Politik

Neue linke Sammelbewegung "Dieses 'Aufstehen' ist eine Totgeburt"

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Sahra Wagenknecht beim Bundesparteitag der Partei Die Linke im Juni in Leipzig.

picture alliance/dpa

SPD-Politiker Johannes Kahrs hält nicht viel von Sahra Wagenknechts neuer Sammelbewegung "Aufstehen". Im Interview mit n-tv.de schätzt er die Erfolgschancen der Initiative ein und erklärt, warum sich dieser Bewegung nur Verzweifelte anschließen werden.

n-tv.de: Wie schätzen Sie die Erfolgschancen der Sammelbewegung "Aufstehen" ein?

Johannes Kahrs: Ich glaube nicht, dass "Aufstehen" besonders erfolgreich sein wird. Es gibt keine Partei in Deutschland, die die Sammelbewegung unterstützt. Nicht mal die Linkspartei. "Aufstehen" ist eine übliche PR-Nummer von Frau Wagenknecht, um in Film, Funk und Fernsehen überhaupt noch vorzukommen, nachdem sie auf ihrem letzten Parteitag eine solche Abfuhr erhalten hat.

Die Sammelbewegung scheint mit bislang mehr als 30.000 Anmeldungen aber durchaus auf ein großes Echo zu stoßen.

In Wirklichkeit sind die 30.000 Anmeldungen aber keine Mitglieder. Bislang sind diese Menschen lediglich an der Idee interessiert. Die Registrierung ist für sie unverbindlich und zeugt von Interesse, aber nicht mehr.

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Johannes Kahrs ist seit 1998 direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestages.

Kann eine linke Initiative nicht doch eine Antwort auf den Rechtsruck in Deutschland sein?

Ich glaube nicht, dass so eine Initiative etwas bringt. Mein Ziel ist es, die SPD so stark wie möglich zu machen. Nur so kann man eine weitere Große Koalition verhindern.

Spaltet eine linke Sammelbewegung das Parteiensystem?

Das sehen ja nicht mal die Veranstalter so. "Aufstehen" soll als Bewegung neben den Parteien etabliert werden. Die Bewegung mag ein paar Unzufriedene einsammeln. Insbesondere sicherlich die Gefolgschaft von Frau Wagenknecht, die in der Linkspartei mit ihrem rechten Kurs kurz vorm Scheitern steht. Diese Querfrontpolitik ist in der Linken sehr umstritten. Sie sucht jetzt einfach ein Vehikel, um ihr eigenes Ding zu machen. Das halte ich weder für sinnvoll noch für erfolgreich. Aber für ein bisschen PR im Sommerloch scheint es zu reichen.

Wagenknecht und Lafontaine wollen neben Anhängern aus ihrer eigenen Partei auch Mitglieder von SPD und Grünen ansprechen. Könnte das funktionieren?

Ich halte "Aufstehen" für eine Totgeburt. Alle wissen, dass diese Sammelbewegung seit Monaten im Gespräch ist und immer wieder verschoben wurde, weil die Unterstützung gefehlt hat. Außer ein paar Verzweifelten wird sich dieser Sammelbewegung niemand anschließen.

Einige Unterstützer aus der SPD gibt es aber bereits, Ihren Fraktionskollegen Marco Bülow zum Beispiel.

Ich glaube, Marco ist tief frustriert. Er hat ja manchmal Vorstellungen, die für die SPD eher unüblich sind. Ich will das nicht beurteilen, er muss selber wissen, was er da treibt. Dass sich noch viele andere aus der SPD anschließen, halte ich aber für abwegig.

Viele werfen Wagenknecht vor, sie wolle nur ihre eigene Karriere vorantreiben. Sind diese Vorwürfe gerechtfertigt?

Die Karriere von Sahra Wagenknecht steht kurz vor dem Scheitern. Als Person finden sie viele beeindruckend, ihre politischen Ziele hingegen sind ein bisschen diffus - eine Mischung aus Linkspartei mit nationalistischen Tönen. Nachdem Frau Wagenknecht in der Linkspartei gescheitert ist, testet sie jetzt aus, ob und was mit "Aufstehen" erreicht werden könnte. Ich halte es mehr für einen Abgesang.

Mit Johannes Kahrs sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de

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