Politik

"Pro Life", oder doch nicht? Donald Trump - der Gummi-Kandidat

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Donald Trump pflegt einen recht flexiblen Umgang mit seinen Meinungen.

(Foto: AP)

Seit Tagen verwirrt Donald Trump mit Aussagen zu Abtreibungen. Dafür oder dagegen? Was soll Frauen drohen, wenn sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden? Trumps Ringen um Antworten zeigt, wie er Politik versteht.

Mit den Aussagen des republikanischen Präsidentschaftsanwärters Donald Trump Schritt zu halten, ist mitunter nicht ganz leicht. Die Welt rätselt noch über seine Äußerungen zu Atomwaffen für US-Verbündete, da gibt er seiner Meinung zum Thema Abtreibung eine mysteriöse Wendung. In einem Interview mit dem US-Sender CBS sagte Trump, er sei dafür, den Status quo in Sachen Abtreibung beizubehalten.

Hat Trump seine Meinung wieder geändert? Sollen Frauen nun doch nicht, wie von ihm vor wenigen Tagen gefordert, für Abtreibungen bestraft werden? Es ist wie so oft bei Donald Trump: Man weiß es nicht. Denn morgen schon könnte er darüber wieder ganz anders denken. Die Affäre ist ein neues Lehrstück darin, wie der streitbare Republikaner Politik macht.

In den USA sind Schwangerschaftsabbrüche seit einem Urteil aus dem Jahr 1973 bis zur Lebensfähigkeit des Kindes legal. Trump hat in seiner Kampagne mehrere beeindruckende Kehrtwenden vollzogen, was seine Haltung zu dem Thema anbetrifft. Lange Zeit vertrat Trump, dass Frauen selbst über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden sollten. Zu Beginn seiner Kampagne entschloss er sich dann dazu, das aufzugeben. Die "Pro Life"-Bewegung, die Abtreibungen ablehnt, ist unter republikanischen Wählern stark vertreten. Da schien es wohl opportun, sich fortan für den Schutz des ungeborenen Lebens einzusetzen.

Meinungen entstehen im Gespräch

Dass Trump dabei in Details nicht ganz sattelfest war, wurde dann im Lauf der vergangenen Woche offensichtlich. Dem Sender MSNBC sagte er am vergangenen Mittwoch, für Frauen müsse es "eine Art von Bestrafung" geben, sollte Abtreibung für illegal erklärt werden. Ein Aufschrei ging durch die Medienlandschaft, auch in Deutschland wurde die Aussage diskutiert. Doch was meint Trump damit? Und meint er das ernst? Das Gespräch, das dieser Aussage vorausging, ist entlarvend.

MSNBC-Journalist Chris Matthews befragt Trump zu seiner Haltung über Abtreibungen. Zunächst versucht der Milliardär, sich mit der allgemeinen Antwort aus der Affäre zu ziehen, er sei "pro life", also für den Schutz ungeborenen Lebens. Matthews will ihn damit nicht davon kommen lassen. Es entwickelt sich ein Dialog. Dieser zeigt, wie Trump seine Haltungen festlegt - spontan im Gespräch und aus dem Bauch heraus:

Matthews: "Für was für ein Verbrechen halten Sie Abtreibung?"
Trump: "Nun, es ist menschliches Leben."
Matthews: "Sollten Frauen dafür bestraft werden? Wenn Sie Abtreibung für ein Verbrechen, für Mord halten, müssen Sie das entscheiden."
Trump: "Leute in bestimmten Teilen der republikanischen Partei, konservative Republikaner, würden sagen: 'Ja, sie sollten bestraft werden.'"
Matthews: "Und wie sehen Sie das?"
Trump: "Ich würde sagen, es ist ein sehr ernstes Problem. Und es ist ein Problem, über das wir entscheiden müssen."

Matthews versucht Trump festzunageln, Trump will dagegen Zeit gewinnen und geht dazu über, Gegenfragen zu stellen.

Trump: "Sind Sie katholisch?"
Matthews: "Ja, ich denke schon."
Trump: "Wie denken Sie über die Positionen der katholischen Kirche?"
Matthews: "Nun, ich akzeptiere die Autorität meiner Kirche in moralischen Fragen."
Trump: "Kennen Sie deren Position zu Abtreibungen?"
Matthews: "Ja."
Trump: "Und stimmen Sie dem zu?"
Matthews: "Ich stimme dieser moralischen Position zu, aber rechtlich - und ich komme wieder auf meine Frage - habe ich ein Problem damit."
Trump: "Lassen Sie mich fragen: Was sagen Sie über Ihre Kirche? Sie ist in dieser Frage sehr überzeugt."
Matthews: "Das darf sie auch sein. Aber Kirchen treffen moralische Urteile, Sie aber bewerben sich für das Amt des US-Präsidenten. Glauben Sie, es sollte Strafen für Abtreibungen geben? Ja oder Nein? Es ist eine Prinzipienfrage."
Trump - zunächst zögernd: "Die Antwort ist … es muss eine Art von Bestrafung geben."
Matthews: "Für die Frau?"
Trump: "Ja, es muss eine Art von Strafe geben."

Alles bleibt, wie es ist - oder doch nicht?

Trump hat ganz offensichtlich in dem Moment, in dem er den Satz ausspricht, beschlossen, das so zu sehen. Atomwaffen für die Welt, Mauern gegen Mexikaner, Bomben gegen Islamisten, Strafen für Abtreibungen - wenig von dem, was Trump sagt, scheint durchdacht. In einem hoch professionellen politischen Umfeld wie in den USA wirkt das merkwürdig dilettantisch. Und bringt ihm paradoxerweise bei den Wählern viele Sympathien ein. Der Anti-Establishment-Kandidat punktet damit, nicht glatt und abwägend zu sein, sondern zu reden, wie ihm der Mund gewachsen ist.

Da macht es dann auch nicht viel aus, wenn Trump am nächsten Tag etwas anderes gemeint haben will. Kurz nach seinem Interview mit Matthews sagte er, Strafen solle es künftig doch nur für Ärzte geben, denn "die Frau ist in diesem Fall ein Opfer". Und am Freitag dann wundern sich die politischen Kommentatoren in den USA über diesen Satz: "Momentan stehen die Gesetze fest. Und ich denke, wir sollten sie so belassen." Sein Kampagnenmanager Hope Hicks beeilt sich, klarzustellen: "Herr Trump hat lediglich wiedergegeben, wie die Rechtslage ist und dass sie so bleiben muss - bis er Präsident ist." Dann werde Trump die Gesetze ändern und den Bundesstaaten erlauben, ungeborenes Leben zu schützen. "Es gibt also nichts Neues."

Alles klar also? Und die Frage der Bestrafung von Frauen? Bleibt offen. Vermutlich bis der nächste Reporter Trump ein Mikrofon vor den Mund hält.

Quelle: n-tv.de

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