als der des "zweitmächtigsten Mann in Washington" bezeichnet. Priebus hat einen steilen politisch Aufstieg hinter sich: Mit nur 35 Jahren wurde er zum Chef der Republikaner in Wisconsin gewählt, wenig später in das nationale Organisationskomitee der Partei, das den reibungslosen Ablauf der Vorwahlen und der Wahlkämpfe republikanischer Kandidaten koordiniert. Heute ist der 44-Jährige laut Vertrauten einer der wenigen, denen Trump zuhört. Das liegt auch daran, dass Priebus trotz aller Skandale loyal geblieben ist.

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Rudy Giuliani

(Foto: AP)

Beobachter rechnen fest damit, dass Rudy Giuliani eine große Rolle in Trumps Kabinett spielen wird, womöglich als Attorney General, als Justizminister. Giuliani wäre damit Chefkontrolleur der Strafverfolgungsbehörden und verträte die USA formell bei Prozessen. Der Posten wäre der Lohn für den vermutlich treusten Unterstützer und Vertrauten des neuen Präsidenten, dessen Angriffe auf Hillary Clinton im Wahlkampf noch schärfer waren als Trumps. Selbst nach Bekanntwerden von Trumps sexistischen Sprüchen kurz vor dem dritten TV-Duell hielt er als einer der letzten Republikaner zu ihm. Giuliani war zwischen 1994 und 2001 Bürgermeister von New York – also auch zur Zeit des Terrorangriffs auf die Stadt. Ein Schlagwort prägt seine Amtszeit und symbolisiert sein Wesen: "zero tolerance". Mit beispielloser Law-and-order-Politik bereinigte er die Straßen der New Yorker Innenstadt von Kriminalität und Drogen. Parallel dazu nahmen Klagen über Polizeibrutalität massiv zu. Vielen Rechtsaußen der Republikaner sind Giulianis Ansichten über Abtreibung, Homosexuelle und Waffen jedoch zu liberal.

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Newt Gingrich

(Foto: REUTERS)

Wenn das Gemunkel in Washington zutrifft, könnte Newt Gingrich John Kerry als Außenminister der USA beerben. Als jahrzehntelanges Mitglied des Kongresses und Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses ist er das, was man getrost einen alten Hasen nennen darf. Der 73-Jährige scheiterte 2012 mit einer eigenen Kandidatur an Mitt Romney. Dieses Jahr schloss er sich früh dem Team Trump an und galt lange als enger Kandidat für den Vize-Posten. Gingrich hat eine Basis bei evangelikalen Christen und sehr Konservativen, wird aber vom politischen Gegner gerne verhöhnt. Etwa wird noch heute gerne erzählt, wie verbittert er sich 2012 trotz schwindender Chancen an seine Vorwahlkandidatur klammerte. Legendär auch seine Ankündigung, bis 2020 gebe es eine bemannte US-Mondkolonie, wenn er ins Amt gewählt würde – vielleicht ja wieder ein lohnendes politisches Ziel als US-Außenminister.

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Michael Flynn

(Foto: REUTERS)

Was Donald Trump über Außen- und Militärpolitik vertritt, ist geprägt von seinem Berater Michael Flynn. Viele sind deshalb sicher, dass Flynn Verteidigungsminister oder Nationaler Sicherheitsberater wird. Zwischen 2012 und 2014 war er Direktor der Defense Intelligence Agency, also dem Militärgeheimdienst der USA. Der Drei-Sterne-General trat von seinem Posten vorzeitig zurück, weil er mit der Art, den Dienst zu führen, aneckte. Später plauderte er über Versäumnisse der US-Streitkräfte und der Geheimdienste im Irak und Syrien. Er sagte, Anzeichen für ein Erstarken des sogenannten Islamischen Staats seien zu lange ignoriert worden. Auch sprach er öffentlich davon, dass die USA Al-Kaida gepäppelt hätten, um das Assad-Regime unter Druck zu setzen. Seither ist Flynn persona non grata im politischen Washington – und damit ein Mann genau nach dem Geschmack Trumps.

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Steven Mnuchin

(Foto: REUTERS)

Die Finanzen des Landes könnte Trump in die Hände von Steven Mnuchin legen. Er verwaltete in den vergangenen Jahren die Wahlkampfkasse des Milliardärs und sorgte als Fundraiser für immer neue Mittel. Mnuchin ist ansonsten aber ein politisch recht unerfahrener Mann. Als Goldman-Sachs-Banker machte er als Hedgefondsmanager ein Vermögen und engagierte sich seit den 2000ern als Finanzier von Kinofilmen. Seine Produktionsfirma RatPac-Dune Entertainment war für mehrere bekannte Filme wie etwa "Avatar" oder die "X-Men"-Reihe verantwortlich. Mnuchin ist Jude und damit Trumps wichtigste Verbindung in diese Bevölkerungsgruppe - neben seiner mit einem Juden verheirateten Tochter Ivanka.

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Lewis Eisenberg

(Foto: REUTERS)

Mit Lew Eisenberg könnte ein weiterer jüdischer Geschäftsmann eine wichtige Rolle zugewiesen bekommen. Seit Jahren ist er als Fundraiser für die Republikaner aktiv, er soll sich Hoffnungen auf den Posten des Handelsministers machen dürfen. Im "big apple" ist Eisenberg eine feste Größe: Er ist besonders dadurch bekannt, im September 2001 Chef der Port Authority of New York and New Jersey gewesen zu sein – jenes Staatsunternehmens, das das World Trade Center betrieb. Als Banker bei Goldman Sachs und Vermögensverwalter hat er eine Wall-Street-Karriere hinter sich. Er arbeitet derzeit noch als Senior Adviser der bekannten Investmentfirma KKR.

Quelle: n-tv.de